Prozess
Weshalb Kachelmann seine Anwälte tauschte

Eine E-Mail eines norddeutschen Karosseriebauers und ein anschliessendes zehnminütiges Telefongespräch sollen Wetterfrosch Jörg Kachelmann davon überzeugt haben, eine neue Verteidigung zu organisieren.

Merken
Drucken
Teilen
Kachelmanns und sein neuer Anwalt Johann Schwenn.

Kachelmanns und sein neuer Anwalt Johann Schwenn.

Keystone

Wettermoderator Jörg Kachelmann weilte der Prozesspause Ende November in Kanada. Dort erreichte ihn am 24. November eine E-Mail von eines deutschen Karrosseriebauers. So beschreibt die «Zeit» in ihrer heutigen Ausgabe den Vorgang. «Ich bin vor kurzem vom Landgericht Lüneburg von dem Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden, dank meines Verteidigers Johann Schwenn aus Hamburg», habe der unbekannte Mann Kachelmann geschrieben.

«Ich verfolge Ihren Fall mit grossem Interesse und ich glaube, Sie sind nicht in besten Händen mit Ihrem Anwalt», soll der Norddeutsche laut «Zeit» weiter geschrieben haben.

Schwenn wurde bereits früher empfohlen

Wenig später soll Kachelmann den Karrosseriebauer angerufen haben. Dieser war von Staranwalt Schwenn in einem aufwändigen Revisionsverfahren nach fünfeinhalb Jahren aus dem Gefängnis geholt worden. Die beiden Männer haben rund 10 Minuten telefoniert. Bei Kachelmann hat das offenbar zu einem Meinungswechsel in Sachen Verteidigung geführt. Kachelmann kontaktierte Schwenn und vier Tage später entliess er seine bisherigen Verteidiger Reinhard Birkenstock und Klaus Schroth.

Interessant ist auch die Rolle der Autorin des «Zeit»-Artikels, Sabine Rückert. Laut «Tages-Anzeiger» soll sie Kachelmanns Ex-Verteidiger bereits im Mai empfohlen haben, den Experten Schwenn in sein Team einzubinden - was dieser damals aber ablehnte. Hat sie Schwenn Kachelmann nun über Umwege direkt empfohlen? Rückert verneint. Sie will von der Rochade von Ende November nichts gewusst haben. (rsn)