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Das stille Örtchen sorgt immer wieder für Unruhe

Bei grossen Events sei es schon «eine weit verbreitete Unsitte», einfach auf Wirtshaustoiletten auszuweichen.

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Bei grossen Events sei es schon «eine weit verbreitete Unsitte», einfach auf Wirtshaustoiletten auszuweichen.

Auf dem Land scheint die WC-Problematik ein heisseres Eisen zu sein als in der Stadt: Die Benutzung von Restauranttoiletten durch ungebetene Gäste gibt immer wieder zu reden – gerade auch während Grossanlässen wie der Fasnacht.

Basel-Stadt hat die grösste Dichte an Toiletten in der Schweiz, und jene auf dem Barfüsserplatz sind sogar gratis. Doch manchmal pressiert es ganz einfach, und Frauen scheuen sich manchmal, vor allem nachts, ein öffentliches WC aufzusuchen. Wenn man dann nett fragt, darf man in Restaurants. Es gibt aber auch viele Leute, die einfach ungeniert deren Toiletten benutzen.

Ob sich die Situation in letzter Zeit verschlimmert hat wie beispielsweise in Zürich, entzieht sich der Kenntnis von Maurus Ebneter, Vorstandsdelegierter des Wirteverbands Basel-Stadt. Er sagt aber: «Für Betriebe an guter Passantenlage ist es tatsächlich ein Problem, wenn die Leute die Toiletten benutzen, aber nichts konsumieren.» Das sei wohl ein Dauerbrenner. Er merkt an, dass die Kosten für Wasser und Abwasser nicht unterschätzt werden dürfen.
Markus Thommen, Präsident Gastro Baselland, sagt dazu: «Man ist sich nicht bewusst, dass es hier nicht nur um eine Toiletteneinrichtung geht. Sie muss hygienisch in einem Top-Zustand sein, denn man möchte seinen Gästen nur den besten Service bieten.» Das bedinge mehrmals täglich eine Reinigung und dies sei mit Kosten verbunden. Für Gäste machten das die Gastrobetriebe gerne, aber nicht für ungebetene Benutzerinnen und Benutzer. Er fügt an, genau deswegen «kostet der Kaffee oder das Getränk im Restaurant mehr als bei einem Snackanbieter auf der Strasse. Die geheizte und saubere Toilette gehört eben auch zum Service dazu.»
Ebneter betont, es gehe dabei nicht um Einzelfälle: «Jedermann hat Verständnis, wenn einmal eine Mutter mit einem kleinen Kind rasch aufs WC gehen muss.» Doch zum Beispiel bei grossen Events in der Stadt sei es schon «eine weit verbreitete Unsitte», einfach auf Wirtshaustoiletten auszuweichen. Deshalb kann er den Ärger der Betriebe gut nachvollziehen.

Auch auf dem Land scheinen Grossanlässe das grösste Problem darzustellen. Thommen sagt: «Viele sind sich dessen nicht bewusst, aber unsere Branche kämpft vielerorts gegen die Gemeinden, die dieser Thematik bei Grosssanlässen zuwenig Rechnung tragen.» Gerade während der Fasnacht. Da lägen sich Gemeinden und Wirte mancherorts seit Jahren in den Haaren. Aber auch an Dorffesten oder Markttagen gibt es Probleme. Thommen weiss aber, dass die Wirte an solchen Tagen ein Auge zudrücken.
Es sei denn, es kommt zu grosser Verschmutzung. Hier kommen auf dem Land auch Klagen über Bauarbeiter oder Handwerker mit dreckigen Schuhen, die die Toiletten via Hintereingang benutzen ohne zu fragen. «Kommt noch Vandalismus hinzu, wird es schlimm», meint Ebneter.
Er zeigt deshalb Verständnis für jene Betriebe wie Schnellverpflegungsrestaurants, die sich mit einem Zahlsystem oder Zugangscode behelfen. «Doch für kleiner und mittlere Betriebe ist das wegen der hohen Investitionskosten keine passende Lösung.»

Wäre die Aktion «Nette Toiletten», eine Idee aus Deutschland eine Lösung? Dort machen Restaurants ihre WC öffentlich, werden dafür aber von der Stadt bezahlt. Ebneter ist grundsätzlich der Ansicht, dass die Bereitstellung von sauberen, sicheren Toiletten eine Aufgabe der öffentlichen Hand ist. Er fügt an, es möge Standorte und Situationen geben, in denen alternative Lösungen geprüft werden könnten.
Thommen fände solch eine Aktion sehr gut - allen voran in Liestal, wo er dringenden Handlungsbedarf ortet - zumal die Gemeinden «diese Aufgabe ja schon lange klammheimlich an die Gastronomie outgesourct» hätten. Er sagt, dann könnten auch Schulhaus-, Gemeindehaus-, Werkhof- und Altersheimtoiletten geöffnet werden.

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