Kirche sucht Polizeiseelsorger

Aargauer Polizisten bekommen geistlichen Beistand

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Die Reformierte und die Römisch-Katholische Landeskirche wollen mit einem Projekt das Angebot einer Seelsorge für Angehörige der Kantons- und der Regionalpolizei aufbauen.

Michael Spillmann

Das Vorhaben liegt in «ökumenischer Verantwortung». Nun suchen sie per Stelleninserat eine Seelsorgerin oder einen Seelsorger für ein Teilpensum von 20 Prozent.

Einjährige Testphase

Bereits im Oktober 2009 hatte sich der Verband Kantonspolizei Aargau an seiner Versammlung dafür ausgesprochen, das Vorhaben Polizeiseelsorge in Angriff zu nehmen. Dies, nachdem im Grossen Rat eine entsprechende Interpellation eingereicht worden war. In der Antwort darauf zeigte sich der Regierungsrat in der Folge «bereit», der Idee eine einjährige Testphase zu gewähren. Nach einer Analyse soll dann über die Weiterführung entschieden werden. «Wir haben die Wichtigkeit der Polizeiseelsorge bereits früh erkannt», sagt Claudia Bandixen, Präsidentin des Reformierten Kirchenrats.

Vor zwei Jahren hätten die Landeskirchen demnach bereits Kontakt mit der Regierung aufgenommen, schliesslich habe dann aber die Politik 2009 für Schwung gesorgt. Die Kirchenratspräsidentin erklärt: «Das Wohl der Polizisten steht stets im Zen-trum.» Das Gespräch mit dem Seelsorger sei ein Treffen «auf Augenhöhe», mit jemandem, der «nicht im System ist».

«Nicht missionarisch wirken»

«Polizistinnen und Polizisten haben mit Extremsituationen umzugehen», sagt Marcel Notter, Generalsekretär
der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau. Für die Verarbeitung dieser Situationen gebe es den psychologisch-technischen Aspekt, aber eben auch einen spirituellen Ansatz, erklärt er die Beweggründe für das Projekt. Es gebe zudem bestimmte Situationen, in denen Polizistinnen und Polizisten sich eher einer externen Person anvertrauen würden. Es hätten, so Notter, immer wieder Polizisten den Kontakt zu den Kirchgemeinden gesucht.

Doch der Generalsekretär betont: «Der Polizeiseelsorger darf nicht missionarisch aktiv werden. Er hört zu, steht bei, spendet Trost, ob im Gespräch oder im Gebet und unabhängig von einer Religionszugehörigkeit.» Wie er weiter erklärt, seien die Polizeivertreter im interdisziplinären Begleitausschuss bei der Entscheidfindung jedoch sowohl bei der Stellenbesetzung als auch beim Entscheid über eine Fortführung der Seelsorge involviert.

«Keine Konkurrenz» für Psychologe

Wie der Stellenanzeige zu entnehmen ist, umfassen die Aufgaben der Seelsorge: Präsenz und Beizug im Berufsalltag (auf Wunsch der Polizisten), Begleitung der Einsatzkräfte nach traumatogenen Ereignissen und Mithilfe bei deren Verarbeitung, Gestaltung von Gottesdiensten und Kausalien und das Mitwirken in der Ausbildung von neuen Mitarbeitenden. Der Posten sei für Personen, die «offen sind für die Anliegen der Menschen in einer besonderen Berufswelt», sie müssen «die Bereitschaft, die kirchliche Arbeit loyal und kommunikativ in einem speziellen Umfeld wahrzunehmen», haben.

Mit Interesse verfolgt Polizeipsychologe Horst Hablitz die Entwicklung: «Ich sehe den Seelsorger nicht als Konkurrenz, sondern als sinnvolle Ergänzung», sagt er, der seit sieben Jahren vollamtlicher Polizeipsychologe bei der Kantonspolizei ist. Die Aufteilung sieht Hablitz in etwa so: Er selber sei für «die Seele» der Polizisten zuständig, der Seelsorger hingegen vielmehr für «den Geist». Neben dem Psychologen verfügt die Polizei heute über sechs so genannte «Peers» – erfahrene Polizisten, die in Notfallpsychologie ausgebildet sind.

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