Hochwasser

200 Schweizer sitzen in Indien fest

Bis anhin war die Rede von 80 Schweizern, die sich im Krisengebiet befinden. Tatsächlich sind es aber 200 Personen. Deren Situation im überfluteten Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan ist prekär.

Jessica Pfister und Sven Zaugg

«Es gibt noch keine Hinweise auf Todesfälle oder Verletzungen von Schweizer Staatsangehörigen, doch die Situation in der Region Ladakh verschlechtert sich zusehends», schildert EDA-Sprecherin Carole Wälti die Situation in Indien. Man stehe mit 200 Schweizern, die sich zurzeit in der Krisenregion befinden, in Kontakt. «Die Lage ist unübersichtlich, da die Kommunikationsmöglichkeiten sehr eingeschränkt oder ganz unterbrochen sind», erklärt Wälti. Und: Es ist nicht auszuschliessen, dass sich noch mehr Schweizer im nordindischen Bundesstaat Jammu befinden.

Schweizerin evakuiert

Bereits am Montag wurden mehrere ausländische Staatsangehörige, darunter auch eine Schweizerin aus dem Dorf Skiu in die nahe gelegene Regionalhauptstadt Leh evakuiert. Gemäss allgemeinen Einschätzungen soll der Hauptort der Region Ladakh sicher sein. Vertreter der Schweizer Botschaft in Indien sind vor Ort und versuchen die Situationen in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden unter Kontrolle zu bringen.

Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass auch andere Gebiete von den schwere Regenfällen betroffen sind. Eine Verbesserung der Lage in den nächsten Tagen ist laut Wälti nicht absehbar, «es besteht das Risiko weiterer Überschwemmungen und Erdrutsche». Das EDA rät von Reisen in die Krisenregion dringend ab.

«Wasser bis unters Dach»

Noch schlimmer ist die Situation in Pakistan. Dort führte der starke Monsumregen zur schlimmsten Hochwasserkatastrophe seit über 80 Jahren. Das Hochwasser erstreckt sich nach neusten Informationen inzwischen über ein mehr als 1000 kilometerlanges Gebiet entlang des Indus und seiner Zuflüsse.

Ein Vertreter des Schweizer Hilfswerks Heks, der zur Zeit vor Ort ist, berichtet: «Die Flüsse sind so hoch, dass das Wasser in den Häusern bis unters Dach steht.» Die Menschen würden in höher gelegene Regionen flüchten oder bei Nachbarn und Freunden Unterschlupf suchen. Bislang seien mindestens 1200 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 14 Millionen Personen seien betroffen, bis zu sechs Millionen benötigen humanitäre Hilfe, wie Rolf Stocker, Chef humanitäre Hilfe von Heks auf Anfrage sagt.

Spenden fliessen nur harzig

Derweil sind bis heute Nachmittag bei der Glückskette 590 000 Franken Spendengelder für Pakistan eingegangen. Gesammelt wird seit neun Tagen. Verglichen mit dem Spendenbetrag für das Erdbeben in Haiti ist das wenig. Damals kamen in einer Woche fünf Millionen Franken zusammen. «Im Gegensatz zu Haiti, wo das Unglück in einem Tag das Land erschütterte, handelt es sich bei Pakistan um eine schleichende Katastrophe», begründet Glückskette-Sprecherin Spörri.

Hinzu komme, dass die Schweizer zu Pakistan keine enge Beziehung haben, wie es beispielsweise beim Tsunami in Thailand der Fall war. «Wir erhalten wir auch Kommentare, dass man einer Atommacht nicht helfen müsse», so die Sprecherin. Zudem würden viele das Land mit den Taliban in Verbindung bringen, was die Sympathien ebenfalls mindere. Spörri ist aber überzeugt, dass die Bilder der letzten Tage von überschwemmten Gebieten, Menschen und Vieh, die um ihr Leben kämpfen, die Spendenbereitschaft erhöhen.

Verteilung von Trinkwasser, Nahrungsmittel und Unterkünften

Acht Partnerhilfswerke der Glückskette sind vor Ort aktiv und leisten Nothilfe: Terre des hommes Kinderhilfe, HEKS, Caritas Schweiz, das Schweizerische Rote Kreuz (SRK), Handicap International, die Christoffel Blindenmission (CBM), die Heilsarmee und das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH). In Zusammenarbeit mit ihren lokalen Partnern haben sie die Verteilung von Trinkwasser, Nahrungsmitteln, Medikamenten, Hygieneartikel, Kochutensilien und provisorischen Unterkünften für die notleidende Bevölkerung begonnen.

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