Trudi Roth ist tot. In der Nacht auf Samstag verstarb die Schauspielerin und Kabarettistin in einem Zürcher Pflegeheim. Todesursache waren Altersschwäche und ihre Demenz.

Kurz vor dem Tod war es schwierig für den Bruder Alfred. In den letzten Jahren ihres Lebens erkannte sie ihn teils nicht mehr. Manchmal wusste sie nichts mehr von ihrem Erfolg. Alfred Roth erinnert sich an eine «fröhliche und nette Schwester». Sie standen sich sehr nahe, «so wie Zwillinge», sagt er. Sie seien zusammen immer durch dick und dünn gegangen.

Daher kann er sie gut beschreiben: «Sie hatte einen eigenen Humor, war nie neidisch, sprach direkt und lebte bescheiden.» Bei Partys war sie nie dabei. Materieller Luxus bedeutete ihr nichts. Neben dem Schauspiel strickte, nähte, zeichnete und las sie sehr gerne. Bis zum Schluss besuchte Alfred Roth seine Schwester regelmässig. Die Distanz zwischen Basel und Zürich bezeichnet er als einen «Katzensprung».

Frech auch hinter der Bühne

In ihrer beruflichen Laufbahn hat Trudi Roth mehrmals mit dem Drehbuchautor Charles Lewinsky zusammengearbeitet. Was ihm zu Trudi Roth zuerst einfällt: «Alle mochten sie.» Gerne denkt er an die mehrstündigen Telefonate zurück. Mit ihr bloss ein kurzes Gespräch zu führen, sei unmöglich gewesen.

Fascht e Familie: Knabberknack (1/2)

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Fascht e Familie: Ärger mit dem personal (1/2)

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Ihre sympathischste Eigenschaft sei für ihn ihr «böses Maul» gewesen. Damit meint Lewinsky ihre Art, auch noch im hohen Alter so frech wie ein Teenager geredet zu haben. Als er sie mit 80 Jahren noch für ein Theaterstück haben wollte, lehnte sie zuerst ab. «Ihr war das Auswendiglernen zu anstrengend», erinnert sich Lewinsky. Aber als er ihr mitteilte, dass sie eine pensionierte Stripperin mit frechem Mundwerk spielen sollte, sagte sie sofort zu.

Seit der Produktion von «Neugass 25», die 1975 startete, kennt er sie. Die TV-Serie «Fascht e Familie», die von 1994 bis 1999 im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde, war auch eine seiner Produktionen. «Durch die Serie wurde sie schlagartig zum Star, mit 64 Jahren», erzählt er. Das sei für Trudi Roth etwas überraschend gekommen und fast schon komisch gewesen. «Sie hat es aber genossen», sagt er. Nach der Zusammenarbeit blieben Lewinsky und Roth weiterhin in Kontakt.

Die Wurzeln sind in Basel

Angefangen hatte alles in Basel. Hier wurde sie 1930 geboren, hier absolvierte sie die Schauspielschule, und hier hatte sie ab 1947 im Cabaret Kikeriki die ersten Auftritte. Die Radiosendung «Spalebärg 77a» spielte ebenfalls in Basel. Trudi Roth hatte die Rolle der Tochter Margrit Ehrsam. Der damalige Radiosender Beromünster strahlte die Sendung von 1955 bis 1966 aus.

Trudi Roth blieb aber nicht ihr ganzes Leben in Basel: Von 1953 bis 1957 lebte sie in Düsseldorf und wirkte für das Ensemble Kom(m)ödchen. Ein «sehr wichtiges Nachkriegskabarett», wie es Alfred Roth formuliert. Danach kehrte sie zurück nach Basel, spielte zahlreiche Dialektkomödien und nahm etliche Hörspiele auf. Dann widmete sie sich wieder dem Kabarett.

Zusammen mit ihrem Partner Hans Moeckel, Dirigent des eidgenössichen Unterhaltungsorchesters, zog sie in den 70er-Jahren nach Zürich und lebte bis zum Schluss dort. Zeitlebens blieb sie ledig und kinderlos. Lewinsky erinnert sich gerne an die Zeit in Zürich: «Jeden Sommer hat sie den Chäsperli gespielt.» Es folgten einige Auftritte in Filmen, TV-Serien und Auftritte im Zürcher Bernhard-Theater. Im Alter von 80 Jahren spielte sie noch eine Rolle im Stück «Huusfründe», geschrieben von Lewinsky. Die Figur Tante Martha in «Fascht e Familie» blieb der Höhepunkt ihrer Karriere.