Rinder
30 Mutterkühe plus Muni auf Achse

Seit rund 20 Jahren leistet Bernhard Oetterli aus Solothurn private Entwicklungshilfe in Rumänien. Sein neustes Projekt wurde vergangenes Wochenende abgewickelt: Eine Mutterkuhherde von 30 Angusrindern mit Stier Timbo ging auf Achse in die Bukovina.

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Abfahrbereit

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Solothurner Zeitung

Andreas Toggweiler

Im kommenden März werden es 20 Jahre her sein, seit Bernhard Oetterli (66) seine Rumänienhilfe-Projekte mit Konzerten von Star-Panflötist Gheorghe Zamfir in der Region Solothurn begonnen hat. Seither hat Oetterli dutzende von Hilfskonvois organisiert und begleitet. Nebst den Hilfgüterlieferungen wurden von «Rumänien hilft Solothurn» ganze Käsereien aufgebaut. Dazu kam ein Kulturaustausch mit Kirchenchören. Enge Kontakte pflegt Oetterli zum Moldaukloster Risca und dem dortigen Abt Mihail.

Früchte der Hilfsaktionen sichtbar

Mit diesem Kloster zusammen hat er nun auch sein jüngstes Projekt aufgegleist: den Aufbau einer Mutterkuhherde mit Angusrindern. Im Gegensatz zu den früheren Hilfsaktionen wird die Kuhherde aber von einem rumänischen Investor finanziert. Das Kloster, das bereits Tiere hält, stellt das Weideland zur Verfügung und sorgt für die Betreuung der Kühe. Nach schweizerischem Vorbild wurden Laufställe für eine artgerechte Haltung erstellt. «Die Tiere werden ein schönes Leben haben», ist Oetterli überzeugt.

Speziell freut ihn, dass die vielen ausländischen Hilfsgüter nun allmählich Früchte tragen. «Die rumänische Wirtschaft beginnt sich langsam zu entwickeln und gewisse Investitionen sind aus eigener Kraft möglich.» Die Mutterkuhherde mit 30 trächtigen Tieren kostet inklusive Transport etwa 90 000 Fr. «Einzig Stier Timbo habe ich selber gesponsert», erklärt Oetterli.

Tierarzt schaut genau hin

Weil internationale Tiertransporte teilweise in Verruf geraten sind, wollte sich Oetterli diesbezüglich keine Blösse geben und arbeitete mit der Schweizer Firma Vianco in Brunegg (AG) zusammen. Der Viehhändler exportiert jährlich etwa 1500 Rinder ins europäische Ausland, was etwa einen Viertel des gesamtschweizerischen Exports ausmacht, wie Vianco-Mitarbeiter Willi Schürch erklärt.

Die 30 Angus-Kühe und Stier Timbo wurden bei verschiedenen Schweizer Züchtern eingekauft und im Verladestall im Aargau zusammengezogen. Auch für Vianco-Verhältnisse handelt es sich um einen bedeutenden Transport.

Am Freitag wurden die Tiere dort von einer spezialisierten norddeutschen TierTransportfirma abgeholt. Amtstierarzt Urs Frei hatte sie zuvor auf ihren Gesundheitszustand überprüft und überwachte die ganze Verladeaktion vor Ort. Nebst dem Attest für die Transportfähigkeit musste er auch überprüfen, ob die Tiere genug Platz, Einstreu und Nahrung für ihre Reise bekommen, die immerhin rund zwei Tage dauerte und nur durch zwei Futterhalte unterbrochen wurde. Wasser und Heu wurden zuvor an Bord genommen.

Am vorsichtigsten ist Chauffeur Clemens Hartog selber, der sich mit seiner Partnerin Ute Hänsel am Steuer abwechselte wird. Als er sieht, dass im Anhänger ein Tier aus seiner Sicht zu wenig Bewegungsfreiheit hat, lädt er es nochmals aus und platziert es vorn im Lastwagen, wo mehr Platz in der Höhe ist. «Die Kontrollen auf den österreichischen Autobahnen sind rigoros», begründet er.

Bund zahlt Exportzuschüsse

Anspruchsvoll sind auch die Zollformalitäten. Willi Schürch übergab den Chaffeuren eine umfangreiche Dokumentation mit Zollunterlagen, tierärzlichen Dokumenten und den Pedigrees der reinrassigen Rinder. Dazu kommt ein Bundesordner der Schweizer Mutterkuh-Züchter - sozusagen die «Bedienungsanleitung» für die Herde.

Dass der Transport noch im Dezember über die Bühne ging hat auch finanzpolitische Gründe. Noch bis Ende Jahr subentioniert der Bund den Viehexport mit bis 1200 Fr. pro ausgeführtes Tier. Trotz einiger Verzögerung am rumänischen Zoll seien die Tiere in der Nacht auf Sonntag wohlbehalten an ihrem Bestimmungort eingetroffen, erklärte Oetterli gestern.

Solothurn hilft Rumänien: PC 45-2095-60