3 Sterne für Sarkozys «Kantine» und Michelin statt Mao-Bibel

Guide Michelin in Paris vorgestellt

Guide Michelin in Paris vorgestellt

Als wär's der Abschluss eines EU-Gipfels im Elysée-Palast und nicht die Präsentation eines Restaurant-Führers in Krisenzeiten. 350 Journalisten aus vielen Ländern hat der Michelin-Konzern nach Paris geladen, um den 100. «Michelin France» vorzustellen.

Die Veranstaltungsort in einem mit Kristall-Lüstern, goldenem Stuck und prallen Engeln geschmückten Saal des Orsay-Museums war historisch gut gewählt, denn der ehemalige Orsay-Bahnhof ist 1900 zur Weltausstellung eingeweiht worden, als auch der erste "Guide Michelin" für Autofahrer herauskam - in Kriegsjahren erschien der Führer nicht.

Aber die Neuigkeiten der Jubiläumsausgabe waren schnell erzählt: ein neuer 3-Sterne-Koch in Paris, Restaurants in ganz Europa künftig per Handy reservierbar, viele neue preiswerte Lokale fürs Essen in Krisenzeiten. So konnte Michelin-Direktor Jean-Luc Naret ausführlich auf Fragen, Mutmassungen und Gerüchte reagieren:

Nein, der neue 3-Sterne-Koch Eric Fréchon im Hotel "Bristol" in der Nähe des Elysée-Palastes werde nicht geehrt, weil Präsident Nicolas Sarkozy dort oft speise.

Böse Zungen nennen das "Bristol" heute "la cantine de Sarkozy". Wie immer sei allein die Qualität der Küche für die 14 französischen Michelin-Kontrolleure der Massstab, sagte Naret.

Auch den Verdacht, dass bei der Expansion des Michelin-Führers in nunmehr 23 Länder vor allem wirtschaftliche Erwägungen des Reifenkonzerns eine Rolle spielten, weist man bei Michelin zurück. Aber nach wie vor gibt es viel Kritik an der mangelnden Transparenz der Entscheidungen der "Gourmet-Bibel".

Manche von Michelin eingeladene Journalisten fragten sich, ob sich die Reise denn gelohnt habe. Denn über die Absage eines lange geplanten Treffens aller 3-Sterne-Köche dieser Welt hatte der stets sehr diskrete Michelin-Konzern vorab gar nicht informiert.

"Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage" und wegen des schlechten Michelin-Ergebnisses 2008 war die Party stillschweigend gestrichen worden.

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