Aargauer Zeitung
50 Jahre im Dienste des Waldes

In den vergangenen fünfzig Jahren hat sich die Tierwelt in Wald und Feld stark verändert. Wildhüter Maurus Imhof erzählt auf einem Rundgang durch den Beriker Wald, wie es dazu gekommen ist.

Drucken
Teilen
Für die Waldbewohner unterwegs

Für die Waldbewohner unterwegs

Yvonne Steiner

«Hier hat ein Rehbock sein Gehörn gefegt», sagt Maurus Imhof (78) und zeigt auf einen Zweig, an dem die abgeschabte Rinde deutlich zu sehen ist. Als normaler Waldbesucher würde man dies kaum bemerken, doch einmal darauf aufmerksam gemacht, entdeckt man entlang den Waldwegen immer wieder solche Fegstellen.

Maurus Imhof ist mit seinem Hund Caesar täglich im Revier unterwegs. Dabei achtet er auf alles, was sich am Boden und in der Luft bewegt. Fragt man ihn, was zu seinen schönsten Aufgaben zählt, antwortet er spontan: «Alles! Man muss die Gnade haben, die Natur zu sehen. In jeder Jahreszeit entdecke ich etwas Besonderes.» Doch gibt es auch unschöne und traurige Aufgaben für den Wildhüter, wie das Auffinden von toten Tieren. Als er letztes Jahr kurz aufeinander vier gerissene Rehe einsammeln musste, setzte ihm dies sehr zu.

Ein 24-Stunden-Nebenjob

Vor zwölf Jahren wurde Maurus Imhof, nach abgelegter Jagdprüfung, von der Jagdgesellschaft in die Pflicht genommen und ist seither vereidigter Wildhüter im Revier Berikon sowie für 44 Hektaren in Lieli. Als Wildhüter beobachtet er die Lebensgewohnheiten der Tiere, kontrolliert den Wildbestand und achtet auf kranke Tiere, die allenfalls aus dem Bestand herausgenommen werden müssen.

«Das Amt ist ein 24-Stunden-Nebenjob, der unentgeltlich ausgeführt wird», erzählt Imhof. Der Wildhüter steht rund um die Uhr in Verbindung mit der Polizei und wird herbeigerufen, wenn ein Tier angefahren wurde. «Ist das verletzte Tier geflüchtet, kommt mein neunjähriger Dachsbracke Caesar für die Schweissarbeit – das Verfolgen der Blutspur – zum Einsatz.»

Keine Wildsauen im Wald

Seit fünfzig Jahren ist Maurus Imhof Aargauer Jäger. In dieser langen Zeit konnte er grosse Veränderungen in der Tierwelt mitverfolgen. So zählte man früher im Revier Berikon rund 25 Feldhasen, heute sind es noch ein bis zwei Tiere. «Grund dafür sind fehlende Hecken, kaum offen gelegte Bäche und nur fruchtbare Felder. Dadurch fehlt den Feldhasen der Schutz vor Greifvögeln», erklärt Imhof, der die Situation sehr bedauert.

Hingegen ist der Bestand der Rehe im Vergleich zu 1960 angestiegen. «Das Rehwild ist inzwischen heimisch geworden und lebt auch in kleinen Wäldchen. Dank Orkan «Lothar» ist auch das Futterangebot grösser geworden. Rund 30 bis 35 Tiere leben heute im Revier», erzählt Maurus Imhof.

Als in den Siebzigerjahren die Tollwut ausbrach, mussten die Bauten der Dachse und Füchse vergast werden. Der Dachsbestand ist deshalb stark zurückgegangen. Hingegen gibt es heute viel mehr Füchse als früher, da diese die Nähe zu den Siedlungsgebieten nicht scheuen. Die Zählung ist jedoch schwierig, da sie sich weiträumig bewegen. Zurzeit ziehen die Füchse bereits ihre Jungen im Sommerbau auf.

Noch drei Eichhörnchen

Früher konnten Waldbesucher öfters auch Eichhörnchen beobachten. Im Beriker Wald leben heute gerade noch drei dieser flinken Tierchen. «Die vielen Greifvögel und die vermehrte Unruhe im Wald durch Strassen und Bevölkerung mit und ohne Vierbeiner sind Gründe dafür», so Imhof. Wildsauen hat es keine im Revier, worüber er nicht traurig ist: «Dies sind Nachttiere und deren Beobachtung wäre um einiges aufwändiger.»

Die Probleme damals...

Als in den Siebzigerjahren das Reiten aufkam, begannen in den bis anhin ruhigen Wäldern die Probleme. Da viele Reiter abseits der Waldstrassen auf den Wildwechselpfaden durch den Wald ritten, entstanden mit der Zeit meterbreite Wege. Oft hatten sie frei laufende Hunde dabei, welche die Tiere aufscheuchten. Heute hat sich diese Situation sehr gebessert. «Es hat weniger Reiter und diese verhalten sich korrekt, benützen die Waldwege, sind anständig, grüssen und halten die Hunde angeleint. Das muss auch einmal erwähnt werden», so der Wildhüter.

...und heute

Heutzutage bringen die vielen Spaziergänger mit und ohne Hund sowie die Freizeitsportler, welche sogar nachts mit Lampen unterwegs sind, viel Unruhe in den Wald. «Aber die Leute verhalten sich korrekt und bleiben auf den Waldwegen. Früher streiften sie kreuz und quer durch die Wälder und störten dadurch die Tiere.»

Hunde an die Leine

Vor 50 Jahren war die Leinenpflicht kein Thema. «Da hielten sich nur Bauern oder Förster im Wald auf», lacht Imhof. Heute aber ist die Leinenpflicht im Wald ein Problem. Gemäss neuer Jagdverordnung des Kantons Aargau gehören Hunde von
April bis Ende Juli im Wald und an Waldrändern an die Leine. In dieser Zeit sind das Wild mit den Rehkitzen und am Boden brütende Vögel besonders gefährdet. Doch auch im Winter, wenn die Tiere wegen der langen Kältezeit geschwächt sind, können sie oftmals nicht schnell genug flüchten. Deshalb der Wunsch von Wildhüter Maurus Imhof an die Bevölkerung: «Vor allem auf den Wegen bleiben und, wenn mit dem Hund im Wald unterwegs, diesen an der Leine führen – das ganze Jahr über.»

Aktuelle Nachrichten