Suche Engel

150 Junglenker für Nez rouge

Startklar: Nez-rouge-Präsident Kurt Röthlisberger (rechts), im Auto der freiwillige Fahrer Andy Ott (24). Im Hintergrund überreicht Samuel Käser, Geschäftsführer der Auto Schmid Rohr AG, die Schlüssel für die gesponserten Autos. (Bild: Michael Spillmann)

Nez rouge

Startklar: Nez-rouge-Präsident Kurt Röthlisberger (rechts), im Auto der freiwillige Fahrer Andy Ott (24). Im Hintergrund überreicht Samuel Käser, Geschäftsführer der Auto Schmid Rohr AG, die Schlüssel für die gesponserten Autos. (Bild: Michael Spillmann)

Am nächsten Wochenende sind sie das erste Mal auf den Strassen unterwegs: Junge Autofahrer in Diensten des Heimfahrservices Nez rouge. Das gewagte Projekt mit dem Namen «Suche Engel» stösst auf grosses Interesse.

Michael Spillmann

Der Festtags-Fahrservice von Nez rouge wird immer beliebter. Der von der Stiftung «Aarau - eusi gsund Stadt» organisierte Aargauer Ableger transportierte im Dezember 2008 insgesamt 3300 Personen und legte dabei 50 000 Kilometer zurück. Zum Vergleich: Im Gründungsjahr 1994 waren es noch 200 Personen und 3000 zurückgelegte Kilometer.

Jetzt geht Kurt Röthlisberger - Geschäftsführer der Stiftung und Präsident von Nez rouge Aargau - noch einen Schritt weiter: Ab nächstem Wochenende sind bis und mit Silvesternacht total 150 Autofahrerinnen und Autofahrer im Alter zwischen 21 und 26 Jahren als freiwillige Chauffeure unterwegs - darunter auch Lenker, die ihren Führerausweis schon wegen Geschwindigkeitsübertretungen abgeben mussten.

«Wir haben damit ein Pionierprogramm auf die Beine gestellt. Die Junglenker müssen Verantwortung übernehmen», so der Initiator. Die anderen 150 Freiwilligen sind erfahrene Nez-rouge-Fahrer.

Raserexzesse und Alkohol

Anfang 2009 hatte Kurt Röthlisberger in dieser Zeitung die Idee seines aussergewöhnlichen Präventionsprojekts mit dem Titel «Suche Engel» präsentiert. Jetzt steht das Projekt in den Startlöchern. Seit Anbeginn will Nez rouge erreichen, dass sich angetrunkene Lenker nicht mehr hinters Steuer setzen.

Den Anstoss zur Aktion «Suche Engel» gab laut Kurt Röthlisberger schliesslich das, was sich jedes Wochenende auf den Strassen abspiele - auch im Aargau: «Autofahrten von alkoholisierten Junglenkern oder Raserexzesse führen im besten Fall zu einem Führerausweisentzug - im schlechtesten Fall enden sie tödlich.» Nez rouge Aargau versuche nun - als Kontrapunkt zum Ruf der Bevölkerung nach mehr Repression - die besonders gefährdete Altersgruppe präventiv einzubeziehen.

Über 20 000 Lenker angeschrieben

Das schweizweit einzigartige Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Aargauischen Fahrlehrerverband und dem Driving Center Schweiz durchgeführt. Die Präventionskampagne stösst schon jetzt auf ein grosses Interesse. So haben sich der Bund sowie auch Nez rouge Schweiz nach dem ambitionierten Aargauer Projekt erkundigt. Die Auto Schmid Rohr AG sponsert wie in den letzten beiden Jahren zehn Fahrzeuge für die Dauer der Aktion.

Und wie kam Nez rouge Aargau zu den 150 freiwilligen Junglenkern? «Mit Bewilligung des Kantons haben wir über das Strassenverkehrsamt mehr als 20 000 Autofahrerinnen und Autofahrer in dieser Altersgruppe angeschrieben», so Kurt Röthlisberger.

Von diesen haben sich immerhin 150 Männer und Frauen für mindestens einen Fahreinsatz bereit erklärt und im Driving Center Safenwil ein eintägiges, intensives Schulungsprogramm absolviert. Dazu gehörte auch der 24-jährige Andy Ott. «Das Projekt ist eine gute Sache», erklärt er, «ich habe den Kurs mit ein paar Kollegen vom FC Entfelden zum Saisonabschluss besucht.» Nun freut er sich auf seinen ehrenamtlichen Fahreinsatz im Dezember.

Während den Einsätzen werden die «Engel» von einem Fahrlehrer oder einem Experten des Driving Centers begleitet. Kurt Röthlisberger: «Eine Fahrschule wird es nicht. Die Begleiter sind vielmehr Coach für die beiden Junglenker und geben ihnen Tipps.»

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