Niederbipp

«19 Millionen sind sogar wenig»

Industrie Niederbipp: Hier wird das Bipperlisi anhalten. Die Firma Galexis erhält einen direkten, gesicherten Zugang (links). (Bild: Alois Winiger)

Bahn

Industrie Niederbipp: Hier wird das Bipperlisi anhalten. Die Firma Galexis erhält einen direkten, gesicherten Zugang (links). (Bild: Alois Winiger)

Auf den ersten Blick erscheint die Sache sehr teuer: fast 19 Mio. Franken für zwei Kilometer neue Bahnlinie. Nach näherer Betrachtung wird jedoch verständlich, warum dies als günstig bezeichnet wird.

Alois Winiger

«Je nach dem kann eine einzelne Bahnhaltestelle gegen 20 Millionen kosten. Wir hingegen bauen hier eine komplette Bahnlinie mit zwei Haltestellen. So gesehen ist unser Vorhaben sogar ein günstiges», erklärt Ulrich Neuenschwander, Vizedirektor der Aare Seeland mobil (asm) und Projektleiter für die Verlängerung der Bipperlisi-Linie Niederbipp-Oensingen. Diese wird gleich neben der bestehenden SBB-Line verlaufen. Noch bis am 29. September sind Pläne und Unterlagen für dieses Projekt bei der Gemeindeverwaltung von Oensingen einzusehen (siehe auch Update). Ein Blick auf das Blatt mit der Kostenaufstellung erklärt schon vieles in Sachen Kosten: Landerwerb 395 000 Franken, Provisorien und Bauinstallation 1,05 Mio., Tiefbau 2,23 Mio., Oberbau 2,45 Mio., Fahrleitung 2,58 Mio., Kabel 1,18 Mio., Sicherheit 1,23 Mio., Ingenieurarbeiten 2,85 Mio., Planung und Bauleitung 2,57 Mio. Franken.

Bahn sollte bereits fahren

Die Pläne offenbaren im Weiteren, dass die Bahnlinie für das Bipperlisi an zwei Stellen von Strassen unterquert wird, dass also Brücken und Stützmauern gebaut werden müssen und dass beim Bahnhof Oensingen eine grosse Haltestelle mit zwei Geleisen und einem 60 Meter langen Perron samt Dach entstehen wird. Die kleine Haltestelle im Niederbipper Industriegebiet kommt auf der Höhe der Firma Galexis zu stehen. Für deren Mitarbeiter sei ein direkter und gesicherter Zugang vom Firmengelände zur Haltestelle vorgesehen, sagt Ulrich Neuenschwander.

«Eigentlich kommen wir ja zu spät mit dem Ausbau», fährt er weiter. «Die Bahn hätte bereits fahren müssen, als die Firma Galexis ihren Betrieb aufnahm.» Immerhin habe die asm schnell reagiert und innert kürzester Zeit einen Busbetrieb mit sechs Haltestellen zwischen Oensingen und Niederbipp eingerichtet. Das Angebot wird mittlerweile auch von Quartierbewohnern geschätzt. Der Fahrplan ist auf die Arbeitszeiten im Industriegebiet und die Anschlusszeiten in Niederbipp und Oensingen abgestimmt. Zwanzig Mal fährt der Bus an Werktagen morgens, mittags und abends, dies bis zur Eröffnung des Bahnbetriebes.

Kosten und Lebensdauer betrachten

Neuenschwander rechnet fest damit, dass das Bipperlisi im Dezember 2011 seinen Betrieb bis Oensingen im Halbstundentakt aufnehmen kann. Auch rechnet er nicht mit Einsprachen, die aufgrund der Planauflage eingehen und den Baubeginn im März 2010 gefährden könnten. Alle, die vom Projekt tangiert werden, seien direkt kontaktiert und eingehend orientiert worden, betont Neuenschwander. «Aber», schiebt er nach, «um nochmals auf die Kosten zurückzukommen: Bei jedem Bauvorhaben - erst recht bei einem der Bahn - kommen immer wieder neue Auflagen hinzu, und die sind nicht gratis zu haben.» Gerade in Bezug auf die Sicherheit treffe dies zu. Der diesbezügliche Aufwand für die Baustelle sei entsprechend gross, um den Betrieb Jurasüdfusslinie der SBB nicht zu beeinträchtigen.

Schliesslich, so führt Neuenschwander aus, müsse man die Kosten der Lebensdauer einer Bahnlinie gegenüberstellen. «Buchhalterisch wird so eine Linie über 33 Jahre abgeschrieben. Aber die Lebensdauer kann ohne weiteres bis 50 Jahre und mehr betragen.»

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