Stars und Sternchen

Wie schlimm steht es um Michael Douglas?

Über die Krankheit von Michael Douglas wird weltweit berichtet. Manche glauben zu wissen, dass er nur noch drei Monate zu leben hat.

Es sind die übergrossen, wie in Angst geweiteten Augen, die Krebskranke einander schrecklich ähnlich sehen lassen wie Totenköpfe. Mitleid muss jeden anfallen, der sie sieht. Und auch eine gewisse Scheu, solche Fotos zu veröffentlichen.

Michael Douglas (66), Anfang August mit Kehlkopfkrebs diagnostiziert, ist heute Mitglied dieser furchtbar tapferen Bruderschaft. Paparazzi haben die Fotos des Filmstars in New York besorgt. Ausgezehrt von den Leiden der Strahlen- und Chemotherapie, die Ende Oktober endeten, abgemagert um 15 Kilo, das Lächeln zähnebleckend gefroren, mit seinem Töchterchen Carys Zeta auf dem Schulweg. «Ich stöhne auf, wenn ich daran denke, dass ich fast 75 Jahre alt sein werde, wenn sie 16 ist», hat Michael Douglas im Frühjahr in einem Interview gestanden. «Die Zeit verrinnt so schnell, ich versuche, sie zu verlangsamen.» Er konnte nicht ahnen, wie Recht er hatte. Die schlimmsten Gerüchte geben ihm drei Monate zu leben. Angeblich soll er sein Testament auch shcon gemacht haben. Er befindet sich in Stadium IV - ein recht fortgeschrittenes Stadium, das aber noch keine Metastasen gebildet hat. Acht Wochen Chemo- und Strahlentherapie hat der Schauspieler hinter sich. Abgemagert und sichtlich gezeichnet von den Strapazen sieht man den Schauspieler auf den Strassen von New York, wie er versucht, den Alltag des Lebens zu bewältigen.

«Ich will der Vater Deiner Kinder sein»

MIchael Douglas ist ein bewunderter, beneideter Mann. Drei Dutzend Filme als Darsteller, etliche, einträgliche als Produzent, zwei Oscars für die Ehre, ein Vermögen von geschätzten 200 Millionen Dollar fürs angenehme Leben, die Fortführung seiner Paraderolle in «Wall Street 2 - Geld schläft niemals» abgedreht für die Eitelkeit, die hinreissende, smarte Catherine Zeta-Jones, 25 Jahre jünger als er, für Liebe und den Traum von Unsterblichkeit. Douglas hatte die schöne Waliserin 1998 in dem Mantel-und-Degen-Film «Die Maske des Zorro» gesehen und sich auf der Stelle verliebt. Bei ihrem ersten Treffen bot er ihr umstandslos an: «Ich möchte der Vater deiner Kinder sein.» Zenta-Jones lehnte ab. Für eine Weile. Im November 2000 heirateten sie.

Michael Douglas scherzt darüber, dass seine neuen Schwiegereltern beide drei Jahre jünger seien als er. «Catherine ist eine alte Seele», erklärte er im Frühjahr einem Magazin (dasselbe sagte auch Demi Moore über ihren jungen Mann Asthon Kutcher), «Gott segne sie, dass sie ältere Typen mag. Außerdem haben sie in den letzten Jahren wundervolle Hilfen entwickelt - Viagra, Cialis -, die uns jünger halten.» Er sagte es wohl mit dem Gordon-Gekko-Grinsen, das sein Regisseur Oliver Stone reptilienhaft nennt. Man kann es sich nur an einem gesunden Mann vorstellen.

Der Krebs hat bereits Stadium IV erreicht

Das waren die guten Zeiten. Und es kann niemanden geben, der ihm nicht wünschte, dass sie nach der brutalen Krankheit zurückkehren. Über Monate war Douglas von einer seltsamen Heiserkeit heimgesucht worden, deren Ursache Ärzten entging. Catherine Zeta-Jones soll ausser sich vor Zorn gewesen sein, als die Krankheit durch eine Biopsie endlich nachgewiesen war. Dieser Krebs bestrafe Menschen wie ihn, die über Jahrzehnte geraucht und getrunken hätten, teilte Douglas fast kalt bei seinem letzten TV-Auftritt in David Lettermans Show am 31. August mit.

Der Star, im weißen Anzug mit rosafarbenem Hemd, sah trotz begonnener Therapien fabelhaft aus und sprach über die Krankheit wie über einen Sonnenbrand. Noch im Sommer sei er glücklich und ahnungslos mit seiner Familie durch Russland gereist. Die Ärzte gäben im 80 Prozent Chance für die Heilung: «Du siehst grossartig aus und klingst nicht wie jemand, der Krebs im Hals hat. Wie kann das sein?», beschwor ihn der ungewohnt hilflose Letterman unter dem Jubel des Publikums. «Weil ich auf der Bühne bin», entgegnete Douglas grinsend. «Kann ich etwas für dich tun?», fragte der Gastgeber. «Ach», sagte Douglas, «umarme mich einfach.» Es war eine lange, anrührende Männerumarmung.

