Herzversagen
Udo Jürgens ist tot – er brach auf einem Spaziergang zusammen

Der österreichisch-schweizerische Entertainer Udo Jürgens verstarb am Sonntag 80-jährig überraschend an Herzversagen. Dies teilte sein Schweizer Management am Sonntagabend mit. Jürgens' Bruder, Weggefährten und Fans reagierten geschockt.

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Udo Jürgens bei seinem Auftritt im Hallenstadion am 7. Dezember 2014.
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Der Durchbruch für Udo Jürgens Am 5. März 1966 gewinnt er in Luxemburg für Österreich mit dem Lied "Mercie, Cherie" am Grand Prix Eurovision de la Chanson.
Udo Jürgens 1968
Udo Jürgens 1969
Udo Jürgens 1976
Udo Jürgens 1983 auf dem Jungfraujoch.
Udo Jürgens 1987, Hallenstadion Zürich.
Udo Jürgens tritt am 12. April 1987 im Hallenstadion in Zürich.
Am 30. Juni 1992 trat Udo Jürgens im Bademantel vor das Publikum im Amphitheater in Windisch - und erklärt, das Konzert werde etwas später beginnen.
Udo Jürgens 1992
Udo Jürgens im August 1994 auf seinem Boot auf der Limmat in Zürich.
Udo Jürgens 2004 bei «Wetten dass..» mit Sophia Loren.
9. Oktober 2004: Udo Jürgens im Coloneum Filmstudio in Köln, wo er für sein Lebenswerk mit dem Ehrenpreis der Stifter des Deutschen Fernsehpreises geehrt wird.
2007 wurde Udo Jürgens in Zumikon eingebürgert.
Udo Jürgens bei seinem Konzert vom 27. Februar 2009 im Hallenstadion Zürich.
23. Januar 2009: Udo Jürgens mit Bademantel am Ende seines Konzerts in Berlin.
Udo Jürgens hier bei seiner Show «Ich war noch niemals in New York». Zu jeder Tournee gab es eine Uhr.
Udo Jürgens posiert am 14. September 2011 in Berlin bei der Premiere des Films "Der Mann mit dem Fagott" auf dem roten Teppich. Der Film nach dem autobiografischen Roman von Udo Jürgens wurde in der ARD gezeigt.
März 2012 im Hallenstadion Zürich: Udo Jürgens nimmt eine rote Rose eines Fans entgegen.
14. November 2013: Udo Jürgens erhält den Bambi für sein Lebenswerk in Berlin.
Corine Mauch, Stadtpräsidentin der Stadt Zürich, übergibt Udo Jürgens Anfang September 2014 die Ehrenmedaille die Ehrenmedaille «Stadttaler der Stadt Zürich».
25. Oktober 2014: Udo Jürgens tritt in der Rheingoldhalle in Mainz auf.
Während sein Haus am Zürichsee renoviert wird, wohnte Udo Jürgens in Gottlieben TG.
26. Juli 2014: Udo Jürgens am Rhein in Gottlieben TG.
Udo Jürgens - sein Leben in Bildern
Udo Jürgens am 7. Dezember im Zürcher Hallenstadion
Udo Jürgens und sein Markenzeichen, den Bademantel. Er trug ihn immer bei seiner letzten Zugabe.
Udo Jürgens bei seinem Konzert Anfang Dezember 2014 im Zürcher Hallenstadion.
Udo Jürgens mit Pepe Lienhard beim Konzert Anfang Dezember im Zürcher Hallenstadion.

Udo Jürgens bei seinem Auftritt im Hallenstadion am 7. Dezember 2014.

Keystone

Jürgens sei bei einem Spaziergang in Gottlieben TG bewusstlos zusammengebrochen. Udo Jürgens sei trotz sofortigen Wiederbelebungsmassnahmen nach der Überführung im Kantonsspital Münsterlingen TG am Sonntagnachmittag um 16.25 Uhr an akutem Herzversagen verstorben.

Jürgens weilte oft in Gottlieben, er hatte Freunde da, tauchte auch mal überraschend an einem Neujahrsapero der Gemeinde auf und wohnte während des Umbaus seines Hauses am Zürichsee auch am Bodensee. «Ich liebe Orte am Wasser, wo fern von grossstädtischer Oberflächlichkeit eine kreative Atmosphäre herrscht. Mein erfolgreiches neues Album ‹Mitten im Leben› ist denn auch hier entstanden», sagte er unlängst der «Coop-Zeitung».

Udo Jürgens befand sich derzeit zusammen mit Pepe Lienhard und dessen Orchester auf Tournee. Anfang Dezember war der Sänger und Komponist vor 10'000 Begeisterten das letzte Mal im ausverkauften Zürcher Hallenstadion aufgetreten - nicht weit von seinem Wohnort Meilen an der Zürcher Goldküste. Die Tournee wollte er im Februar fortsetzen.

Schock für die Familie

Seine Familie wurde vom Tod des Künstlers überrascht. Die Nachricht sei "ein grosser Schock für die Familie", sagte der Bruder, der Maler Manfred Bockelmann, am Sonntagabend der österreichischen Nachrichtenagentur APA am Telefon. Jürgens hatte Bockelmann mit seinem Lied "Mein Bruder ist ein Maler" 1977 ein musikalisches Denkmal gesetzt.

