200 «Engel» gesucht für mehr Sicherheit

Was tun gegen Rasereien, Alkohol und Drogenkonsum von jungen Autofahrern? – Nez rouge, Driving Center und Fahrlehrerverband starten jetzt ein Pilotprojekt, das Junglenker in die Präventionsarbeit gegen gefährliches Fahrverhalten einbindet.

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Im Simulator «Engel» werden hier auf Gefahren durch Alkohol sensibilisiert. alf

Im Simulator «Engel» werden hier auf Gefahren durch Alkohol sensibilisiert. alf

Aargauer Zeitung

Den Anstoss für das Projekt gab das, was sich jedes Wochenende auf den Aargauer Strassen abspielt: Autofahrten mit Alkohol am Steuer und Raserexzesse von Junglenkern führen im besten Fall immer wieder zu Fahrausweisentzügen. Im schlechtesten Fall enden sie tödlich. «In der Bevölkerung wird da immer sofort der Ruf nach mehr Repression laut.

Wir wollten dazu einmal einen Kontrapunkt setzen und direkt in der besonders gefährdeten Altersgruppe präventiv tätig werden», erklärt Kurt Röthlisberger die Grundidee des Projekts «Suche Engel». Der Geschäftsführer der Stiftung «Aarau eusi gsund Stadt» und Präsident von Nez rouge Aargau hat es mit dem Aargauischen Fahrlehrer Verband und dem Driving Center Schweiz ins Leben gerufen.

Gemeinsam suchen die vier Organisationen jetzt bis Ende Mai 200 «Engel». Das sind junge Leute, die ihr eigenes Fahrverhalten verbessern und sich in ihrem Freundeskreis für mehr Verkehrssicherheit einsetzen wollen.

Konkret müssen die Engelskandidaten 21 bis 25 Jahre alt sein, bereits einen unbefristeten Führerausweis besitzen und damit schon die obligatorische Zweiphasenausbildung abgeschlossen haben. Denn den ersten Teil des Projekts bildet ein Ausbildungs- und Erlebnistag im Driving Center in Safenwil, der an die Zweiphasenausbildung anknüpft. Mit fahrtechnischen Übungen sollen beispielsweise die physikalischen Wirkungen des zu schnellen Fahren eins zu eins erlebt werden. Per Simulator wird anderseits aufgezeigt, welche Auswirkungen der Alkoholkonsum auf die Reaktion bei gefährlichen Situationen haben kann.

Einsätze bei Nez rouge und privat

Alles in allem soll der Ausbildungstag das Sicherheitsbewusstsein der Junglenker fördern, sie aber auch auf den zweiten Teil des Projekts vorbereiten, wie Driving-Center Geschäftsleiter Peter Koch erklärt. Denn im nächsten Dezember sollen die Junglenker in Begleitung eines Instruktors Fahreinsätze für Nez rouge absolvieren.

Dabei geht es laut Nez-rouge-Vizepräsident Heinz Fehlmann sicher nicht darum, neue Chauffeure für Nez rouge anzuwerben. Denn die beliebte Aktion habe heute schon mehr als genug Freiwillige. Vielmehr wolle man die jungen Leute auch hier eins zu eins in Situationen bringen, die sie auf das Problem Alkohol am Steuer sensibilisierten. Etwa wenn sie andere junge Leute von der Disco oder Silvesterparty abholten.

Schliesslich verpflichten sich die Teilnehmer dazu, auch in ihrem privaten Umfeld im Ausgang zweimal als rettender «Engel» in Aktion zu treten, nichts zu trinken und ihre Kollegen sicher nach Hause zu fahren. «Anstatt bloss zu belehren, wollen wir so Vorbilder generieren», erklärt Fehlmann.

Werbung via Partylokale und Fussball

Unterstützt wird die vorerst für die nächsten drei Jahre vorgesehene Aktion auch vom Strassenverkehrsamt, dem Event-Veranstalter «Pop Art» und dem Aargauer Fusssballverband. Via Strassenverkehrsamt werden Flyer zur Anwerbung der «Engel» an alle Fahrausweisinhaber der Altersgruppe verschickt. Die Flyer liegen zudem in Clublokalen auf und werden in den Fussballvereinen verteilt. Besonders via Fussball hofft Kurt Röthlisberger auch einen Anteil von mindestens 20 Prozent junger Leute mit Migrationshintergrund für die Aktion zu gewinnen.

Ob man so auch tatsächlich Leute erreicht, die selbst zu gefährlichem Verhalten im Strassenverkehr neigen, müssen die Organisatoren vorerst offen lassen. «Wir versuchen es einfach», sagt Röthlisberger. Als Belohnung winkt neben dem kostenlosen Fahrtraining ein Diplom. Immerhin drei Anmeldungen gab es gestern schon.

Teilnahme: Anmeldung über «Aarau eusi gsund Stadt» (062 822 32 61). Die Teilnahme ist kostenlos. Es muss aber ein Depot von 200 Franken hinterlegt werden. www.suche-engel.ch.