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Tina, die Botschafterin der Liebe

Superstar Tina Turner ist am interreligiösen CD-Projekt «Beyond» beteiligt. Bei der Präsentation in Erlenbach vor einem kleinen Kreis stellte sie sich den Fragen.

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Tina Turner

Tina Turner

Keystone

Von Stefan Künzli

Seit gut neun Jahren wohnt Tina Turner in der Zürcher Gemeinde Küsnacht in einer Villa direkt am Zürichsee. Sie ist ein Superstar ohne Starallüren, legt Wert darauf, dass sie sich auf der Strasse frei bewegen kann, ohne Bodyguards. Trotzdem lebt sie mit ihrem Ehemann, dem ehemaligen EMI-Manager Erwin Bach, sehr zurückgezogen und zeigt sich nur selten in der Öffentlichkeit. Umso bemerkenswerter ist ihr Engagement beim interreligiösen Musik- und CD-Projekt «Beyond» (siehe Box).

Am Donnerstag wurde das Projekt einem kleinen, ausgewählten Medienkreis vorgestellt. Viele deutsche Medienvertreter haben sich zur Geburtsstunde von «Beyond» in Zürich, in der Seeschau von Initiantin Regula Curti, eingefunden. Lange blieb offen, ob der Superstar, der seit gut einer Woche zurück von der Welttour ist, an der offiziellen Präsentation teilnehmen würde. «Vielleicht steht sie ja in ihrem Garten am See und winkt der Gesellschaft zu», hoffte Regula Curti noch vor wenigen Tagen. Ihre Hoffnungen sind nun weit übertroffen worden. Um 14.58 Uhr war es so weit: Tina Turner schritt majestätisch die Treppen im Zentrum Seeschau hinunter, setzte sich und stellte sich den Fragen.

«Beyond» – Drei Frauen, drei Stimmen für den Frieden

«Beyond - Three Voices for Peace» ist ein interreligiöses CD-Projekt, das auf Initiative der beiden Sängerinnen Regula Curti (53) und Dechen Shak- Dagsay (50) zustande gekommen ist. Auf den CD-Aufnahmen vertonen sie buddhistische und christliche Gebete. «Beyond» kombiniert Musik mit einer religiös-spirituellen Botschaft, die Tina Turner verfasst hat und auf der CD spricht. «Beyond» wird dabei auch als Zustand beschrieben, der mittels des Singens erreicht werden kann. «‹Beyond› soll den Geist von negativen Emotionen reinigen, die unheilsamen Gefühle in positive umwandeln und das Herz freimachen für mehr Mitgefühl und Liebe», erklärt Curti und Shak-Dagsay ergänzt: «Liebe und Mitgefühl sind die einigenden Elemente eines jeden Glaubens, das ist unsere tiefste Überzeugung.» Das interreligiöse Projekt wird mit dem Segen von Seiner Heiligkeit dem Dalai-Lama, dem Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, sowie von Abt Martin Werlen, dem Vorsteher des Benediktinerklosters in Einsiedeln, unterstützt. Musikalisch betrachtet ist «Beyond» nicht esoterische Yoga-Musik, sondern eine Art Weltmusik, die das Choralhafte zum Ausdruck bringt. (SK) Beyond - Buddhist and Christian Prayers: Spiritual Message by Tina Turner, Vocals Dechen Shak-Dagsay and Regula Curti. Universal. Erscheint am 26. Juni in der Schweiz, Deutschland und Österreich.

«Auf diesen Moment habe ich so lange gewartet», sagte der Superstar, Lange habe sie nach einer solchen Botschaft jenseits der Rockmusik gesucht, denn der rockende Superstar hat eine starke spirituelle Seite. «Start every day singing like the birds - singing takes you beyond, beyond, beyond, beyond. Beyond fear takes you into the place, where love grows», spricht sie auf der CD mit eindrücklicher Stimme. Aber warum singt sie denn nicht selber? «Meine Stimme ist für diese Art Musik nicht wirklich schön», erklärt sie. Umso stärker hätten sie die Stimmen der beiden Initiantinnen und Sängerinnen Regula Curti und Dechen Shak-Dagsay berührt. «Hier musste ich einfach mitmachen», sagt sie.

Tina Turner ist als Baptistin geboren und fühlt sich stark vom Buddhismus angezogen. Doch jetzt sagt sie: «Ich habe überall etwas aufgeschnappt. Ich bin offen für alle spirituellen Energien.» Seit ihrer Kindheit habe sie «versucht, spirituell zu wachsen und den richtigen Weg zu finden». Entscheidend sei, dass man «den eigenen Weg finde». Ich glaube, dass dieser Weg, unabhängig von Religion und Glauben, in jedem von uns ist. «Man müsse zu sich selbst finden, um als Mensch im Leben das richtige Gleichgewicht zu finden.

Tina Turner weiss, wovon sie spricht: Das Rezitieren von buddhistischen Mantras hat ihr damals, in ihrer schwersten Zeit mit Ex-Mann Ike Turner, als sie stark suizidgefährdet war, geholfen und sie auf den richtigen Weg gebracht.

Mit der unerwarteten Teilnahme zeigt Tina Turner, wie wichtig ihr dieses Projekt ist. Sie musste dazu viele Hindernisse aus dem Weg räumen. Denn vertraglich war sie an den britischen Musikgiganten EMI gebunden. Die CD zu «Beyond» erscheint dagegen beim Konkurrenten Universal. Erwin Bach musste deshalb all seinen Einfluss geltend machen, um bei EMI eine Ausnahmebewilligung zu erwirken. Das war auch nur möglich, weil «Beyond» ein Benefizprojekt ist. «Wir erhalten nichts, alle Einnahmen fliessen in Stiftungen, die sich für Friedensprojekte für Kinder und Jugendliche engagieren», sagt Regula Curti.

Dazu hat Universal Tina Turner zu Promotionsarbeit für das Projekt verpflichten können. In der deutschen Talkshow «Beckmann» ist sie schon gebucht. Tina Turner ist der Superstar, der mit Ausstrahlung und Charisma die Botschaft von «Beyond» glaubwürdig in die Welt tragen kann.

«What love got to do with it» wurde Tina in Anspielung an ihren grossen Hit gefragt. «Liebe hat so viel mit Vertrauen zu tun und mit der Bereitschaft, Türen für die Menschen zu öffnen. Genau deshalb bin ich hier.»

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