World Overshoot Day
Ab heute lebt die Welt auf Pump

Die Erden-Bewohner verbrauchen zu viele natürliche Ressourcen. Bis heute haben sie in diesem Jahr schon so viel aufgebraucht, wie die Welt in einem ganzen Jahr erzeugen kann. Der Verband Swisscleantech fordert eine Ressourcenwende.

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Heute wären 1,5 Planeten nötig, um alle Bedürfnisse zu erfüllen.

Heute wären 1,5 Planeten nötig, um alle Bedürfnisse zu erfüllen.

Keystone

In der Zeitspanne vom 1. Januar 2013 bis zum heutigen Tag haben alle Bewohner der Erde zusammen so viele Ressourcen verbraucht, wie der Planet auf natürlichem Weg in einem ganzen Jahr erzeugen kann.

Heute Dienstag ist der sogenannte «World Overshoot Day». Dies bedeutet, dass die Weltbevölkerung ab morgen auf Pump lebt, denn es handelt sich um jenen Tag, an dem alle Erdenbewohner zusammen die Menge an Ressourcen verbraucht haben, welche die Erde innerhalb eines Jahres generieren kann. Dabei gelten die Daten des «Global Footprint Network», einer Partnerorganisation des WWF, als Grundlagen zur Berechnung.

Bevölkerungswachstum und steigender Pro-Kopf-Verbrauch

1987 gab es erstmals einen «World Overshoot Day», doch dann fiel dieser Tag noch auf den 19. Dezember. Durch den kontinuierlichen Anstieg des Ressourcenverbrauchs wurden 20 Jahre später bereits 30 Prozent mehr genutzt, als die Erde zu produzieren fähig ist.

Schweiz auf Rang 21

An der Spitze der Footprint-Sünder liegt Katar, welches unglaubliche 6,6 Planeten benötigen würde, damit die Erde die genutzten Ressourcen wieder erzeugen könnte. Gefolgt wird Katar von Kuwait, den Arabischen Emiraten und Dänemark. Auf dem fünften Platz befindet sich die USA mit einem Verbrauch von vier Planeten. Mit 2,8 benötigten Erden liegt die Schweiz auf Position 21. Die vorbildlichsten Länder sind Afghanistan, Osttimor und Palästina mit 0,3 und weniger Planeten.

Der ökologische Fussabdruck der Schweiz setzt sich dabei grösstenteils aus Wohnen (32%), Ernährung (33%) und der privaten Mobilität (13%) zusammen. «Unseren Fussabdruck können wir durch umweltgerechtes Verhalten aber stabilisieren oder sogar senken», erklärt Damian Oettli, Leiter Konsum und Wirtschaft beim WWF Schweiz. Beispielsweise durch einen reduzierten Fleischkonsum, weniger Fliegen oder durch den Kauf der energieeffizientesten Geräte. (mst)

Währenddessen wären laut WWF bereits 1,5 Planeten nötig, um alle Bedürfnisse zu erfüllen. Aufgrund des Bevölkerungswachstums und dem steigenden Pro-Kopf-Verbrauch wird erwartet, dass ab 2050 sogar mehr als zwei Planeten nötig wären.

Schlechter sieht das Bild derzeit für die Schweiz aus: "Der Schweizer 'Overshoot Day' war bereits am 30. März", sagt Mathis Wackernagel, Präsident des Global Footprint Network, einer Partnerorganisation des WWF, laut einer Mitteilung von swisscleantech am Dienstag vor den Medien in Bern. Das Land sei in hohem Grad von Importen abhängig.

Auch der Ausstoss von Abfallstoffen wie CO2-Emissionen in der Schweiz sei nicht nachhaltig, kritisierte Wackernagel. Die Schweiz verbrauche vier Mal mehr Natur als sie innerhalb ihrer Grenzen habe.

Ressourcenwende gefordert

Der Verband swisscleantech fordert deshalb eine Ressourcenwende und kündigte am Dienstag eine Ressourcenstrategie an. Er will darin aufzeigen, wie eine saubere Schweizer Ressourcenstrategie aus Sicht der Wirtschaft zu gestalten ist, wie Präsident Nick Beglinger sagte.

Wie bei der Energiestrategie wolle swisscleantech auf Vollkostenrechnung und eine wirtschaftsfreundliche Umsetzung setzen. "Die Schweiz soll im Jahr 2050 nicht mehr Ressourcen verbrauchen als ihr zustehen."

Ziel der Schweiz, einem reichen und innovativen Land und Weltmeisterin im Recycling, sollte es sein, nicht den 'Overshoot Day', sondern den 'Undershoot Day' zu begehen, sagte Beglinger. "Genau wie für die Energie braucht es auch bei den Ressourcen eine Wende in Richtung Nachhaltigkeit." (mst/sda)

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