Nordtangente

1,5 Milliarden für drei Kilometer

Eröffnung: Im Juni 2007 wurde die Nordtangente mit dem Wahrzeichen Dreirosenbrücke dem Verkehr übergeben. Dies wurde mit einem dreitägigen Fest gefeiert.  mz-Archiv

Eröffnung

Eröffnung: Im Juni 2007 wurde die Nordtangente mit dem Wahrzeichen Dreirosenbrücke dem Verkehr übergeben. Dies wurde mit einem dreitägigen Fest gefeiert. mz-Archiv

Der Einband des neuen Buchs «Wanderung Basel Nord Tangente» ist aus einem gummiartigen Material und sieht wie eine Asphaltplatte aus. Das schön illustrierte Buch beleuchtet nicht nur die Veränderungen, welche die Nordtangente für Basel Nord gebracht hat, sondern auch die Vorgeschichte sowie technische Details.

David Weber

Es ist, als ob einem der Reifengeruch der unzähligen Autos und Lastwagen in die Nase steigt, die täglich über die Nordtangente brettern. Denn der Einband des neuen Buchs «Wanderung Basel Nord Tangente» ist aus einem gummiartigen Material und schaut aus wie eine Asphaltplatte. Das schön illustrierte Buch, vom Basler Tiefbauamt konzipiert und herausgegeben, beleuchtet nicht nur die Veränderungen, welche die Nordtangente für Basel Nord gebracht hat, sondern auch die unendlich lange Vorgeschichte sowie technische Details.

Am 2. Juli 2008 wurde das allerletzte Teilstück der Nordtangenten-Autobahn eröffnet. 15 Jahre wurde an der rund drei Kilometer langen Stadtautobahn gebaut, die grösstenteils unterirdisch die A 2 beim Riehenring mit dem französischen Hochleistungstrassennetz verbindet. Das markanteste Teilstück ist die neue, doppelstöckige Dreirosenbrücke.

Für Bundesrat Moritz Leuenberger ist die Nordtangente ein «städtebaulicher Quantensprung», wie er im Vorwort schreibt. Euphorisch meint der Verkehrsminister: «Zwischen dem Bahnhof St. Johann und dem Badischen Bahnhof, wo sich früher Blechlawinen zwischen den Häusern hindurchwälzten, gibt es heute gute Luft, attraktiven Wohnraum, Baumalleen, Fussgängerboulevards, Freizeithallen und Grünflächen mit einer hohen Artenvielfalt.»

Porträt von Bauwerk und Stadtteil

Wer nun glaubt, der Bundesrat blickte mit einem arg rosaroten Fernglas nach Basel Nord, sieht sich im Buch eines Besseren belehrt. Im ersten Teil «Einsichten» wandert man den Wegmarken der Nordtangente entlang, vom Bahnhof St. Johann über den Voltaplatz, vorbei an der neuen Dreirosenanlage durch die Horburgstrasse zur Erlenmatt. In zahlreichen kurzen Beiträgen werden die positiven Effekte auf die Quartiere sichtbar gemacht. Aber auch Skeptiker und Lärmgeplagte äussern sich. So meint der Beizer des Café Florida am Voltaplatz: «Es wird ungewohnt sein, wenn die Baumaschinen nicht mehr aufkreuzen. Dann könnte man morgens ja schlafen.»

Im zweiten Teil «Technik» erfährt man, warum die Autobahn unter Basel Nord hindurch mit 1,5 Milliarden Franken dreimal so teuer wurde, wie bei der Volksabstimmung behauptet. 65 Prozent davon zahlte übrigens der Bund. Natürlich wird neben bautechnischen Details auch die unendlich lange Vorgeschichte aufgerollt, die 1960 anfängt und nach unzähligen politischen Streitereien (inklusive zweier Volksinitiativen) 1994 endlich zum Spatenstich führte.

«Wanderung Basel Nord Tangente» ist viel mehr als ein Buch über ein Bauprojekt. Es ist auch ein äusserst interessantes Porträt des Stadtteils Basel Nord, der sich nach den Baustrapazen wieder aufs Leben konzentrieren kann - auch wenn die enorme Themenvielfalt bisweilen einer tieferen Betrachtung im Wege steht.

Im Buchhandel erhältlich: «Wanderung Basel Nord Tangente», Herausgegeben von Tiefbauamt/Bau- und Verkehrsdepartement, Christoph Merian Verlag, 2009, 180 Seiten, 49 Franken.

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