Die aargauische Stiftung Suchthilfe, das Beratungszentrum Baden und die Jugendanwaltschaft haben in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum für Rehabilitations- und Gesundheitspsychologie der Universität Fribourg ein 3-Modul-Behandlungsprogramm für Cannabiskonsumenten entwickelt. Ein Modellversuch damit ist vorerst auf 18 Monate angelegt.

Ziel ist es, gefährdete Jugendliche frühzeitig zu erkennen und das Risiko einer späteren Suchtentwicklung mit geeigneten Interventionen zu minimieren. Am Anfang steht eine computergestützte psychosoziale Gefährdungsdiagnostik, die von der Universität Fribourg entwickelt wurde. Als zusätzliches Instrument zu Gesprächen mit den jugendlichen Betroffenen und deren Eltern hilft sie, eine umfassende Situationsanalyse zu erstellen. Dabei werden das Konsummuster, die psychische Befindlichkeit sowie die familiäre und die schulische bzw. Lehrlingssituation berücksichtigt. Diese Abklärungen dienen als Entscheidungsgrundlage für die Empfehlung zu weiteren Behandlungen.

Zusätzlich zu den traditionellen Behandlungsangeboten wie Einzel- und Familienberatungen werden neu die Programme Realize-it und VIVA für junge Cannabis-Konsumierende im ganzen Kanton angeboten, deren Besuch von der Jugendanwaltschaft verfügt werden kann. Das Realize-it-Programm richtet sich an Personen, die ihren Konsum reduzieren oder einstellen möchten. Sie lernen Risikosituationen erkennen und entwickeln neue Strategien, den Konsum zu kontrollieren und besser mit Belastungen umzugehen. Das Programm dauert 10 Wochen. Als Arbeitsinstrument dient ein persönliches Tagebuch mit verschiedenen Informationen und Tipps.

Das VIVA-Programm ist ein Kurs und dauert ebenfalls 10 Wochen. Es hat die verbesserte Selbstregulation zum Ziel. Die Wahrnehmung von eigenen Gefühlen und Gedankengängen soll geübt werden, da diese wesentlich das Verhalten mitbestimmen. Durch diese Lernprozesse sollen Jugendliche befähigt werden, mit selbstschädigendem Verhalten wie exzessivem Cannabis- oder Alkoholkonsum oder aggressiven Ausbrüchen einen anderen Umgang zu finden. Ein spielerisch gestaltetes Begleitbuch dient zur Unterstützung.

Bei Erstverzeigungen bieten die Suchtberatungsstellen zusammen mit der Jugendanwaltschaft Cannabisrunden mit Jugendlichen an. Die Jugendanwaltschaft verpflichtet Jugendliche, die erstmalig gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen haben, zu einer Gesprächsrunde zusammen mit der Jugendanwältin und der zuständigen Suchtberatungsstelle. Ergänzend dazu wird den Eltern ein separates Gesprächsangebot gemacht. Die Gruppe für die Jugendlichen ist obligatorisch, diejenige für Eltern freiwillig. (mz)