Hermann Rauber

Mit einer klassischen Fanfare markierte das «ASO uff dr Gass» den Startschuss zum Aarauer Kulturmarathon. 150 Angebote an rund 30 Standorten lockten das Publikum, das in hellen Scharen aufmarschierte. Die Organisatoren zählten rund 5000 Besucherinnen und Besucher. «Nicht die Masse ist das Mass aller Dinge, sondern die kulturelle Vielfalt», betonte Dieter Sinniger vom Verein Q Aarauer Kultur. Wobei man gänzlich auf einheimische Kräfte zurückgreifen durfte, entstanden doch sämtliche Beiträge auf der Basis von Eigenleistungen.

Nicht allein die «Leuchttürme» strahlten

In seiner «Festrede» zum Auftakt definierte der Aarauer Autor Andreas Neeser den Menschen als «Insel», der zuerst einsam im Wasser steht, bis er nach Kanälen und Röhren sucht. «Allein sind wir nicht, tauchen Sie ab mit Herz und Kopf», animierte Neeser zum Besuch des Kulturtags. Das liess sich niemand zweimal sagen, schon bald setzte in der Innenstadt eine fröhliche Völkerwanderung ein, die von Kulturort zu Kulturort führte.

Dabei standen keineswegs nur die bekannten «Leuchttürme» in der Aarauer Kulturszene - Kunsthaus, Naturama, Stadtmuseum Schlössli, KiFF, Forum Schlossplatz oder das Theater Tuchlaube - im Vordergrund. Es öffneten sich auch am dritten Aarauer Kulturfest Nischen für Kleinkunst vom Feinsten. So genoss «Balkan Folk meets Swiss Volk» Gastrecht in «Nüsperlis Garten» an der Halde, Benno Ernst zeigte seine Produktion dank Stephan Müller in einem Privatzimmer an der Milchgasse 11, während im Cookuk im Schachen ein «fliegendes Buffet» mit Spoken-Word-Texten von Simon Chen würzig angereichert wurde. Und auf dem Oberturm kam es zu später Stunde zu einer «Welturaufführung», als die Aarauer Turmbläser zusammen mit Carilloneur Hubert Schäpper eine Komposition des Aargauers Thomas Bosshard erklingen liessen.

Das Projektteam freute sich

«Schön ist, dass Aarauerinnen und Aarauer jeglichen Alters das Generationen-Motto offen aufgenommen und hervorragend umgesetzt haben», freute sich in einer ersten Bilanz Susanne Morger, die zusammen mit Nadine Basler und Adi Blum das Kulturfest organisiert hat. Das zeigte sich besonders evident am erstmalig durchgeführten Jugend-Kulturfest (siehe Bericht auf Seite Aarau) oder bei einem generationenübergreifenden Jassturnier in der Stadtbibliothek, das schon vor Tagen ausgebucht war. Besonders köstlich war die Stimmung in der «Senioren-Disco» des Vereins Szenart im Untergeschoss des Hauses zur Zinne. Dort tanzten nicht nur Düdül Steiner, sondern auch jüngere Besucherinnen, die sich erst noch an das «offene Mikrofon» wagten.

Der erfüllte Aarauer Kulturtag ging mit dem «Mitternachtsjutzen» des Jodlerklubs und einer Lichtmeditation von Pfarrer Ur-sus Waldmeier in der Stadtkirche zu Ende, während im «Wenk» und im «Flössi» noch heftig abgerockt wurde.