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30er-Bus: Chaos nimmt kein Ende

Die Zustände an der Endstation des 30er-Busses am Bahnhof SBB in Basel werden immer chaotischer. Trotzdem halten die Verantwortlichen am Standort der Haltestelle fest.

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30er Bus

30er Bus

bz Basellandschaftliche Zeitung

Hans-Martin Jermann

Die Kritik an der neuen Verkehrsführung ist nie abgeebbt, seit vor einem Jahrzehnt der Centralbahnplatz umgestaltet wurde. Zumindest für die Taxifahrer, einige Buschauffeure und einen Teil der Pendler dürfte sich die Situation am wichtigsten Verkehrsknotenpunkt Basels bald verbessern: Anfang Mai werden die Taxistandplätze und die Haltestellen der BVB-Buslinien 48 und 50 verlegt (siehe Infobox).

Taxis und Busse getrennt

Anfang Mai wird die lange geplante Neuordnung auf dem Centralbahnplatz umgesetzt: Dann zügeln die Taxis vom westlichen an den östlichen Ausgang des Bahnhofs SBB. Zudem werden vor dem McDonald's einige Warteplätze eingerichtet. Die Einsprachen gegen die neuen Taxistandplätze wurden laut «Basler Zeitung» abgewiesen. Im April müssen dort noch die Randeinfassungen der Tramgleise entfernt werden, die in der Dämmerung beim Überqueren der Centralbahnstrasse schon viele ins Stolpern gebracht haben. Sind die Taxis beim Westflügel weg, können die Busse nachrücken: So wird der Flughafenbus (Linie 50) künftig direkt vor dem Ausgang des Bahnhofs halten, was den Komfort für die Reisenden stark erhöht. Auf der Höhe des Restaurants «L'Escargot» wird der heiss diskutierte 48er halten, der vom Bahnhof SBB in den Allschwiler Bachgraben führt.(haj)

Ganz abreissen wird das Fluchen über den Platz trotzdem nicht: Beim stark frequentierten 30er-Bus bleibt vorerst alles, wie es ist: «Die Haltestelle wird nicht verlegt», informiert Dagmar Jenny, Mediensprecherin der Basler Verkehrsbetriebe (BVB). Am gemeinsamen Entscheid von BVB, kantonalem Amt für Mobilität und Platzgestaltern wird nicht gerüttelt. Dabei wurde bei der Entflechtung des Knotens eine Variante wieder ins Spiel gebracht: Nämlich, die Endstation der Buslinie in den zentralen Bereich des Platzes zu den Tramgleisen zu verpflanzen. Die Durchfahrtsbreiten würden dies erlauben. Die BVB hätten eine solche Lösung akzeptiert, sagt Jenny. Gestalterische Überlegungen - etwa die Vorgabe, den Blick vom Bahnhof zum Strassburger Denkmal frei zu halten - dürften demnach den Ausschlag für die Beibehaltung des Status quo gegeben haben.

Buslinie ist Opfer des eigenen Erfolgs

Bei der Confiserie Bachmann sorgt dies für Ärger: «Die Haltestelle ist geschäftsschädigend», sagt Bachmann-Sekretärin Christine Mutter. Sie schätzt, dass während der Hälfte der Öffnungszeit stehende Busse den Blick auf den Laden versperren; schliesslich sei es eine Endstation. Auch die wartenden Pendler bringen dem Laden nichts. «Man könnte meinen, dass die schnell bei uns einkaufen - aber das stimmt nicht», stellt Mutter klar. Der Nobelconfiseur hat bereits versucht, rechtlich gegen die ungeliebte Haltestelle vorzugehen. «Es ist aussichtslos», meint Mutter ernüchtert. Selbst das Argument, der Laden sei lange vor der Haltestelle da gewesen, steche nicht.

Über die Endstation am Bahnhof regen sich aber auch Benutzer auf: Das Trottoir zwischen Bus und Hausfassade ist derart eng, dass es beim Ein- und Aussteigen zu Staus und Rempeleien kommt. Obwohl sich die Wartenden zu Spitzenzeiten bis zum Gehtnichtmehr reinquetschen, schaffen es nicht alle in den Bus. Zudem bleibt der Bus oft im Verkehr stecken.

Bei den BVB sind diese Probleme bekannt. «Wir kriegen immer wieder Reklamationen zum 30er-Bus», räumt BVB-Sprecherin Jenny ein. Die erst vor einigen Jahren eingeführte Buslinie, die ohne Umsteigen den Bahnhof mit der Universität verbindet, sei quasi Opfer des eigenen Erfolges geworden, analysiert Jenny. Allein seit 2007 haben die Fahrgastzahlen auf der Linie um eine Million auf mittlerweile 5,3 Millionen zugenommen. Zwischen kurz vor 7 und 8.30 Uhr verkehrt der 30er bis zur Haltestelle Universität neu im Dreieinhalbminuten-Takt. Trotzdem ist er immer noch überfüllt.

Das Fahrgastpotenzial auf der Achse ist so gross, dass sich sogar der Bau einer Tramlinie lohnen würde. Das weiss man bei den BVB, und das weiss auch die Basler Regierung, die hierzu bereits Vorstösse entgegengenommen hat. «Doch das löst kurzfristig unsere Probleme nicht», stellt Jenny klar. Die BVB prüfen derzeit, den Takt zu verdichten und mehr Fahrzeuge einzusetzen. Doch spruchreif sei noch nichts, meint Jenny.

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