Rund 30 Autominuten nordöstlich der Hafenstadt Hamburg liegt der Hauptsitz von DS Produkte. Das Unternehmen beliefert unter anderem Versand-, Lebensmittel-, Einzelhändler sowie Discounter in Deutschland und Europa mit Aktionsware und macht damit im Jahr umgerechnet rund 260 Millionen Franken Umsatz. Seit Januar 2016 kennt ganz Deutschland die Innenräume der Firma – und vor allem ihren charismatischen Geschäftsführer Ralf Dümmel (50): «Mittlerweile passiert es häufig, dass ich auf der Strasse oder in einem Restaurant angesprochen werde, jemand ein Selfie mit mir machen will und ich Autogramme geben soll», sagt Dümmel, der am riesigen ovalen Sitzungstisch seines Büros genüsslich an einer Cola Zero nippt und im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende» verrät, dass er viel Fanpost erhalte – auch aus der Schweiz. «Die Menschen sind vorwiegend höflich und respektvoll, daher habe ich mit dem Rummel absolut keine Probleme.»

Laut dem Tenor in den sozialen Medien und gemäss Online-Umfragen gehört der dreifache Familienvater («Ich kann nur Jungs») derzeit zu den beliebtesten TV-Stars Deutschlands. Und auch in der Schweiz ist der modebewusste Frauenschwarm der Traum vieler Schwiegermütter. Quasi über Nacht wurde Dümmel durch das «Vox»-Format «Die Höhle der Löwen» bekannt – mit über 3,5 Millionen TV-Zuschauern in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Dienstagabendsendung ein Quotenknüller. In der Gründer-Show bekommen Menschen mit Erfindungen oder Geschäftsideen die Chance ihres Lebens: Sie präsentieren ihre Idee live fünf erfolgreichen Unternehmern, den sogenannten «Löwen» und hoffen auf ein Investment. Mit 23 Deals in der letzten Staffel ist Ralf Dümmel mit Abstand der hungrigste Löwe: «Rund 3,1 Millionen Euro habe ich investiert, und ich bereue noch heute kein einziges Engagement.» Wenn er einem Gründer nicht zu Erfolg verhelfen könne, tue ihm das menschlich schon weh, doch «willkommen in der Realität», sagt Dümmel. «Denn am Ende entscheidet nicht der Gründer oder ich, ob ein Produkt gut und erfolgreich ist, sondern viele Millionen Europäer!» Zwar trage er die Produkte in die Läden, doch aus den Läden raustragen müssten sie die Kunden.

Kraft aus Glauben und Familie

Selfmademan Ralf Dümmel hat selber ganz unten angefangen und sich 1988 als Verkaufsassistent innerhalb gut zehn Jahren zum Gesellschafter des Unternehmens hochgearbeitet. «Seit 29 Jahren fahre ich fast täglich von Hamburg hier raus in mein Büro, und ich liebe meinen Job noch immer über alles. Mir macht Arbeit mit meinem tollen Team so viel Spass», sagt der Fussballfan und fügt hinzu, dass dafür Privates aber leider oft auf der Strecke bleibe. «Zum Leid meiner Familie gibt es mich auch im Urlaub nie ohne Telefon – ich bin immer erreichbar, es gibt keinen Feierabend.» Familie ist für den Christen, der aus Dankbarkeit für sein gutes Leben zur Kirche geht und eine Kerze anzündet, trotzdem das wichtigste im Leben. Sein Zentrum, aus dem er Kraft schöpft. «Ich genoss eine strenge Erziehung und wuchs in normalen Verhältnissen auf», sagt Dümmel. «Gleichzeitig hat es mir an nichts gefehlt, und ich war sehr glücklich. Meine grössten Vorbilder sind meine Eltern. Ihnen verdanke ich, dass ich heute so bin, wie ich bin.» Ralf Dümmel mag Fussball, trinkt keinen Alkohol und ist leicht abergläubisch: «Schon seit Jahren parkiere ich am Flughafen immer in der gleichen Reihe, und ich habe mir angewöhnt, vor dem Check-in noch bei der Ankunft durchzulaufen – ich fahre also mit der Rolltreppe runter, um dann gleich wieder hochzufahren.» Schon in wenigen Wochen (am 5. September um 20.15 Uhr bei Vox) ist Ralf Dümmel in der 4. Staffel als Investor-Löwe im Einsatz. «In der neuen Staffel wird man vermehrt den Kampf unter uns Löwen spüren», sagt er. Kritikern, die behaupten bei «Die Höhle der Löwen» sei alles nur Show, antwortet Dümmel: «Das ist die wohl authentischste Show überhaupt. Es ist absolut nichts geskriptet oder abgesprochen, und wir investieren alle unser eigenes Geld für die Deals.»