Eigentlich sollte man Britney Spears nicht dafür verspotten, dass sie an ihrem Erfolg zerbrochen ist, sondern bewundern, dass ihr Erfolg so lange angedauert hat. Der ehemalige Kinderstar war der grösste Star der Nullerjahre. Es gibt kaum einen Schritt dieser Zeit, den die Paparazzi nicht festgehalten haben.

Ihr Wandel vom Unschuldslamm zur wahnsinnigen Furie, die sich eigenhändig eine Glatze rasiert, konnte jedermann praktisch live mitverfolgen. Wie Big Brother. Einfach ohne die Möglichkeit, den Container zu verlassen.

Vielleicht war der Misserfolg die einzige Chance, sich diesem Wahnsinn zu entziehen. Weniger Erfolg bedeutet weniger Interesse, weniger Fotos, weniger Paparazzi und weniger intime Storys. Sollte das ihre Intention gewesen sein, so ist ihr das gelungen. Ihr letztes Album «Femme Fatale» verkaufte sich zwar immer noch zwei Millionen Mal – gemessen an den 28 Millionen ihrer ersten Platte ist das aber ein Klacks.

«Persönlichstes Album»

Ganz bereit, sich dem Spiel zu entziehen, scheint Spears aber noch nicht: Soeben erschien «Britney Jean», ihr «persönlichstes Album», wie sie dutzendfach versicherte.

Komischerweise holt sie sich für diese persönliche Platte eine ganze Band von Starproduzenten, die ihr bei der Öffnung nach aussen helfen sollen. David Guetta ist dabei, Will.i.am natürlich auch, Diplo ebenso.

Vielleicht weiss Britney Spears nach all den Rollenwechseln mittlerweile ganz einfach selber nicht mehr, welche Persönlichkeit überhaupt in ihr steckt – oder zumindest welche es wert ist, der Welt präsentiert zu werden.

So ist dieses Album denn auch etwa so «persönlich», wie eine Platte eben sein kann, wenn man schon alles über den Verfasser weiss. Es geht um Einsamkeit («Alien»), es geht um Trennung («Perfume») und ganz oft um «es-ist-doch-alles-ganz-toll». Naja. Das alles singt Spears mal mit, mal ohne Auto-Tuning, mal keusch, mal frivol. Also: ein guter Querschnitt durch ihr Leben.

Die Produzenten schustern ihr dazu die bekannten Euro-Dance-Nummern auf den Leib, die man dutzendfach in den Charts wiederfindet. Kein Wunder: Die immer gleichen Produzenten sind für zahlreiche Popsternchen tätig.

Feiern oder verdammen?

Was nicht heissen soll, dass das alles schlecht ist. «Work Bitch» etwa hat eine wirklich gelungene, hart stampfende Bassline, die sich tief ins Gehirn fräst. Spears singt dazu: «You want a hot body? You want a Bugatti? You want a Maserati? You better work, bitch.». Das ist so etwas wie die moderne Version von «Schaffe, Schaffe, Häusle baue».

Trotzdem ist man nicht ganz sicher, ob Spears die Oberflächlichkeit verdammt, oder ob sie zu der zuckenden Melodie feiert. Ist ja letztlich wohl auch gar nicht so wichtig. Hauptsache, es funktioniert auf der Tanzfläche – dort, wo Papas Söhne mit dem Schlüssel für den geleasten Audi wedeln.

Zusätzlich findet man natürlich diverse «Britney Spears featuring ...». Unter anderem: ... ihre Schwester Jamie Lynn. Wie auch die anderen Mid- und Down-Tempo-Nummern auf der Platte sicherlich kein Höhepunkt.

Das Highlight als Extra

So absurd das auch ist: Der eigentliche Höhepunkt hat es gar nicht aufs Album geschafft – zumindest nicht aufs reguläre. Auf der «Deluxe Edition» findet man noch drei Tracks mehr. Darunter «Now That I Found You». Das Stück beginnt als Ballade mit Gitarre und wächst sich aus zu einem Techno-Ententanz.

Dazu viel Auto-Tuning (aber richtig gut eingesetzt). Klingt ein bisschen wie die Schlümpfe auf Drogen. Irgendwie wahnsinnig, irgendwie lustig, irgendwie unheimlich tanzbar. Vielleicht verrät ausgerechnet dieser Track, wie es in Britney Spears aussieht. Es wäre ihr zu wünschen.

Britney Spears Britney Jean. Sony.

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