«Tatort»
Schweizer Politiker sind empört über Schweizer «Tatort»

Tumbe Polizisten und ein dilettantischer Nachrichtendienst: Das ist die harsche Kritik von Schweizer Politikern am Konstanzer Tatort «Letzte Tage». Auch die SRG bekommt ihr Fett weg.

Stefan Künzli
Merken
Drucken
Teilen
Team auf Gedeih und Verderb: Klara Blum (Eva Mattes) und Matteo Lüthi (Roland Koch)

Team auf Gedeih und Verderb: Klara Blum (Eva Mattes) und Matteo Lüthi (Roland Koch)

SRF/Peter Hollenbach

«Der ‹Tatort› gehört für mich zum Sonntag, und gewöhnlich schaue ich ihn gern», sagt SVP-Nationalrätin Natalie Rickli. Der Bodensee-«Tatort», der am letzten Sonntag ausgestrahlt wurde, hat ihr aber gar nicht gefallen: «Die Schweiz wird grauenhaft klischiert dargestellt. Zudem wirkt der Schweizer Polizist tölpelhaft. Bedenklich ist, dass das Schweizer Fernsehen SRF als Co-Produzent dazu noch Hand bietet, die Schweiz in einem schlechten Licht darzustellen.»

«Der ‹Tatort› entwirft ein falsches Bild des Schweizer Nachrichtendienstes (NDB)», sagte Felix Endrich, Kommunikationschef des NDB in der «Schweiz am Sonntag» und bedauert, dass die «Tatort»-Crew den Kontakt zu seiner Behörde nicht gesucht habe.

«Platte Klischees»

Empört ist auch SVP-Nationalrat Maximilian Reimann: «Da hat die SRG wieder ihren konzessionsrechtlichen Auftrag verletzt. Mit gebührenfinanzierten Mitteln weicht sie in diesem Tatort von der Realität ab. Kein wunder, wächst im Volk der Zorn über das Schweizer Fernsehen weiter an. Es ist überfällig, die SRG als ‹Staat im Staat› besser in den Griff zu bekommen. Parlamentarische Vorstösse wären fällig; aber leider schmetterte Medienministerin Doris Leuthard praktisch alles ab, denn SP und CVP haben bei der SRG das Sagen.»

Der Tatort hat in Deutschland mehr als 9 Millionen Zuschauer und mit 27,3 % eine gute Quote erreicht. Im deutschen Blätterwald wird er aber unterschiedlich beurteilt. Für die «Lübecker Nachrichten» hat diese Folge gehöriges Lob verdient: «Nach etlichen Pleiten und Verrissen gibt es doch einmal einen gelungenen ‹Tatort› aus der Schweiz – wenn auch nur zum Teil».

Bei den Schwächen trifft die Zeitung aber ins Schwarze: «Soll man wirklich glauben, dass der Chef des Schweizer Geheimdienstes von einem Pharma-Riesen bezahlt wird?» Auch bei der «WAZ» gibt es Punktabzüge, weil sich das Drehbuch «eine Reihe platter Klischees erlaubt». «Wenn der Pharmaboss sagt «Moral ist ein schlechter Ratgeber in unserem Geschäft», möchte man kurz mal den Ton abdrehen». Am härtesten ins Gericht mit dem Sonntagskrimi geht die «Süddeutsche Zeitung»: «Zum Glück geht der ‹Tatort› jetzt erstmals in die Sommerpause».