Polen

30 000-fränkige Handtasche geklaut

Eine Bande aus Polen stahl an Bahnhöfen in der ganzen Schweiz Handtaschen und Portemonnaies. Zwei der Langfinger wurden nun in Aarau vor Bezirksgericht verurteilt. Sobald sie ihre Haft abgesessen haben, werden sie vom Migrationsamt ausgeschafft.

Andrea Marthaler

Ihre Diebestour starteten Krasimir (30) und Petar (32) (Name geändert) in Weinfelden. Dort entwendeten sie aus einer Handtasche ein Portemonnaie mit Bargeld und Mastercard. Mit der Kreditkarte versuchten sie bei zwei Bankomaten Geld zu beziehen, was jedoch nicht glückte. Zwei Tage später war das Duo am WSB-Bahnhof in Aarau auf Diebestour. Gemeinsam mit drei weiteren Polen raubten sie einer Dame die Handtasche. Pikant: In der Tasche waren eine Uhr und Schmuck im Wert von über 24 300 Franken sowie eine teure Fotokamera und fast 2000 Franken in bar. Zusammen mit weiteren Kleinigkeiten schätzte die Geschädigte den Wert ihrer Handtasche auf über 30 000 Franken.

Sechs Diebstähle vorgeworfen

Fast zwei Monate später sollen Krasimir und Petar weitere Taschendiebstähle begangen haben. In Sargans stahlen sie eine Handtasche mit 290 Franken Bargeld und in Richterswil eine Brieftasche ohne nennenswerten Geldbetrag. Damit jedoch nicht genug: Am selben Tag, an dem sie am Zürcher Seeufer auf Diebestour waren, erleichterten sie auch einen Passanten in Ziegelbrücke um seine Tasche mit rund 600 Franken in bar. Die letzte, den beiden vorgeworfene Straftat, ereignete sich wenige Tage danach. In Pfäffikon SZ sollen sie einem Rentner sein Portemonnaie aus der Gesässtasche gezogen haben.

Alle Straftaten begingen die beiden Polen zwischen September 2007 und April 2008. Erst einige Monate später, im August, wurden sie von der Polizei aufgegriffen und sassen seither in Untersuchungshaft.

Bei Raub von Kamera gefilmt

Vor Gericht bestritten die beiden Polen, die zwar angaben Schweizerdeutsch zu verstehen, aber kaum ein Wort in Deutsch sprachen, praktisch jede der vorgeworfenen Taten. Und dies obwohl vom Raub in Weinfelden Fotos vorhanden waren und in zwei weiteren Fällen Zeugen sie zu erkennen glaubten. Einzig den Handtaschendiebstahl am WSB-Bahnhof, bei dem sie gefilmt wurden, gaben die beiden Angeklagten zu, wobei sowohl Krasimir als auch Petar weiszumachen versuchten, dass sie einen Anteil an der Beute erhielten, jedoch nicht selber aktiv am Raub beteiligt waren. «Ich war nur Mitläufer», betonten beide.

An Details, sei es, wieviele Personen beteiligt waren, oder wie die Tat genau abgelaufen ist, mochte sich keiner der beiden erinnern. Auch gaben sie vor der Richterin an, bei allen anderen Taten in Polen gewesen zu sein. In der Schweiz seien sie nur auf Durchreise gewesen, da sie weiter nach Italien wollten.

Nach der Haft ausgeschafft

Krasimir verstrickte sich vor Gericht in Widersprüchen. Im Polizeiprotokoll gab er zu, zwei der Taten begangen zu haben, bei denen ihn Zeugen identifizierten. Gegenüber dem Gericht widerrief er jedoch sein Geständnis. «Ich habe gedacht, wenn ich gestehe, könne ich schneller nach Hause», liess der während der Untersuchungshaft zum zweiten Mal Vater gewordene Pole verlauten.

Die Richterin Karin von der Weid-Gygax verurteilte die Polen schliesslich wegen bandenmässigem Diebstahl und versuchtem Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage zu 10 und 12 Monaten Freiheitsstrafe. Da beide in anderen Ländern vorbestraft sind, gelten die Strafen unbedingt. Petar hat allerdings seine Strafe bereits in Form der Untersuchungshaft abgesessen, so dass er direkt ans Migrationsamt überwiesen wird, wo ihm die Ausschaffung gewiss ist. Krasimir wird noch einige Tage in Haft bleiben, bevor auch ihn das selbe Schicksal ereilt.

Lange wird es wohl nicht dauern, bis die beiden Polen wieder in Europa oder sogar in der Schweiz auf Diebestour sind. Weder der arbeitslose Automechaniker noch der nach eigenen Angaben selbstständige Schlosser zeigten vor Gericht eine Spur von Reue.

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