Zuhause bei

Schwingerkönigin Kälin Sonia legt jede Frau flach

Sie legt – nicht jeden Mann – aber jede Frau flach: Schwingerkönigin Sonia Kälin (28) ist eine hübsche Frau, mit kräftigen Muskeln und der Liebe zur Tradition. Zu Hause hilft sie auf dem Bauernhof der Eltern und spielt gerne Schwyzerörgeli.

Blitzschnell drücken die zarten Finger auf dem Schwyzerörgeli die runden Knöpfe im Rhythmus des Instrumentes. Das eher karg eingerichtete Wohnzimmer der Familie Kälin in Egg bei Einsiedeln wird mit heimatlichen Klängen gefüllt. Eine warme Stimmung zieht auf, ein Strahlen huscht über das hübsche Gesicht der Schwingerkönigin, die sorgsam rot angestrichenen Fingernägel streicheln das Instrument. Die schräg geschnittenen blonden Haare verdecken die Augen. Die Sonne scheint und der Blick aus dem Fenster verrät, dass sich hier Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Idylle pur.

Sonia stopptdas Instrument und sagt: «Ich liebe diesen Klang – einfach wunderbar.» Und dann erzählt sie, dass dies ein spezielles Örgeli sei, eine Nachahmung, Typ Nussbaumer. Das Instrument habe über 9000 Franken gekostet. Eine sinnvolle Investition, denn die Schwingerin spielt in einer Formation, die regelmässig Auftritte hat. «Mich fasziniert das Lächeln der Menschen, sobald die Musik ertönt.»

Offene Oberstufenlehrerin

Doch im «richtigen» Leben ist sie weder Schwingerin noch Musikerin, sondern Lehrerin von Beruf. Sie unterrichtet in Einsiedeln «en Huufe pubertierendi Oberstufeschüeler, woni aber mega gern han». Hier auf diesem kleinen Bauernhof in der Nähe des Sihlsees ist sie aufgewachsen. Vor Jahren habe sie mit ihrem damaligen Freund in der Region gewohnt, nach der Trennung sei sie wieder nach Hause zurückgekehrt.

Ihre Familie bedeutet ihr sehr viel. Sonia erzählt von ihren vier Geschwistern. Die älteste Schwester ist nach Bern ausgezogen, kommt aber am Wochenende immer nach Hause. Und als der kleine Bruder vor über zehn Jahren mit dem Schwingsport angefangen habe, sei sie in den Schwingkeller mitgegangen und da habe es sie «so richtig gepackt».

2012 wurde SoniaSchwingerkönigin. Sie gewann nicht – wie die Männer – einen Muni, sie erhielt ein Kalb. «Das habe ich dem Bauern sofort wieder zurückverkauft», lacht sie und setzt sich an den grossen Tisch in der Küche. Sie hätten genug Kälber, erzählt sie und braut einen Tee in der grossen Wohnküche. Hier ist das Zentrum des Hauses der Familie Kälin. Das Haus ist gross und geräumig, bietet Platz für die 7-köpfige Familie. Seit einiger Zeit hätten sie eine neue Holzheizung, noch vor Jahren wurde das Haus von der Küche aus beheizt.

«Dann bildeten sich frühmorgens Eisblumen an den Fenstern in den Schlafzimmern», erzählt sie. Ein Familienbild über dem Küchentisch zeigt die Familie im Wald. Der kleine Bauernhof mit 15 Hinterwälderkühen und rund so vielen Kälbern reicht für die Familie nicht zum Überleben und deshalb arbeitet der Vater vor allem im Winter auch als Waldarbeiter, die Mutter jobbt zweimal pro Woche in einem Restaurant. Im hügeligen Gelände der Region Einsiedeln gehören die Kälins bereits zu den Bergbauern. Hier wird noch viel von Hand gearbeitet – Muskelpower ist gefragt.

Zuhause, wo die Familie ist

Und so ist Sonia eine Königin in einem absoluten Männersport. Vergebens sucht man nach grossen Gewinnertrophäen von Schwingfesten. Sie hat einzig einen geschnitzten Stuhl, der in der Wohnzimmerecke steht. Die gewonnenen Kränze findet man verstreut im ganzen Haus. Nur den Siegeskranz des Eidgenössischen hat sie in ihrem schlicht eingerichteten Zimmer aufgehängt, wo sich einzig ein grosses Bett, eine Kommode und ein Schrank befinden.

Wohnen habe für sie wenig Bedeutung, sagt Sonia. Sie fühlt sich da wohl, wo ihre Familie ist. Wenn sie ausziehen werde, will sie in der Region bleiben. Sie könne sich vorstellen, mal ein Stöckli umzubauen und dort mit einer «neuen» Familie und einigen Haustieren zu leben. Der Hof der Eltern wird ihr Bruder übernehmen. Und so geht Sonia zurück ins Wohnzimmer, setzt sich neben den Hometrainer aufs Sofa, nimmt ihr Instrument und lässt den Raum mit wohligen Schwyzerörgeli-Klängen erklingen.

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