Tochter Jenny Jürgens traf die Nachricht vom Tod ihres Vaters ebenfalls völlig unvorbereitet, wie ihr Düsseldorfer Management auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte. "Der Schmerz und die Traurigkeit sind gross", hiess es.

Jürgens selbst war sich seines Alters durchaus bewusst gewesen. Doch er hatte noch viele Pläne: "Ich reisse sicher keine Bäume mehr aus, doch ich will und werde noch welche pflanzen", sang er in einem seiner letzten Lieder, "Mein Ziel".

«Erschüttert und fassunglos»

Manager Freddy Burger, Pepe Lienhard und das ganze Management- und Tourneeteam seien geschockt und in grosser Trauer, hiess es in der Mitteilung: "Nach den gemeinsamen triumphalen Konzerterfolgen der aktuellen Tournee sind alle erschüttert und fassungslos über den unerwarteten und plötzlichen Tod ihres Freundes und grossartigen Künstlers."

Jürgens, der in seinen Liedern immer wieder die Sorgen der kleinen Leute, besungen hatte, lebte erst die letzten Monate seines Lebens in Meilen. "Udo Jürgens war überhaupt nicht abgehoben", sagte der Meilemer Gemeindepräsident Christoph Hiller der Nachrichtenagentur sda. "Wenn er hier war, hat man ihn durchaus auch in einem Quartierladen oder in einer Dorfbeiz angetroffen."

Er selbst habe Jürgens zwar nie persönlich kennengelernt, sagte der Politiker weiter. Als Behördenvertreter habe er aber immer wieder schriftlich mit ihm zu tun gehabt. So habe er ihm erst im September im Namen des Gemeinderates zum 80. Geburtstag gratuliert.

Fans bestürzt

Die Fans reagierten bestürzt. Im Internet und auf Twitter brachten Tausende ihre Trauer zum Ausdruck. "Einer der besten ist nicht mehr", schrieben sie, oder: "Merci, Udo!". Seine Musik werde ewig weiterleben.

Auch der deutsche Rocksänger Udo Lindenberg zeigte sich betroffen über den Tod von Udo Jürgens. "Bin tief geschockt. Ein schmerzlicher Verlust", teilte der in Hamburg lebende Rocksänger am Sonntag per SMS der Deutschen Presse-Agentur mit. "Es ist, als wäre ein Familienmitglied von uns gegangen", fügte Lindenberg hinzu.

Viele deutschsprachige Fernsehsender stellten nach Bekanntwerden der Todesnachricht ihr Programm um. So schob das Schweizer Fernsehen SRF1 am Abend den Dokumentarfilm "Der Mann, der Udo Jürgens ist" ins Programm.

Der Durchbruch gelang ihm 1966

Udo Jürgens hatte wie kaum ein anderer 50 Jahre lang die deutsche Unterhaltungsmusik geprägt. Seine klugen und oft ironischen Texte kleidete er dabei in gefällige Melodien.

Seine Karriere begann bereits in den 1950er Jahren - sein Durchbruch aber gelang ihm erst mit dem Lied "Mercie Chérie", mit dem er 1966 beim Concours Eurovision de la Chanson (heute: European Eurovision Song Contest) gewann.

Er komponierte über 1000 Lieder, eine Symphonische Dichtung und gab mehr als 50 Alben heraus. Insgesamt verkaufte Jürgens gut hundert Millionen Tonträger. Aus seiner Feder stammten Hits wie "Aber bitte mit Sahne", "Ich war noch niemals in New York", "Griechischer Wein" oder "Mit 66 Jahren". Er komponierte auch für internationale Stars wie Shirley Bassey oder Frank Sinatra.

Als Udo Jürgen Bockelmann wurde er am 30. September 1934 im österreichischen Klagenfurt geboren. Seine Mutter stammte aus Prasdorf (Schleswig-Holstein, Deutschland), sein Vater war als Sohn eines deutschen Bankers in Moskau geboren worden. Er wuchs als Sohn einer wohlhabenden Familie auf einem grossen Landgut auf. Schon als Kind brachte er sich selbst das Klavierspiel bei.

Über 1600 Bademäntel ins Publikum geworfen

Als Bub musste er in der Hitlerjugend mitmachen. Dort erhielt er eine Ohrfeige, die sein Gehör auf einem Ohr für immer beeinträchtigte.

Dennoch erfüllte sich sein Traum von der Musikerlaufbahn. Neben den musikalischen feierte Udo Jürgens auch Erfolge bei den Frauen. Er war zwei Mal verheiratet und hinterlässt vier Kinder.

Seit 1977 hatte er in der Schweiz gelebt, zuerst in Zürich, dann in Zumikon und zuletzt in Meilen. 2007 erlangte er die Schweizer Staatsbürgerschaft, blieb aber gleichzeitig auch Österreicher.

Udo Jürgens studierte Klavier, Harmonielehre, Komposition und Gesang am Konservatorium Klagenfurt. Seine erste Gage betrug 5 Schilling die Stunde für einen Auftritt im Gasthof Valzachi in Klagenfurt. Sein letztes Konzert gab er am 7. Dezember 2014 im Hallenstadion Zürich. Sein Markenzeichen war die Zugabe im Bademantel. Mehr als 1600 Bademäntel hat er ins Publikum geworfen.

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