"Nichts ist mehr, wie es war", sagte der Bundespräsident beim Staatsakt in der Kirche St. Karl Borromäus. In vielen anderen Kirchen und Hallen der Umgebung verfolgten rund 7500 Trauernde - deutlich weniger als erwartet - die auf Videoleinwände übertragene Feier.

Die Familien von fünf getöteten Schülern forderten in einem offenen Brief Konsequenzen von der Politik. Diese solle den Zugang für Jugendliche zu Waffen zu erschweren, Gewaltdarstellungen im Fernsehen einschränken und Killerspiele verbieten, den Jugendschutz im Internet ausbauen und die Berichterstattung der Medien über Amok-Täter reglementieren. Auch Köhler forderte ein Vorgehen gegen Killerspiele und Filme mit extremer Gewalt.

Tausende Kirchenglocken in ganz Württemberg läuteten am Morgen den ökumenischen Gottesdienst ein. Der evangelische Landesbischof Frank Otfried July verwies in der Predigt auf die christliche Hoffnung für die Opfer und für den Amokläufer. Abgeschieden von den Opfern werde auch sein Leben vor Gott gestellt.

In einem bewegenden Moment wurde jeder Name der Opfer einzeln vorgelesen. Zwei Jugendliche brachten eine Kerze mit dem Vornamen durch den langen Mittelgang der Kirche nach vorn, zündeten sie an und stellten die Kerze zusammen mit einer gelben Rose auf den Altar.

Der 17 Jahre alte Täter hatte am 11. März an seiner ehemaligen Schule in Winnenden und auf der anschliessenden Flucht nach Wendlingen 15 Menschen und danach sich selbst getötet. Seine Leiche wurde zwei Tage nach dem Massaker freigegeben, aber bisher nach Polizeiangaben nicht beigesetzt.