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Abpfiff des Nachspiels im 9. Stadion

Baselbieter EM-Debakel: Nur wenige Fans wollten im vergangenen Sommer in Bad Bubendorf die EM-Spiele auf Grossleinwand verfolgen: Das prächtig ausgestattete Stadion blieb meist leer, die Eintrittskarten gerieten schnell zum Ladenhüter. Nicole Nars-Zimmer / Montage Werner Rippstein

EM-Debakel

Baselbieter EM-Debakel: Nur wenige Fans wollten im vergangenen Sommer in Bad Bubendorf die EM-Spiele auf Grossleinwand verfolgen: Das prächtig ausgestattete Stadion blieb meist leer, die Eintrittskarten gerieten schnell zum Ladenhüter. Nicole Nars-Zimmer / Montage Werner Rippstein

Baselland zieht einen Schlussstrich unter das Debakel mit dem 9. Stadion – und nebenbei unter das ganze EM-Abenteuer.

Jürg Gohl

Der grosse Flop mit dem 9. Stadion in Bad Bubendorf an der Fussball-EM 2008 kommt den Kanton Baselland auf runde zwei Millionen Franken zu stehen: 1,2 Millionen beträgt die Defizitgarantie aus dem Lotteriefonds, welche die Regierung gewährt hat und nun vollumfänglich überweisen muss, 0,8 Millionen Franken zahlt der Kanton dem unbekannten Mäzen, der sich ursprünglich bereit erklärt hat, 1,5 Millionen Franken an ein allfälliges Defizit beizusteuern.

Man erinnert sich ungern daran: In der grössten Public-Viewing-Arena der ganzen EM, die Baselland selbstbewusst in Bad Bubendorf aufstellte, blieben während der Spielübertragungen die Sitze weitgehend leer. Der Veranstalter blieb selbst auf seinen Tickets sitzen, als diese gratis waren. Und weil zwar viele Kleinkonzerte abgehalten wurden, aber ausgerechnet die beiden grossen von DJ Bobo und den Scorpions kurzfristig abgesagt werden mussten, fehlten am Ende 4,34 Millionen Franken, um alles zu decken.

Nach Abzug der Defizitgarantie und des Beitrags des nun vom Kanton entlasteten Mäzen verbleibt ein Defizit von 1,64 Millionen Franken, das die durchführende Messe Schweiz zu tragen hat. Für Leben im Niemandsland zwischen Liestal und Bubendorf sorgten nur die vielen Breitensportanlässe, sie warfen aber keinen Gewinn ab.

Nicht alle Parteien sind gerade angesichts neuer Sparbestrebungen begeistert von der Idee der Regierung, die 880 000 Franken, welche Baselland bei der Beteiligung an der «richtigen», der Basler EM eingespart hat, an den Mäzen weiter zu reichen.

SVP und Grüne gegen Abgabe

SVP und die Grünen wollten gestern den entsprechenden Passus aus dem EM-Schlussbericht streichen, als sich der Landrat letztmals mit der Euro 08 auseinandersetzte. Mit 26 zu 48 Stimmen unterlagen sie aber klar. Die SVP möchte das Geld, wenn schon, lieber zum Beispiel nach Pratteln weiterreichen.

Dort haben private Fancamp-Betreiber, die im Gegensatz zu Bad Bubendorf keine kantonale Rückendeckung hatten, ein böses Defizit erwirtschaftet. Im Abschlussbericht wird allerdings festgestellt, dass der Konkurs dieser Fancamp-Betreiber nicht auf zu tiefe Übernachtungszahlen, sondern auf bös defizitäre Konzerte zurückzuführen sei.

Für das Debakel mit dem

9. Stadion wurde gestern primär die Regierung verantwortlich gemacht, einzelne Landräte waren aber auch zur Selbstkritik fähig. So stellt der Prattler SP-Landrat Ruedi Brassel nüchtern fest: «Das haben wir uns selber eingebrockt.» Er führt die Idee, ein eigenes 9. Stadion zu errichten, auf einen «Hülftenschanz-Komplex» zurück. Hans-Jürgen Ringgenberg sieht «Grössenwahn und Hektik» als Ursache.

Das Geheimnis, wer der noble Spender der 700 000 Franken an das EM-Debakel ist, bleibt weiter ungelüftet. Regierungsrat Urs Wüthrich verriet einzig: «Jemand, der sich für die Region engagieren will und der weiss, dass Kapital auch Verantwortung heisst.»

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