Das «Coming out» bei Letterman

Krankheiten von Prominenten werden vom Publikum mit einer Mischung aus voyeuristischem Mitgefühl und der Genugtuung verfolgt, dass alle Privilegien von Götterlieblingen im Angesicht des Todes enden. Michael Douglas ist keine Ausnahme. Seit seinem Coming out bei Letterman hat er Fernsehstudios gemieden. Es ist eine Sache, den Verbrennungsschmerz der Strahlenbehandlung im Rachen zu beschreiben, die das Schlucken zur Tortur machen und bald die Aufnahme fester Nahrung nicht mehr zulassen. Es ist eine andere, diese Qual im Gesicht zu tragen.

Michael Douglas lässt seinen Agenten Allen Burry Optimismus verbreiten. Und Unmut über Gerüchte der Klatschpresse, die ihn zu Tode schreibt. Er habe sein Testament geändert hiess es da, und sein Vater Kirk (93) sei von Los Angeles nach New York gekommen, um dem Sohn in seinem letzten Kampf beizustehen. Kirk Douglas, der Hollywood-Actionstar versunkener Zeiten, hat nach einem Schlaganfall 1996 den Glauben und seine Gesundheit wiedergefunden. Nach Entfremdung sind Vater und Sohn einander nahegekommen. Michael sei ein besserer Vater als je zuvor, sagt der alte Herr, der laut Michaels Kindheitserinnerung ein lausiger Vater gewesen ist. Und nun eilt er zum Sterbelager des Sohns?

Alles barer Unsinn, lässt die Familie verlauten: «Er hält sich sehr, sehr gut», behauptete Cathrine Zeta-Jones früh in der Behandlung, «wir könnten nicht glücklicher sein über die Behandlungsfortschritte.» Seither schwieg sie. Ob es (noch) der Wahrheit entspricht, ist bedeutungslos.

Der Wolf und seine Familie

Die Fortsetzung von «Wall Street» war mit einem Einspielergebnis von rund 55 Millionen Dollar in Amerika nur ein mässiger Erfolg für den Produzenten Michael Douglas. Man bewunderte den Mut des Stars, sich 22 Jahre nach seinem grandiosen Porträt eines Börsenhais ergraut und geläutert dem Publikum zu stellen. Einen weiteren Oscar schreibt niemand herbei. Douglas' junger Filmpartner Shia Labeouf spricht mit der gebotenen Ehrerbietung über ihn und seine Krankheit: «Er ist ein Wolf; er hat eine fabelhafte Familie und gute Freunde, die ihm beistehen - der Krebs hat den Falschen ausgesucht.»

Es war recht still geworden nach der Jahrhundertwende um Michael Douglas. Und er hatte es so gewollt. Die Familie lebte auf den Bermudas, wo Michaels Mutter Diana Dill Douglas (87) seit drei Generationen verwurzelt ist. Es schien, Douglas, der über Jahre mit Alkoholsucht kämpfte und nach 23 Jahren Ehe eine teure, gehässige Scheidung von Diandra Luker hinter sich hatte, wollte mit Zeta-Jones und den beiden Kindern im klassischen Sinn ein neues Leben beginnen. Und endlich gutmachen, was ihm misslungen war.

Der drogenabhängige Sohn Cameron

Sein bitterster Fehler war nach eigenem Eingeständnis die Vernachlässigung seines labilen Sohns Cameron (31). Schon als Teenager geriet Cameron Douglas in Schwierigkeiten. Er nahm Drogen und handelte mit ihnen. Alle Bemühungen, ihn aus dem Sumpf zu ziehen, scheiterten. Im Frühjahr wurde Cameron wegen Besitzes von Heroin und dem Versuch, mit Crystal Meth zu dealen, zu vier Jahren Haft verurteilt. Michael Douglas nimmt die Schuld für Camerons Absturz auf sich. Er besuchte ihn in der Untersuchungshaft in New York und seit April regelmässig im Bundesgefängnis von Lewisburg.

Und jetzt soll er dem Tode nah sein? Niemand will den das Böse, Manipulative und Rosenkriegerische so genial verkörpernden Star sterben sehen (angeblich sollen haufenweise Ehemänner aus Angst vor den Folgen eines belanglosen Seitensprunges für eine Weile treu geworden sien, nachdem sie Douglas in «Fatal attraction» gesehen hatten. (cls)

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