Forstwartlehrlinge haben in Brugg Aussergewöhnliches geleistet
350 Kilo Herbarium kamen mit dem Kran

Ein Herbarium? Ums Himmels willen! Ein paar staubige Blätter mit stümperhaft aufgeklebten, zerbröselnden Pflanzenteilen? – Nein! Junge Forstwarte zeigen in Brugg auf, wie aus einer recht nüchtern gestellten Aufgabe etwas unerhört Reizvolles werden kann.

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350 Kilo Herbarium kamen mit dem Kran

350 Kilo Herbarium kamen mit dem Kran

Peter Belart

«Ziel: Mit dem Herbarium erstellt die lernende Person eine Lern- und Leistungsdokumentation zu Gehölzen im Schweizer Wald. Das Herbarium ist wichtig, um Leistungsziele in den Fachbereichen Holzkunde und Botanik zu erreichen.» Hand aufs Herz: So wahnsinnig spannend tönen derartige Vorgaben nicht. Es erscheint beinahe illusorisch, dass sich ein Teenager davon elektrisieren liesse. Doch der Rundgang durch die Ausstellung in der Brugger Berufsschule zeigt: Das Gegenteil ist der Fall. Was diese jungen Menschen an Ideenreichtum, an Sorgfalt und stilistischem Feingefühl umgesetzt haben, verdient höchste Anerkennung. Es ist nicht möglich, hier all die speziellen Arbeiten zu würdigen, geschweige denn zu beschreiben. Einige seien trotzdem erwähnt.

Herbarium als Möbelstück

Da ist ein doppelbändiges Werk, bestehend eben aus zwei Büchern, das eine aus rohem Birkenholz gezimmert, der Umschlag des andern auf höchst sensible Art mit Moos und Tannzapfen ausgeschmückt. Und zwischen den Buchdeckeln die Herbarium-Blätter. Ein anderer Lehrling hat einen grossen, zweiflügeligen Schaukasten gestaltet, auch hier die Schaustücke mit unglaublicher Sorgfalt in den einzelnen rechteckigen Teilflächen angeordnet. Dort drüben ein grosses Möbelstück, oben wie ein Büchergestell, unten als Buffet konzipiert, die Exponate schmückend eingefügt. Desgleichen bei einem sehr gross dimensionierten Tisch mit Glasplatte und Schublade: Hier könnte man auf dem Herbarium zu Mittag essen. Daneben eine Lösung nach Art einer Truhe mit hölzerner, sorgsam durchnummerierter «Hängeregistratur», jede Nummer eine Baumart. Und wieder ein anderer Lehrling hat ein Kästchen mit vielen flach gehaltenen, übereinander angeordneten Schubladen gebaut, jede für eine Baumart reserviert.

Und ein Eichenstamm

Den Vogel abgeschossen hat aber Thomas Lang, der im Forstbetrieb Bettwil arbeitet. Sein Herbarium zeugt nicht nur von handwerklichem Geschick, sondern auch von Fantasie und dem Mut, schier Unmögliches zu versuchen. Er hat einen vielleicht 7 Meter langen Eichenstamm der Länge nach durchgesägt und die eine Hälfte wie eine lange, halbtonnenförmige Bank auf zwei Füsse gestellt. Den für die Präsentation seines Herbariums benötigten Hohlraum hat er durch die Entfernung des Stamm-Innern geschaffen, die Exponate – vor schwarzem Hintergrund vorteilhaft kontrastierend – eingebaut und das Ganze mit einer starken Glasplatte abgedeckt. Zwar hat er damit eine der Vorgaben missachtet: «Das Herbarium muss von einer Person ohne spezielle Hilfsmittel transportiert werden können.» Langs Herbarium wiegt schlappe 350 Kilo und wurde mit dem Kran «angeliefert»!

Es bleibt zu hoffen, dass der Aufwand und der Ideenreichtum durch die Experten gewürdigt werden und dass es nur so hagelt von Höchstnoten. Die begeisterten Voten des Rektors Fredy Schlegel und des Fachlehrers Ueli Wanderon lassen gar keinen andern Schluss zu. Und übrigens: Diese Forstwart-Lehrlinge gehören alle zu der
da und dort so heftig kritisierten «heutigen Jugend»!