Tom Jones

Tom Jones: «Meine Stimme ist in Topform»

Tom Jones: So singt die Legende seinen Hit

Tom Jones: So singt die Legende seinen Hit

Mit «Praise & Blame» veröffentlicht Sir Tom Jones sein 39. Studioalbum. Im Gespräch erzählt der 70-Jährige, warum er nach all den Jahren immer noch Musik macht.

Sarah Elena Schwerzmann, London

Sir Tom Jones, Sie überraschen Ihre Fans auf «Praise & Blame» mit einer Sammlung von Spirituals. Wie wurde die Idee dazu geboren?
Tom Jones: Ich habe Spirituals schon immer geliebt. Aber Plattenfirmen mögen keine Konzeptalben. Die wollen Musik, die eingängig klingt und sich gut verkaufen lässt. Als mich Island Records dann aber gefragt hat, ob ich für sie ein Weihnachtsalbum machen würde, sah ich meine Chance. Ich hatte keine Lust eine «nette» Weihnachtsplatte mit traditionellen Weihnachtsliedern aufzunehmen.

Stattdessen haben Sie sich Songs von Bob Dylan, Billy Joe Shaver und Susan Werner angenommen. Wie haben Sie diese Auswahl getroffen?
Jones: Ich habe mir unzählige alte Gospel- und Rock-'n'-Roll-Alben angehört und dann jene ausgewählt, von denen ich das Gefühl hatte, dass ich ihnen meinen eigenen Stempel aufdrücken kann. Ich wollte die Künstler nicht kopieren, sondern meine eigene Version des Songs aufnehmen. Das hat natürlich nicht immer auf Anhieb geklappt. Manchmal mussten wir mit der Tonart und den Arrangements experimentieren, bis es sich richtig angefühlt hat.

Sie haben die Stücke live in einem kleinen Studio in England aufgenommen. Was für eine Erfahrung war das?
Jones: Als mir Produzent Ethan Johns den Vorschlag gemacht hat, auf «Praise & Blame» nur eine Rhythmusgruppe zu verwenden, war ich begeistert. Es hat sich angefühlt wie früher, als ich in Wales angefangen habe. Damals waren wir eine kleine Band, die in Vereinslokalen gespielt hat. Und das hört man auch auf dieser Platte, dieses Leise und Minimalistische unterstützt die starke Aussage der Spirituals.

Gerade deswegen wurde Ihre Platte im angelsächsischen Raum mit dem späten Werk Johnny Cashs verglichen. Stört Sie das?
Jones: Ich habe Ende der Sechziger mit Johnny Cash zusammengearbeitet und kannte ihn und seine Arbeit gut. Deshalb kann ich auch verstehen, warum man mein Album «Praise & Blame» jetzt mit seiner letzten Platte vergleicht. Von der Atmosphäre und der Art und Weise, wie die Instrumente nur minimal eingesetzt werden, sind sich die beiden Alben schon ähnlich. Da gibt es aber auch einen grossen Unterschied.

Und der wäre?
Jones: Als Johnny Cash seine Platte aufgenommen hat, war er am Ende seiner Karriere, und wie sich später herausgestellt hat, auch am Ende seines Lebens. Seine Stimme hat nicht mehr einwandfrei funktioniert, sie war brüchig. Meine Stimme aber ist immer noch in Topform. Und was die Interpretation der Songs angeht, hoffe ich, dass ich ein bisschen mehr Energie in die Musik gegeben habe. Weil ich nämlich nicht das Gefühl habe, dass ich bereits aus dem letzten Loch pfeife.

Woher nehmen Sie die Energie?
Jones: Ich liebe es zu singen, und wenn man etwas wirklich gerne tut, dann investiert man nicht nur viel Energie, sondern man bekommt auch viel zurück. Das Singen ist wie eine Art Drang für mich. Kürzlich habe ich meine Schwester in LA in ein Restaurant ausgeführt. Ich gehe immer sonntags mit ihr essen und normalerweise ist es dann eher ruhig, aber an diesem Tag war Vatertag und das Restaurant war voll. Eine Band hat gespielt und nach ein paar Liedern haben sie mich gefragt, ob ich mit ihnen singen will.

Und Sie haben Ja gesagt?
Jones: Klar, ich bin auf die Bühne gestiegen und habe mit ihnen gesungen. Aber irgendwie hat das jemand aufgenommen, heute kann das ja jeder auf seinem Telefon machen, und jetzt ist es im Internet. Das macht mir ein bisschen Sorgen. Ich hoffe, was ich da gesungen habe, hat nach all den Gläsern Wein noch Sinn ergeben. (lacht)

Sie stehen seit 50 Jahren auf der Bühne. Ende Monat erhalten Sie eine Auszeichnung für spezielle Verdienste in der Musikindustrie. Wie fühlt sich das an?
Jones: Ich bin stolz darauf, dass ich über die Jahre Platten gemacht habe, die auch heute noch gut und von Bedeutung sind. Aber eigentlich habe ich mich seit den Sechzigerjahren, als ich angefangen habe, nicht gross verändert. Ich mache einfach immer das, was mir Spass macht. Klar bewege ich mich heute auf der Bühne anders als damals. Obwohl ich mir manchmal den einen oder anderen Hüftschwung doch nicht verkneifen kann. Da muss ich lernen, mich zu bremsen. Aber es ist schwierig, mich nicht zur Musik zu bewegen.

Warum wollen Sie sich bremsen, wenn Sie doch Spass daran haben?
Jones: Ich will nicht, dass es lächerlich aussieht und sich junge Leute dann das Maul darüber zerreissen, was dieser alte Typ jetzt da macht. Trotzdem versuche ich aber nicht, 70 Jahre alt zu sein, weil ich mich von diesem Alter meilenweit entfernt fühle. Nur wenn ich in den Spiegel schaue, kommt es mir wieder in den Sinn. In erster Linie, weil ich aufgehört habe, mein Haar zu färben. (lacht)

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