Aarau
Aarau hat nun auch sein Dorf

Es war nass und kalt. Doch das garstige Wetter konnte den Aarauern und den Neu-Aarauern aus Rohr den Neujahrsabend nicht vermiesen: Sie feierten die Fusion zu Hunderten.

Merken
Drucken
Teilen
Furora

Furora

Stadtanzeiger Aarau

Hubert Keller

«Aarau hat nun auch sein Dorf», rief Festredner Pirmin Meier den Einwohnerinnen und Einwohnern von Aarau-Rohr zu. Der Historiker und Publizist hatte sich, wie zuvor Regina Jäggi, alt Gemeindeammann von Rohr und neuerdings Stadträtin von Aarau-Rohr, auf dem Rathausbalkon postiert, dort also, wo Peter Ochs 1798 die helvetische Republik ausgerufen hatte.

Festredner Meier sagte, dass die Fusion der beiden Gemeinden Aarau und Rohr nicht auf ein Gleichmachen hinauslaufen dürfe. Die dörfliche Kultur, der dörfliche Charakter des Stadtteils Rohr dürfe und müsse erhalten bleiben. Denn mit Rohr bekomme Aarau nun sein Dorf. Bei jeder Vereinigung gelte es, das Eigene neben dem Gemeinsamen zu pflegen.

Bevor um 18 Uhr an diesem Neujahrstag zum offiziellen Festakt geschritten wurde, war Aarau ganz (R)Ohr. Jedermann war auf öffentlichen Plätzen, in Gemeinschaftsräumen, Stuben und Gärten eingeladen, ein Ohr voll zu nehmen, sich von Geschichten, Liedern, Bildern und Tönen bezaubern zu lassen.

Als sich die Festbesucher vor dem Rathaus versammelt hatten, drangen Stimmen aus Rohr an deren Ohren: Vorsichtig skeptische auch, aber vor allem zuversichtliche Stimmen, die von der Fusion mit Aarau eine positive Entwicklung erwarten: «Rohr gewinnt.» «Rohr wird städtischer.» «Vorzeigeprojekt für andere Gemeinden.»

Die Aarauer «Harmonie» spielte auf, mit klammen Fingern und durch Pellerinen geschützt. Doch die Harmonie wurde gestört. Vom Zollrain her marschierten die Musikantinnen und Musikanten von Rohr auf, machten den Aarauern Kollegen das Terrain streitig.

Stadträtin Regina Jäggi aus dem Stadteil Rohr nahm darauf Bezug: «Es gibt in jeder Gemeinschaft falsche Töne. Es liegt an uns, die Töne zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen.» Musik bedeute auch zuhören, fügte sie an. Aufeinander hören, um das erste Kapitel einer gemeinsamen Geschichte erfolgreich zu gestalten.

Ein geschichtsträchtiger Tag, dies ist der 1. Januar 2010 auch für Stadtammann Marcel Guignard. Nicht nur, weil Aarau auf einen Schlag knapp 20 000 Einwohner und Einwohnerinnen zähle, wie Gui-gnard erklärte. Mit der Fusion sei eine neue Ära angebrochen, eine Ära des Zusammenfindens, nachdem sich Rohr, ebenso wie Buchs, vor 200 Jahren von Suhr losgesagt hatte.

Historiker Pirmin Meier hatte bereits darauf aufmerksam gemacht, dass mit dem 1. Januar 2010 wieder zusammengefügt worden ist, was vor bald 1000 Jahren eine gemeinsame Geschichte hatte. Das Rittergeschlecht Rore besass damals Ländereien, die den heutigen Stadtteil Rohr miteinschlossen. Der Turm Rore, der ehemalige Wohnturm, ist heute noch Teil des Rathauses. Seit dem 1. Januar seien nun Turm und Ländereien wieder vereint, sagte Stadtammann Guignard. Und dann spielten die vereinigten Musikgesellschaften den Marsch «On the road».