Aargauer Zeitung
Aarau hat keinen Platz für Muslim-Gräber

Auf dem Aarauer Friedhof Rosengarten kann kein Platz für muslimische Grabfelder geschaffen werden. Nach Ansicht des Stadtrates müsste eine solche Möglichkeit regional geprüft werden.

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Kein Platz für Muslim-Gräber

Kein Platz für Muslim-Gräber

Hermann Rauber

Muslime können zwar – wie Angehörige anderer Religionsgemeinschaften – in Aarau und im neuen Stadtteil Rohr «nach schweizerischen Gepflogenheiten» ohne weiteres die letzte Ruhe finden. Nicht erfüllt werden kann mindestens auf dem städtischen Friedhof Rosengarten der Wunsch von Muslimen nach eigenen Grabfeldern. Gemäss Aarauer Stadtrat haben in der Region Aarau «die meisten Gemeinden keine entsprechenden Landreserven», die den Bedingungen des Islam gerecht würden. Dies ergab eine Umfrage des Kantons bei den Regionalplanungsverbänden im vergangenen Jahr.

Ball liegt beim Kanton

Es müsste sich nämlich um Boden handeln, in dem noch nie jemand die letzte Ruhe gefunden hat. Auf dem Friedhof Rosengarten kann laut Behörde «eine solche Vorgabe nicht gewährleistet werden». Ob auf dem bestehenden Friedhof im neuen Stadtteil Rohr eine Möglichkeit angeboten werden kann, ist bislang nicht geprüft worden. Der Stadtrat stellt sich auf den Standpunkt, dass Grabstätten für spezielle Religionsgemeinschaften regional angeboten werden müssten. Er begrüsst deshalb, dass der Kanton Aargau eine entsprechende Initiative ergriffen hat. Diese Aussage steht im Bericht und Antrag an den Einwohnerrat für den Erlass eines neuen Bestattungs- und Friedhofreglementes, das sich nach der vollzogenen Fusion von Aarau und Rohr vom 1. Januar 2010 aufdrängt. Denn es sei «leicht nachvollziehbar», dass in der Stadt Aarau und in der ehemaligen Gemeinde Rohr unterschiedliche Traditionen bei den Abdankungszeremonien und den Grabarten gelebt worden seien. Nicht zuletzt geht es bei der Revision um die Vereinheitlichung der Rechte und Pflichten der hinterbliebenen Grabunterhalter und um eine Nivellierung der Gebühren und Dienstleistungen. Für den Stadtteil Rohr heisst dies konkret, dass mit dem revidierten Reglement neu Grabunterhaltsbeiträge eingefordert werden und private Aufträge dieser Art nicht mehr getroffen werden können.

Rohrer Friedwald nicht tangiert

Im neuen Stadtteil Rohr befindet sich nicht nur ein Friedhof, sondern auch ein Friedwald. Dabei handelt es sich um eine ausgeschiedene Waldfläche, die sich im Eigentum der Ortsbürgergemeinde Suhr befindet. Zwischen dieser und der Friedwald GmbH existiert ein Dienstbarkeitsvertrag. Die private Gesellschaft ist berechtigt, auf dem besagten Waldstück Aschenbeisetzungen vorzunehmen. Es handelt beim Friedwald somit um eine private Anlage ohne Bezug zum Friedhof Rohr, die von der Revision nicht betroffen ist.