Kunst
2000 Meter Garn im Kuchenstück

«In die Kunstszene sollte mehr Leben gebracht werden», meint Pirmin Breu, Künstler aus Muri. «Viele Menschen erleben Kunst als eine sterile Welt. Es soll jedoch eine lebendige Sache sein.»

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Aargauer Zeitung

Tabea Baumgartner

Das Projekt «KunstKollision» könnte lebendige Kunst ermöglichen. Vom 3. bis zum 9.Mai werden Künstler und Künstlergruppen aus der Region auf dem Zentrumsplatz Wettingen malen, kleben, formen, bauen und zuschneiden. Es entstehen zwölf kuchenstückartige Stücke, die zu einem Gesamtkunstwerk zusammengeführt werden.

«Die Besucher können mitverfolgen, was im Prozess des Schaffens passiert. Die Künstler sind als Menschen zu spüren, sodass die Leute ihr Werk besser verstehen können», sagt Breu. Die Arbeiten des Streetart-Künstlers aus Muri entspringen der Graffiti-Szene, in der er lange tätig war. «Ich freue mich auf den Austausch mit anderen Künstlern. Technisch können wir voneinander profitieren.» Er schätze es, dass viele junge oder unbekannte Künstler sich präsentieren dürfen. «In Wettingen will eine Gruppe mutiger Leute zeigen, dass Kunst nicht nur in grossen Städten entsteht.»

Warnung vor Kollisionen

Streetart wird mit Metallobjekten kollidieren, Holz mit Kleidungsstücken, Worte werden auf Tonplatten treffen und Draht die anderen Werke berühren: Die Materialien, welche die Künstler verwenden wollen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Am Informationsabend im Gluri-Suter-Huus präsentierten die Beteiligten ihre Ideen zum Thema «Wandel und Bewegung».

Der Designer, der Steinmetz und die Schneiderin werden alle grundverschieden arbeiten und etwas ganz Eigenes erschaffen. Nicht in ihren vier Wänden, sondern draussen. «Das Projekt bietet uns die Chance, für einmal nicht nur im Atelier auszustellen», sagt Cäcilia Wameling-Richon von der Ateliergemeinschaft Stroppel in Untersiggenthal. Zusammen mir Gerda Meier wird sie ein «versponnenes» Objekt ins Leben rufen. Inspiriert wurden sie vom «Fabrikcharme» ihres Ateliers, welches sich in einer alten Zwirnerei befindet. Sie verwenden Material, welches grösstenteils dem Fabrikareal entstammt. «Wir brauchen etwa 2000 Meter Garn», verrät Wameling. «Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Das sind sich die Leute oft nicht bewusst. Das kreative Schaffen bedarf einer vertieften Auseinandersetzung.» Deswegen freuen sich die beiden Frauen auf die Diskussionen mit der Bevölkerung.

So weit vorgespurt hat Pirmin Breu noch nicht. Die Spontanität gehört zu seiner Arbeitsweise. Statt seine Ideen festzunageln, stellt er sich vor – und verzerrt ein rosa Stück Torte. Er sei erst am Vortag aus den USA zurückgekehrt. Während die Künstlerkollegen aus der Ateliergemeinschaft erste Materialversuche in Schnee und Eis machten, bemalte Breu ein Abschnitt der Grenzwand zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. «Die Problematik der illegalen Einwanderer beschäftigte mich schon lange. Nun konnte ich mit meiner Kunst ein Zeichen setzen.»

Den Künstlern begegnen

Die breite Palette von Künstlern verspricht eine aussergewöhnliche Woche auf dem Zen-trumsplatz und wird interessante Begegnungen ermöglichen. Gregi aus dem Restaurant Gregi’s Spatz wird sowohl Künstler als auch Besucher kulinarisch verwöhnen. Es werden noch Newcomer-Bands mit jungen Musizierenden (12–25 Jahre) aller Stilrichtungen gesucht, die an einem Abend ein Konzert geben möchten. Interessierte melden sich unter 0793743509 oder manuela.gauch@jugendarbeitwettingen.ch