Strafrechtler kritisiert Justiz im Fall Kachelmann

Ist es besonders reizvoll einen Prominenten hinter Gitter zu bringen? Der Präsident der deutschen Strafrechtsanwälte wirft genau dies der Justiz vor.

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Kachelmann wieder frei
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Kachelmann wieder frei

Keystone

«Es ist wahrscheinlich ein bisschen schön, wenn man einen Prominenten vorführen kann.» Das Privatleben des Schweizer Wettermoderators sei in einer Weise an die Öffentlichkeit gezerrt worden, wie es bei normalen Sexualstraftätern nie der Fall gewesen wäre.

Jürgen Möthrath Der deutsche Fachanwalt für Strafrecht Jürgen Möthrath kritisiert die Justiz scharf.  

Jürgen Möthrath Der deutsche Fachanwalt für Strafrecht Jürgen Möthrath kritisiert die Justiz scharf.  

«Jeder, der in der Öffentlichkeit steht, der Erfolg hat, wird schnell mit Namen genannt und nicht nur mit dem Kürzel.» Unter der Hand würden Informationen an die Presse weitergeben, sagte der Strafverteidiger und erinnerte an den Fall des früheren Postchefs Klaus Zumwinkel.

Dieser war 2009 wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Am Tag der Hausdurchsuchung bei Zumwinkel habe der Eindruck bestanden, dass die Presse schneller vor Ort gewesen sei als die ermittelnde Staatsanwaltschaft.

«Diese Form, an die Medien zu gehen, ist aus meiner Sicht unmoralisch», sagte Möthrath. Mit dem Mittel der Vorverurteilung werde ein gewisser öffentlicher Druck aufgebaut, was die Arbeit eines Strafverteidigers belaste.

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