10 000 Franken für «Q»-Mörder ausgeschrieben

Die Kantonspolizei Zürich hat am Dienstag eine Belohnung von bis zu 10 000 Franken ausgesetzt. Sie soll zur Ermittlung des Täters verhelfen, der in der Nacht zum Samstag vor dem Club Q im Hardturmquartier einen 17-jährigen Schweizer getötet und einen 20-jährigen Portugiesen schwer verletzt hat.

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10 000 Franken für «Q»-Mörder ausgeschrieben

10 000 Franken für «Q»-Mörder ausgeschrieben

Limmattaler Zeitung

Michele Coviello

Die bisherigen Hinweise haben die Behörden nicht weitergebracht. Mit einer zweiten Aufnahme einer Überwachungskamera sucht die Polizei nach weiteren Indizien zu Täter, Tathergang und Waffe. Laut Angaben der Zeugen soll der Unbekannte ein 25- bis 30-Jähriger mit südamerikanischem Aussehen sein. Er sei 185 bis 190Zentimeter gross, schlank, spreche gebrochen Deutsch, habe schlechte Zähne und dunkles Haar. Zur Tatzeit trug er ein weisses, langärmliges Sweatshirt und ein rotes T-Shirt darüber. Er fuhr ein auffälliges dunkles Fahrrad, genauer einen Beach-Cruiser mit geschwungenem Rahmen, geringer Sattelhöhe und womöglich zweifarbigen Pneus.

Mehr Polizei

In einem Artikel von «20Minuten online» fordert «Q»-Mitinhaber René Götz eine grössere Polizeipräsenz in Zürich-West während der Nacht. «Das habe ich in der Budget-Debatte von Dezember haargenau auch gefordert», sagt SVP-Gemeinderat Mauro Tuena. 15zusätzliche Stellen für rund 1,8Millionen Franken wollte er für die Abteilung Brennpunkt schaffen, die mit der Kontrolle der Ausgehmeile betraut ist. «Ich bin mir bewusst, dass das kostet», sagt Tuena, «aber wenn das Parlament sechs Millionen für Kunst am Escher-Wyss-Platz ausgeben kann, dann kann man auch in die Sicherheit investieren.»

Für die Präsidentin der SP-Fraktion, Min Li Marti, müsse aufgrund der wachsenden Bevölkerung überprüft werden, ob das Verhältnis zwischen Einwohnerzahl und Polizeikräften noch stimme. «Wenn ein begründeter Antrag der Polizei für mehr Personal vorliegt, dann werden wir uns diesem nicht widersetzen», sagt Marti, «früher oder später wird das nötig sein.»

«Stark vertreten»

Stehende Patrouillen vor den Clubs könne man nicht haben, sagt Marco Cortesi, Mediensprecher der Zürcher Stadtpolizei, «dazu haben wir zu wenig Personal». Dennoch sei die Polizei «grundsätzlich recht stark vertreten.» Bei bis zu 50000Personen, die sich an Wochenendabenden im Ausgehmekka Zürich vergnügen, könne die Polizei nicht jeden Streit verhindern. Der Partybetrieb rund um die Uhr bringe sie ebenso an ihre Grenzen. Auch die Clubs müssen laut Cortesi Verantwortung übernehmen, beim Ausschank von Alkohol Grenzen setzen und bei Schwierigkeiten die Polizei hinzuziehen.

Sandro Bohnenblust, Geschäftsführer des Clubs Supermarket, ist gleicher Meinung. Die Clubs müssten auf die Polizei zugehen oder könnten selber das Mögliche für Ruhe tun. «Die wenigsten nehmen aber diese Verantwortung wahr.» Dass es mehr Polizei an der Ausgehmeile in Zürich-West brauche, damit ist Bohnenblust nicht einverstanden. «Die Präsenz im Kreis 5 ist durchaus vorhanden.» Das Problem ortet er eher in den Kompetenzen der Polizei. «Sie braucht mehr Deckung aus der Politik und muss härter durchgreifen dürfen – die Strafmasse sind zu gering.» Den Clubbetreibern fehle der Anreiz, die Gewalttäter zu überführen. «Wenn die Justiz richtige Strafen ausspricht, dann lohnt es sich zu kooperieren», sagt Bohnenblust. Dann würden die Übeltäter weggesperrt und nicht immer wieder vor den Clubs auftauchen und für Stunk sorgen.