Ab jetzt heisst sie Thomas-Kirche

Ab jetzt heisst sie Thomas-Kirche

Ab jetzt heisst sie Thomas-Kirche

Mit einem Festgottesdienst feierte die Reformierte Kirchgemeinde beider Gerlafingen und Biberist ihr hundertjähriges Bestehen. Dabei wurde die ansprechend erneuerte Kirche auf den Namen «Thomas-Kirche» getauft.

Gundi Klemm

Der biblischen Figur des Thomas, Jünger in der Gefolgschaft Jesu, haftet im Volksmund der Name «Der Ungläubige» an. Er ist beschrieben als der Zweifler, der alles genau wissen wollte und der nichts ungeprüft glaubte. In seiner Festtagspredigt widmete sich Pfarrer Christian Stephan diesem Thomas als Abbild des modernen Menschen auf seinem beschwerlichen Weg der Sinn- und Gottessuche.

Wie Thomas befinde sich die heutige Gesellschaft auf einem Marsch in die Zukunft, der reich sei an Abgründen, Irrwegen und Kreuzungen, die immer wieder Entscheidungen forderten. Wenn jahrhundertelang die Heilsbotschaft mit ihrem Anspruch auf absolute Wahrheit für Menschen eine tröstliche Prophezeiung anbot, so machen heutige Wertvorstellungen, die Individualisierung und nicht zuletzt Toleranz gegenüber Andersdenkenden den religiösen Weg unübersehbarer.

Deshalb könne dieser Jubiläumstag einen Orientierungspunkt zur Besinnung auf Rückliegendes und Kommendes anbieten. «Wir brauchen Wegweiser, die uns Perspektiven für Leben und Glauben eröffnen.» Nicht das Alter des Kirchengebäudes zähle, sondern das Leben, das sich darin abgespielt habe und weiterhin hoffentlich das christliche Selbstbewusstsein stärke.

Bedürfnisse der Gesellschaft

Kirchgemeindepräsident Heinz Stephani erinnerte an den vor drei Jahren abgeschlossenen An- und Umbau der Kirche, die damit noch deutlicher den Bedürfnissen der Gesellschaft entspreche. «Wir sind offen für alle». Gerade das Jubiläumsjahr mit seiner Veranstaltungsreihe «Schöpfung – das Geheimnis der Zukunft», habe viele Menschen in der Kirche zusammengeführt und einen erkennbar positiven Trend gesetzt, den der Kirchgemeinderat mit vielfältigen Angeboten unterstützen werde.

Stephani erinnerte kurz an das vor hundert Jahren weitblickende Zusammenschaffen der neuen reformierten Gemeinde über politische Grenzen hinweg. In seiner Grussansprache knüpfte Biberists Gemeindepräsident Martin Blaser später an die historische Bedeutung dieser Kirchgemeindegründung an, die wichtige Zeichen der Selbstständigkeit setzte und längerfristig zum Frieden zwischen den Konfessionen beitrug. Namens des Pfarrkollegiums gestalteten Dorothea Neubert und Christian Bürki im Beisein von Delegationen der zur Kirchgemeinde zählenden Dörfer und aus deren Nachbarschaft einen würdigen Festgottesdienst, in dem die hereinleuchtende Sonne alle Einzelheiten des Kirchenraums zur Geltung brachte. «Wir alle bauen an unserer Kirche mit, denn wir sind ihre Bausteine», lud Pfarrer Christian Bürki zur Mitgestaltung ein. Umrahmt wurde die Feierstunde vom strahlend klingenden Posaunenchor und während des Abendmahls vom Blockflöten-Ensemble Sonatella. Der Kirchenchor, geleitet von Kantor Thomas Zürcher, vertiefte Glaubensinhalte auf klassische Weise und dank Klavierbegleitung sogar mit gefälligem Jazzrhythmus.

Einen wirklichen Nachhall hat der Auftritt der Jodlerklubs aus Alchenstorf und Hasle-Rüegsau am Freitagabend mit der Aufführung der «Bärner Jodlerpredig» von Hannes Fuhrer hinterlassen. Auf ebenso grosse Resonanz stiess der Familiennachmittag mit dem Singspiel «Diese Erde ist dein Garten». Als anspruchsvoll empfand das Publikum das George-Tabori-Schauspiel «GoldbergVariationen», das die Truppe «Acht machen Theater e.V.» aus Hannover aufführte.

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