BP
8 Milliarden kostet BP die Ölpest - und die Kosten steigen täglich

Gemäss einer Schätzung zahlt BP bis zu acht Milliarden Dollar für Aufräumarbeiten und Schadenersatzforderungen. Und täglich kommen neue Kosten hinzu. Der Ölkonzern hat mit der Ölpest im Golf von Mexiko 25 Milliarden an Börsenwert verloren

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Die Kosten für BP steigen täglich

Die Kosten für BP steigen täglich

Irina Kisseloff

Bis zu 8 Milliarden Dollar dürfte die Ölpest im Golf von Mexiko den Energieriesen BP kosten. Die Schätzung, die ein Experte für die «Financial Times» gemacht hat, umfasst Aufräumarbeiten und Schadenersatzzahlungen für die Fischerei und den Tourismus. Auch Entschädigungszahlungen an die Familien der 11 Opfer, die allerdings nicht bei BP angestellt waren, sind einzubeziehen.

BP selbst will sich zur möglichen Summe derzeit nicht äussern, hat aber nochmals bekräftigt, für Umwelt- und andere Schäden aufzukommen. Pro Tag koste der Einsatz gegen den Ölteppich im Moment 6,5 Millionen Dollar. «Und mit jedem Tag steigt der Betrag», sagte ein BP-Sprecher. Offensichtlich sehr schnell – denn am Freitag lag die von BP genannte Zahl noch bei 6 Millionen Dollar. Bezahlen werde das firmeninterne Versicherungsunternehmen.

Die Existenz von BP ist von der wohl grössten Ölkatastrophe aller Zeiten aber nicht gefährdet. «BP als riesiger Konzern kann die Kosten schultern», sagt Daniel Benz, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Allein im ersten Quartal 2010 hat das Unternehmen 74,4 Milliarden Dollar umgesetzt und 6,1 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Dank den deutlich gestiegenen Ölpreisen lag der Umsatz rund 50 Prozent über dem Vorjahresquartal, den Gewinn hat BP gar mehr als verdoppelt.

Derzeit bekommt BP die Folgen der Katastrophe vor allem an der Börse zu spüren: Seit der Explosion der Ölplattform sind 15 Milliarden Pfund (25 Milliarden Franken) an Börsenwert vernichtet worden.

Auf den Ölpreis wird die Ölpest kurzfristig kaum Auswirkungen haben. Mittel- und langfristig werden aber indirekte Folgen zu spüren sein. Denn wegen der Katastrophe werden die Sicherheitsauflagen für die Konzerne wahrscheinlich erhöht werden. Das bedeutet Mehrkosten bei der heute ohnehin schon sehr kostspieligen Suche nach Öl.

Tiefseebohrungen erschwert?

Zudem leidet der Ruf von BP – und das nicht zum ersten Mal. 2005 waren bei einer Explosion in einer BP-Raffinerie in Texas 15 Arbeiter umgekommen. 16 Arbeiter starben 2009 bei einem Helikopter-Absturz auf einer Ölplattform vor Schottland.

Die Aktie der Schweizer Firma Transocean, von der BP die Plattform geleast hatte, verlor gestern erneut 6 Prozent an Wert. Das Unternehmen ist auf Ölbohrungen in grosser Tiefe spezialisiert. Wenn diese nun von der US-Regierung vorübergehend verboten oder erschwert werden, betrifft das Transocean ganz direkt. Doch noch gibt es genügend andere Regionen – zum Beispiel vor der südamerikanischen und der afrikanischen Küste –, wo weitergebohrt wird. 139 Transocean-Plattformen sind im Einsatz.