linda fäh
Warum Linda Fäh noch keinen Heiratsantrag bekommen hat

Miss Schweiz Linda Fäh (22) über die Bundesratswahl, Umarmungen von Wildfremden und das Fehlen von unmoralischen Angeboten.

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Was war die unpassendste Frage, die man Ihnen je gestellt hat?
Fäh: Eine Journalistin fragte mich am Tag nach der Wahl: Sie leben in einer fünfjährigen Beziehung. Hat man da noch Sex? Da war ich echt sprachlos.

Sammeln Sie die Berichte über sich?
Fäh: Nein, das mache ich nicht, mein Vater tut das. Drei Ordner hat er schon voll. Ich habe aber nicht mal alles gesehen.

Ist es wichtig für Sie, dass die Journalisten Sie gern haben?
Fäh: Ich habe mir das nie überlegt. Es kann gar nicht sein, dass einen alle mögen. Ich bin so, wie ich bin. Entweder man akzeptiert das - oder Pech gehabt.

Sie reisten durch die ganze Schweiz, haben Zigtausende Autokilometer zurückgelegt. Was für ein Bild von der Schweiz haben Sie nun?
Fäh: Ich realisierte, wie reich die Schweiz an schönen Orten ist. Alle gehen immer ins Ausland in die Ferien. Dabei hat es doch hier so extrem schöne, viele Flecken, die es sich zu entdecken lohnt.

Und die Menschen?
Fäh: Die Schweizer sind sehr offen. Ich war immer positiv überrascht, wie viel Freude die Leute an einer Miss Schweiz hatten.

Wo hat es Ihnen am besten gefallen?
Fäh: In Lausanne, Genf, Nyon, Lugano und Luzern.

Wie erklären Sie sich die Faszination für die Miss Schweiz?
Fäh: Als Kind war auch ich Fan der Miss Schweiz und ging jedes Jahr an eine Autogrammstunde. Ich war überwältigt. Eine Miss Schweiz ersetzt die Prinzessin oder Königin, die die Schweiz nicht hat.

Haben Sie eine Art Vorbildfunktion, auch für die Kinder?
Fäh: Bestimmt. Kinder schreiben mir oft, sie wollen so sein wie ich, wenn sie gross sind.

Ist das, weil Sie eine Krone und ein schönes Kleid tragen oder weil Sie so nett sind?
Fäh: Beides. Gerade letzte Woche umarmte mich ein Kind, als es ein Autogramm bekam.

Miss zu sein, ist ein einsamer Job. Man verbringt Stunden im Auto, lebt von Sandwiches und das Privatleben findet am Telefon statt.
Fäh: Ein Teil davon ist sicher einsamer. Ich war aber immer froh um diese einsamen Stunden. Denn bei einem Job ist man ja umringt von Hunderten von Leuten.

Sie sind eine Frohnatur.
Fäh: Viele Leute sagen mir, bei einer Autogrammstunde drei Stunden lächeln, das ist doch aufgesetzt? Aber ich bin so. Ich bin ein fröhlicher Mensch und freue mich, wenn die Leute meinetwegen kommen.

Haben Sie nie schlechte Laune?
Fäh: (überlegt lange) Klar, habe ich das. Aber in diesem Jahr gab es selten Grund für schlechte Laune.

Was ist der Preis, den man für den Titel und das Krönchen zahlt?
Fäh: Die Energie, die man aufwendet. Die Zeit, die man unterwegs ist. Die Wochenenden, an denen man arbeitet, statt ausgeht.

Auch das Privatleben wird öffentlich. Wie lustig ist das denn?
Fäh: Ich lachte sicher nicht, als ich von meiner Trennung in der Zeitung las.

Nicht wenige Missen trennen sich im Amtsjahr. Ist eine Miss Schweiz zu stark für einen Mann?
Fäh: Das ist individuell. Mein Ex-Freund hat mich immer unterstützt. Ich kann mir aber vorstellen, dass es schwierig ist.

Wie leicht ist es, als Miss Schweiz einen Mann kennen zu lernen?
Fäh: Ich habe da derzeit keinen Bedarf (lacht). Ich geniesse es, Single zu sein. Aber ich werde nicht überhäuft mit Anfragen.

Wie meinen Sie das?
Fäh: Nun ja, Liebesbriefe oder SMS oder Mails oder haufenweise Männer, die mich ansprechen, gibt es nicht.

Keinen Heiratsantrag gekriegt?
Fäh: Nein. Unglaublich, oder?

Wie sieht Ihr Leben nach dem 25. September aus?
Fäh: Ich habe einen Plattenvertrag und werde mein Album produzieren. Und weiterhin als Ex-Miss-Schweiz arbeiten.

Eine Miss Schweiz ist reich. Sie haben 480 0000 Franken verdient.
Fäh: Brutto!

Kennen Sie Ihren Kontostand?
Fäh: Ich erledige einmal im Monat meine Zahlungen, dann sehe ich das, sonst nicht.

Wie legen Sie Ihr Geld an?
Fäh: Ich bin nicht der Spekulanten-Typ. Das Geld liegt auf dem Konto der St. Galler Kantonalbank.

Die Bundesratswahlen stehen an. Für wen sind Sie?
Fäh: Ich war einen Monat in den USA und habe mich damit nicht auseinandergesetzt.

Hat die SVP Anrecht auf einen zweiten Sitz?
Fäh: Das kann ich nicht sagen.

Aber Sie haben eine politische Meinung?
Fäh: Ja klar, ich bin liberal eingestellt.

Welcher Bundesrat ist oder war Ihnen am sympathischsten?
Fäh: Bundesrat Merz. Ich lernte ihn am CSI in St. Gallen kennen.

Würde es Sie stören, wenn fünf Frauen im Bundesrat sässen?
Fäh: Nein, warum denn? Ich glaube nicht, dass Frauen zickiger sind, schon gar nicht auf diesem Niveau.

Ihr Jahr geht zu Ende. Welches Laster nehmen Sie als Erstes in Angriff?
Fäh: Reisen, shoppen, mit Freundinnen Party machen, feiern.

Auch in der Wahlnacht am 25.9.?
Fäh: Ja, ich werde sicher eine der Letzten sein, die ins Bett gehen.

(Interview: Claudia Landolt