Markus Brütsch

Real, Milan, Marseille - seit Donnerstag befindet sich der FCZ im Banne dieser klingenden Namen. Heute Samstag aber heisst der Gegner Aarau und das Stadion nicht Bernabeu, sondern Brügglifeld. Wie findet der FCZ den Weg von Wolke sieben hinunter in den Super-League-Alltag?
Fredy Bickel: Dies genau ist die grosse Herausforderung, die uns in den nächsten Monaten beschäftigt. Alle unsere Gegner in der Super League werden gegen den Meister mit der grösstmöglichen Konzentration spielen. Und in Aarau beispielsweise haben wir schon einige Male nicht gut ausgesehen. Aarau ist unter Druck und wird uns alles abverlangen.

Der FC Aarau ist Schlusslicht . . .
Bickel: . . . und zweifellos in einer schwierigen Saison. Aber ich halte viel vom Trainer und mit den Neuen hat er sicher eine Chance auf den Klassenerhalt.

Kann das Abenteuer Champions League den FCZ die Titelverteidigung kosten?
Bickel: Erneut Meister zu werden, ist auch ohne internationale Belastung eine sehr schwierige Aufgabe. Wir werden in der Champions League aber mit so viel Spass und Freude spielen und dabei viel lernen, sodass es keine negativen Folgen für die Meisterschaft geben wird.

Reicht denn die qualitative Breite des Kaders aus, um die Doppelbelastung aufzufangen?
Bickel: Ich bin von unserem Kader überzeugt. Entscheidend ist nun, wie die Spieler mit der Rotation klarkommen. Jeder muss sich bewusst sein, dass wir eine Einheit sind und seine Rolle von Spiel zu Spiel eine andere sein kann.

Am Montag schliesst das Fenster für internationale Transfers. Tut sich beim FCZ noch etwas?
Bickel: Stand heute: Nein. Sollte uns aber wider Erwarten noch ein Spieler verlassen, wären wir darauf vorbereitet und könnten reagieren. Viele Leute denken wohl, dass wir ständig Anfragen anderer Klubs für unsere Spieler hätten. Dies aber ist überhaupt nicht der Fall. Fast alles sind nur Gerüchte, es gibt weder Fax-Anfragen noch telefonische Interessensbekundungen.

Woher kommen die Gerüchte?
Bickel: Es sind die Spieleragenten, die dafür verantwortlich sind und die Spekulationen hochtreiben. Die Medien übernehmen sie dankbar. Hat aber mal ein Journalist bei Udine angerufen und gefragt, ob tatsächlich Interesse für Almen Abdi vorliege? Hat ein Journalist sich bei Ajax Amsterdam erkundigt, ob Erich Hassli wirklich ein Thema sei?

Sie dürften froh sein, wenn der Spuk am Montag vorbei ist.
Bickel: Ja, denn er kostet Zeit und hält einen von der Arbeit ab.

Und froh sind Sie wohl auch, dass nach dem Aarau-Spiel die Nati-Pause folgt.
Bickel: Ja, sehr sogar. Wir haben jetzt viele Wochen durchgearbeitet. Ich will aber nicht jammern, denn ich habe den schönsten Job. Doch es tut gut, mal durchzuatmen.

Welche Hauptaufgaben erwarten Sie danach im Vorfeld der Champions League?
Bickel: Ich werde die drei Reisen organisieren. Es ist mir ein Anliegen, dies selber zu tun. Ich will sie einbetten in unseren Liga-Alltag. Ich muss mir überlegen: Wie und wann fahren wir nach Mailand? Wo logieren wir? Gegen wen spielen wir danach in der Meisterschaft? Wann kehren wir zurück? Trainieren wir am Tag nach dem Spiel noch in Mailand? Wir dürfen nichts dem Zufall überlassen.

Bezüglich Prämienverhandlungen ist offenbar alles geregelt. Die Spieler können eine Viertelmillion Franken verdienen.
Bickel: So einfach lässt sich dies nicht sagen. Wie hoch die Prämie ist, wissen wir eh erst am Schluss, wenn wir auch die Punktzahl aus der Meisterschaft kennen.