Fundament der alten Kapelle
800-jähriger Boniswiler aufgetaucht

Im Gebiet Kappelen ist der Bagger Anfang Woche auf ein Gräberfeld und die Überreste der Kapelle von Boniswil gestossen. Nach ersten Untersuchungen der Kantonsarchäologie dürfte die Apsis aus dem 13. Jahrhundert stammen, die Knochen könnten noch älter sein.

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Aargauer Zeitung

Thomas Frei

Auf einer kurzfristig anberaumten Führung hat die Boniswiler Bevölkerung am Montagabend die Fundstätte besichtigt, denn schon heute müssen die Überreste dem neuen Trassee der Seetalbahn weichen.

800-jähriger Schädel Diverse Knochenfunde lassen auf einen Friedhof rund um die Kapelle schliessen. Dies könnten die Überreste eines Boniswilers sein, der vor rund 800 Jahren gelebt hat. (Thomas Frei)

800-jähriger Schädel Diverse Knochenfunde lassen auf einen Friedhof rund um die Kapelle schliessen. Dies könnten die Überreste eines Boniswilers sein, der vor rund 800 Jahren gelebt hat. (Thomas Frei)

Aargauer Zeitung

Die Bauarbeiten zur Verlegung der Seetalbahn brachten nun die Fundamente der Apsis an den Tag. Sie liegt auf dem höchsten Punkt der Moräne bei der Einfahrt zur Heubühne der Mühlescheune. Die Kapelle musste also von weit her sichtbar auf der Erhöhung am Dorfeingang gestanden haben. Wie alle Kirchen war auch die Boniswiler «Chapele» nach Ost-West ausgerichtet. Als Erstes förderte der Bagger genau auf der künftigen Gleismitte mehrere menschliche Knochen zutage. Offenbar war man auf einen ehemaligen Friedhof gestossen. Die sofort herbeigerufenen Archäologen unter der Führung von Peter Frey stellten dann am Rande der Baugrube das halbrunde Fundament der Apsis sicher. Die 4,5 Meter Durchmesser lassen auf eine stattliche Kapelle schliessen.

Zuerst nur ein einfaches Geviert

Aufgrund der Bauweise des Fundamentes glauben die Archäologen, dass die Apsis der Kapelle im 13. Jahrhundert entstanden ist. In den Mörtel des Fundaments eingemauert fanden sich ebenfalls menschliche Knochen. Das lässt vermuten, dass beim Bau der Apsis das Gräberfeld bereits bestanden hat und die Bauarbeiter damals aus Unachtsamkeit die Knochen mit eingemauert hatten. Es ist daher anzunehmen, dass ein einfacher viereckiger Vorgängerbau später mit einer Apsis ergänzt wurde.

Für Peter Frey ist ein Friedhof bei einer Kapelle kein Einzelbefund im Kanton Aargau. Dies, obwohl in der Fachliteratur immer wieder betont wird, nur Pfarrkirchen seien von Friedhöfen umgeben. Die Knochenfunde in Boniswil sind aber zu uneinheitlich, als dass man etwas über die körperliche Beschaffenheit der ältesten bekannten Boniswiler sagen könnte.

Lokaler Adel stiftete Kapelle

Ungewöhnlich ist, dass ein so kleines Dorf überhaupt eine Kapelle besass. Das Oberdorf von Boniswil, der ursprünglich bedeutendere Dorfteil gegen die Pfaffenhalde hin, war nach Leutwil pfarrgenössig. Der Dorfteil entlang der Seengerstrasse gehörte zur Pfarrei Seengen. Erst 1842 gingen auch die Oberdörfler nach Seengen in die Kirche.

Es darf angenommen werden, dass im 13. Jahrhundert oder noch früher lokaler Kleinadel die Kapelle stiftete und mit Zinseinnahmen ab einem Bauernhof das Lesen der Messe ermöglichte. Eine weitere Schenkung hat dann später die Vergrösserung, eben den Bau der Apsis, zugelassen. Dank einer Schenkung der Herren von Hallwyl 1376 wurde der Leutpriester von Seengen dazu verpflichtet, mindestens einmal die Woche eine Messe in Boniswil zu lesen.

Unklar ist, ob die Kapelle beim Bau der Mühlescheune noch bestanden hatte. Die Mühle wird 1471 erstmals erwähnt. Die grossen Nebengebäude kamen wohl später dazu. Gut möglich, dass die grosse Mühlescheune nach der Reformation im 16. Jahrhundert entstand, als die Kapelle von Boniswil schon verschwunden war.