Hallwilersee

203 Schwimmer überquerten den 20 Grad kühlen Hallwilersee

Einmal im Jahr wird die «Blaue Badi» in Birrwil zu prallem Leben erweckt. Wird der gemütliche Ort normalerweise eher von Badenden aufgesucht, die Lärm und Rummel scheuen, trifft sich an der Seeüberquerung der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft Hallwilersee (SLRGH) die ganze «Schwimmprominenz».

Neben dichten Seerosenteppichen dümpeln gegen Mittag Helferinnen und Helfer auf Waikiki-Brettern und Rettungsbooten, die Taucher stehen bereit. Kurz darauf wird mit dem Megafon zum Start für die Traversierung der 1.5 Kilometer langen Strecke Richtung Strandbad Seerose geblasen.

Milde Sonne - glatte «See»

Mit 20 Grad Wassertemperatur hatte der Hallwilersee am Samstagmorgen die «erlaubte» Marke gerade erreicht. «Bei 19 Grad hätten wir die Überquerung abgesagt», erklärte Dieter Gloor, Präsident der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft Hallwilersee (SLRGH).

Eine milde Sonne und eine glatte «See» machten die kühlen Wassertemperaturen wett. Dank der guten Wetterprognosen hatten sich an die 203 «Lebensretter» und «Volksschwimmer» aus allen Regionen der Schweiz angemeldet.

Highlight für die Gemeinde

Vom Meisterschwander Vizeammann Ueli Haller wurde die Seeüberquerung im Strandbad Seerose, wo die Anmeldungen entgegengenommen wurden, offiziell eröffnet. Der jährlich stattfindende Anlass sei ein Highlight für die Gemeinde, bemerkte er.

Bevor die Teilnehmer mit der MS Brestenberg von Meisterschwanden zum Start nach Birrwil gebracht wurden, spürte man in der Seerosenbadi angespannte Aktivität. Hier ein Tupfer Melkfett über Achseln und Arme, dort eine Spur Kampferöl über Muskeln und Knie. Aus der Papiertüte fliesst ein Vitamindrink in die staubtrockene Kehle, ein Vollkornriegel gibt die nötige Energie.

An die Teilnehmer geht vom Präsidenten Dieter Gloor der Appell, nicht länger als eine Stunde im Wasser zu verweilen und sich notfalls auf ein Begleitboot hieven zu lassen. «Bei diesen Wassertemperaturen ist eine Unterkühlung vorprogrammiert», erklärt der Präsident.

Unter anderem macht er die Sportler auf den Seetang aufmerksam, der sich stellenweise im Hallwilersee eingenistet hat. «So gut wie möglich haben wir ihn eliminiert, aber nicht erschrecken, wenn er doch «stüpft».

Kühlen Wassertemperaturen und «stüpfendem» Seetang zum Trotz trafen die ersten Schwimmer, von den Strapazen kaum gezeichnet, bereits nach etwas mehr als 20 Minuten im Strandbad Seerose ein.

Andere nahmen es ein bisschen gemütlicher, gönnten sich hin und wieder einen Blick auf die liebliche Landschaft und die fröhlich am Himmel dahinziehenden Wattewolken. Von Krampf oder Panik befallen brachen zwei Beteiligte die Übung klugerweise vorzeitig ab.

Applaus für Paraplegikerin

Applaus von den vielen Zaungästen in der Seerosenbadi erhielten nicht nur die allerersten Schwimmer. Auch die weniger «tifigen» Sportler wurden frenetisch beklatscht. Am allermeisten bewundert wurde wohl die in Sursee wohnhafte Paraplegikerin Margrit Heusler (1946).

Zuverlässig begleitet überquerte sie den Hallwilersee, auf dem Rücken schwimmend und mit der Kraft ihrer Arme, in nur 44.30 Minuten. Traversierungen habe sie auch schon im Sempachersee, im Bielersee und im Zugersee gemacht, bemerkt sie stolz. Tägliches Training im Wasser, an die 3 bis 4 Kilometer, täten ihr gut. «Das Schwimmen stellt mich auf und nimmt mir den Nervenschmerz.»

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