Messie
12 Katzen im Chaos zurückgelassen

Mieterin lässt in ihrer Wohung mehrere Katzen zurück. Für den Aargauischen Tierschutzverein einer von vielen Messie-Fällen.

Merken
Drucken
Teilen
12 Katzen im Chaos zurückgelassen

12 Katzen im Chaos zurückgelassen

Roman Huber

Einmal mehr musste der Tierschutz beigezogen werden. Die Regionalpolizei Aargau Süd wurde benachrichtigt, weil sich in Menziken aus einer Wohnung Gestank ausbreitete und man die Bewohnerin länger nicht gesehen hatte.

Als die Polizei die Türe geöffnet hatte, bot sich ihr das grauenvolle Bild einer typischen Messie-Wohnung. Neben dem Abfallchaos hatte die Bewohnerin mehrere Katzen zurückgelassen. Sechs davon wurden ins Tierheim nach Untersiggenthal gebracht. Die Polizei stellte bei ihrem nächsten Besuch fest, dass weitere drei Katzen sich hinter den Abfallbergen versteckt hielten. Der kantonale Veterinärdienst bot darum den Tierschutz erneut auf.

«Es war schlimm, was wir angetroffen haben», erzählt Marlies Widmer-Härdi, Geschäftsführerin des Aargauischen Tierschutzvereins. Sie war selber mitgegangen. Die drei Tierschutz-Spezialistinnen orteten sogar sechs Katzen. Widmer: «Sie waren völlig eingeschüchtert und nur schwer einzufangen. Zudem waren sie gesundheitlich angeschlagen und dehydriert.» Die verdreckten Fressnäpfe seien allesamt leer gewesen. Es handelt sich um ausschliesslich rothaarige Katzen; die beiden Kater seien zum Glück kastriert.

Wiederholt gravierende Fälle

«Wir wurden in den vergangenen vier Wochen mit mehreren gravierenden Fällen konfrontiert», berichtet Widmer. In einem Fall habe man 36 Meerschweinchen übernehmen müssen. Die Tiere in solchen Fällen seien meistens in schlechtem Zustand und bräuchten aufwändige Pflege und Betreuung. Kantonstierärztin Erika Wunderlin bestätigt, dass gerade Fälle von «animal hoarding» (Massenhaltung von Tieren aufgrund psychischer Störung) vermehrt angetroffen werden.

«Wir stossen langsam, aber sicher an unsere Grenzen», fährt die Geschäftsführerin fort. Die personellen und finanziellen Ressourcen würden kaum mehr ausreichen, um die tierschützerischen Probleme zu bewältigen. Es geht nicht allein um die Aufgaben, die sich der Verein selber gestellt hat. Vielmehr seien es diejenigen, die von aussen an ihn herangetragen würden. Zurzeit seien auch die 25 Fallen, um wild lebende Katzen für die Kastration einzufangen, im Dauereinsatz. Das bedeutet personeller Aufwand, während die Kastrationen ebenfalls kosten.

Tiere als Warenartikel

Auch im Tierheim in Untersiggenthal selber stösst der Tierschutzverein an seine Grenzen. «Bei uns leben derzeit weit über 100 Tiere, und es werden immer mehr», schildert Widmer die Situation. Inzwischen sind es allein gegen 100 Katzen und zwischen 15 und 20 Hunde, die man zu vermitteln versucht. «Nebst beschlagnahmten Tieren oder solchen, die bei einem Todesfall oder dem Umzug ins Altersheim abgegeben werden, sind es meistens Verzichtstiere», berichtet Marlies Widmer.

Wie Gebrauchsgegenstände aus dem Warengestell würden Haustiere gekauft, weil sie klein und herzig seien. Sobald der Aufwand gerade bei Hunden grösser werde oder wenn man sich mit der Erziehung auseinandersetzen müsse, würden die Tiere oft unter einem Vorwand abgegeben wie Trennung eines Paares, berufliche Veränderung, Wohnungswechsel, plötzliche Allergien etc. Im Tierheim in Untersiggenthal würde man sich wieder mehr Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Haustieren wünschen.