Prozess

Staatsanwalt fordert vier Jahre Freiheitsstrafe für Carl Hirschmann

Der wegen sexueller Nötigung, Körperverletzung und Sex mit Minderjährigen angeklagte Millionenerbe Carl Hirschmann soll mit vier Jahren Gefängnis bestraft werden.

Zusätzlich soll Hirschmann eine Busse von 2000 Franken bezahlen.

Am frühen Mittwochnachmittag erzählte eines von Hirschmanns mutmasslichen Opfern seine Sicht der Dinge. Carl habe ihr Geld geboten, damit sie die Anzeige gegen ihn zurückziehe, sagte die Studentin, die er in Frankreich verprügelt haben soll.

Er habe ihr angeboten, so viel Geld zu bezahlen, dass «ich ausgesorgt habe», sagte die Geschädigte mit südafrikanischen und argentinischen Wurzeln vor dem Zürcher Bezirksgericht.

Sie habe Angst vor ihm gehabt, sagte die Studentin weiter. «Ich habe mehrmals gesehen, dass Carl seien Drohungen wahr machte.» Dennoch habe sie abgelehnt. Anders tönt es vom Angeklagten selber: Die Frau habe ihm selber angeboten, die Anzeige zurückzuziehen, dies aber nicht getan, weil sie dann von ihren Eltern enterbt worden wäre.

Die Beweisaufnahme ist mit der Befragung des mutmasslichen Opfers abgeschlossen. Der Prozess dauert noch bis mindestens Donnerstagabend.

Eine «Amour fou»

Der Millionenerbe Carl Hirschmann hat vor dem Bezirksgericht Zürich jegliche sexuelle Gewalt an Frauen bestritten. Das seien alles Lügen, sagte er. Allerdings: Ohrfeigen habe es schon mehrmals gegeben - als Teil einer «Amour fou».

Diese «Amour fou», ein ewiges, leidenschaftliches Hin- und Her, hat Hirschmann mit jener Frau geführt, die er in St.Tropez verprügelt haben soll. Sie erschien als einzige der drei Klägerinnen vor Gericht.

Ja, es habe Ohrfeigen gegeben, räumte Hirschmann ein. Aber auch sie habe ihn geschlagen. Die Beziehung sei destruktiv gewesen. Verprügelt habe er sie aber nie. Dass er deswegen in Untersuchungshaft kam, bezeichnet der Erbe eines dreistelligen Millionenvermögens als Justizskandal.

Der Vater der Frau und der Staatsanwalt hätten sich vom Militär her gekannt, sagte der 31-Jährige sichtlich empört. «Das Ganze ist ein Komplott.» Man wolle ihn fertigmachen, weil er «der Hirschmann» sei. Er besitze ein Foto, welches die Frau am Tag nach der angeblichen Prügelei zeige. Darauf sei sie unverletzt.

Strafrechtlich schuldig habe er sich nicht gemacht - ausser vielleicht mit einem Droh-SMS an das Model, weil dieses ihn habe erpressen wollen. Unschuldig sei er aber vor allem, was den Vorwurf der sexuellen Nötigung betreffe.

Immer einvernehmlich

Der Oralsex sei in jedem Fall einvernehmlich gewesen. Den Biss in den Penis, mit dem sich ein Opfer gemäss Anklage habe wehren wollen, sei «Teil des erotischen Spiels» gewesen. Eigentlich könne man eine Frau ja ohnehin nicht zum Oralsex zwingen. «Wenn sie nicht will, bleibt einfach der Mund zu.»

Unschuldig gab sich Hirschmann auch beim Anklagepunkt der sexuellen Handlungen mit Minderjährigen. Er sei der Überzeugung gewesen, dass die junge Frau volljährig sei. «Dieser Körper, diese Formen.» Das Mädchen war 15.

Auch wenn Hirschmann die Anklagepunkte abstreitet: Der Spross aus der Jet-Aviation-Dynastie gab sich am Mittwoch durchaus selbstkritisch. Er habe den Frauen emotional weh getan, mit ihnen gespielt und sei «ein Vollidiot» gewesen.

Seine vielen Frauengeschichten begründet er damit, dass er mit einem Defizit an Wärme und Zuneigung aufgewachsen sei. «Ich brauche das Gefühl, dass mich jemand will.» Der Prozess dauert noch mindestens bis Donnerstagabend.

Hirschmann soll mehrmals mit Gewalt Frauen zum Oralsex gezwungen und sie geschlagen haben. Zudem soll er mit einer Minderjährigen Sex gehabt haben und versucht haben, eines der Opfer zum Rückzug der Anzeige zu zwingen, indem er mit der Veröffentlichung von Sexvideos drohte. (sda)

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1