Aarau holt mit Stojkov ein 3:3 gegen Xamax

Der FC Aarau zeigt gegen Xamax viel Moral und holt sich nach einer eindrücklichen Willensleistung und drei Toren des Mazedoniers Aco Stojkov ein verdientes Unentschieden.

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stojkov

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Keystone

Ruedi Kuhn, Neuenburg

Die Schlussphase. Es wird hektisch. Noch führt Xamax 3:2. Der FC Aarau kämpft, der FC Aarau rackert, der FC Aarau stürmt. Und der FC Aarau zeigt Leidenschaft und Herzblut. Nach 88 Minuten erkämpft sich Captain Sandro Burki den Ball, dringt in den Strafraum ein und wird von Frédéric Page von den Beinen geholt. Penalty! Aco Stojkov schnappt sich den Ball, bleibt die Ruhe selbst und erzielt den verdienten Ausgleichstreffer. In der Nachspielzeit zwingt Joker Sergio Bastida Luca Ferro mit einem Flachschuss zu einer Glanzparade.

Die Aarauer verpassen den Siegtreffer kurz vor Schluss nur um Haaresbreite. Aber mal ganz ehrlich: Das 4:3 für die Mannschaft von Trainer Martin Andermatt wäre des Guten dann doch zu viel gewesen. Schliesslich lag der Gastklub eine Viertelstunde vor dem Abpfiff noch mit zwei Toren im Hintertreffen. Nach Stojkovs Traumtor zum 2:3 setzt der Aussenseiter aber plötzlich Kräfte frei und schafft verdientermassen einen Punktgewinn. Das, obwohl Ibrahima Niasse kurz vor dem Ausgleich das 4:2 für das Heimteam auf geradezu klägliche Art und Weise vergibt.

Bescheidener Stojkov Schliesslich bleibts nach 93 Minuten beim 3:3. Stojkov reisst die Arme hoch und lässt sich von den Aarauer Fans feiern. Der 26- jährige Mazedonier erzielte gegen Xamax seine Saisontreffer vier, fünf und sechs und war der überragende Spieler auf dem Kunstrasen. Stojkov aber winkt ab, bleibt cool und sagt: «Natürlich freue ich mich über meine drei Tore, aber viel wichtiger ist der eine Zähler für Aarau. Dieses Unentschieden gibt uns für die Zukunft viel Moral. Noch sind wir längst nicht abgestiegen.» Das ist so. Nach Bellinzonas 0:5-Schlappe gegen St. Gallen beträgt der Rückstand des Tabellenletzten auf die Tessiner nur noch fünf Punkte. Trotzdem ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Der FC Aarau zeigte in der Maladière erneut zwei Gesichter: Er begann stark, kombinierte gefällig und hatte in der ersten Viertelstunde ein deutliches Chancenplus.

Stojkovs Führungstreffer nach zwölf Minuten und herrlicher Vorarbeit von Steven Lang und David Marazzi war der verdiente Lohn eines vorerst couragierten Auftritts. Und wäre Lang im Abschlussbereich nicht so harmlos, hätte er mindestens eine seiner zwei hochkarätigen Möglichkeiten zum 2:0 genützt. Wie aber heisst eine der vielen Fussball-Weisheiten so schön: Wer die Tore nicht schiesst, der kassiert sie. Nach Carlos Varelas Tor mittels Penalty und Stéphane Besles wuchtigem Kopfball nach dem fünften Corner kurz vor der Pause führten die Neuenburger 2:1. Aus Aarauer Sicht war vorallem der erste Gegentreffer ärgerlich: Giuseppe Rapisardas Foul an Nuzzolo innerhalb des Sechzehners war völlig unnötig. In der zweiten Halbzeit brachen dann alle Dämme. Es kam zu einem offenen Schlagabtausch. Mit dem FC Aarau, bei dem der 17-jährige Loris Benito erstmals von Beginn an spielte, als moralischem Sieger.

Pages Vaterfreuden Xamax-Trainer Pierre-André Schürmann konnte es jedenfalls nicht glauben, dass sein Team den Zwei-Tore-Vorsprung vor eigenem Publikum nicht über die Zeit brachte. Die Neuenburger hinterliessen einen zwiespältigen Eindruck. Allen voran Innenverteidiger Frédéric Page: Für den früheren Aarauer stand das Wochenende im Zeichen eines Wechselbades der Gefühle. Am Samstag wurde Page Vater einer Tochter mit Namen Lia Marie. Die Kleine ist wohlauf, 50 Zentimeter gross und 3265 Gramm schwer. Privat schwebt Page also auf Wolke sieben. Was das Berufliche betrifft, leistete er für seinen ehemaligen Verein allerdings tüchtig Schützenhilfe. Vor dem ersten Aarauer Tor verlor Page den Ball ohne Not und vor dem 3:3 foulte er Burki im Strafraum. Gut zu wissen, dass Page doch noch ein Herz für den Verein vom Brügglifeld hat.