Das Haus fällt nicht auf. Niemand würde ahnen, dass hier, in diesem eher unscheinbaren, gutbürgerlichen Quartier in Zollikerberg bis vor kurzem das berühmteste Promi-Paar der Schweiz wohnte: Andres Andrekson, besser bekannt als Rapper Stress (34), und die Schauspielerin und Ex-Miss-Schweiz Melanie Winiger (33). Fünf Jahre lang lebte das Traumpaar der Unterhaltungsbranche hier, bis die Liebe vor gut einem Jahr zerbrach. Winiger ist mit ihrem Sohn Noël ausgezogen und wohnt heute in New York. Und Stress hat seiner Ex-Frau im Mai den Anteil am Haus (geschätzter Wert 2,5 Mio.) abgekauft. Plötzlich war er ganz allein in diesem grossen Haus.

Quelle: youtube/stresswebmaster

«All my Life» von Stress, Bastian Baker und Noah Veraguth

Gestern hat Stress dieses Haus für die Medien geöffnet. Zwei Sicherheitsmänner bewachen es. Auf dem Briefkasten steht immer noch «Andrekson/Winiger». Doch der Anlass ist ein musikalischer: Hier in diesem Haus ist in diesem Sommer ein spezielles Projekt des Rappers mit den Sängern Bastian Baker und Noah Veraguth und weiteren befreundeten Musikern wie den Rappern M.A.M. und Bligg sowie der Sängerin Karolyn entstanden. «Auslöser dieses Projekts war meine Scheidung», gibt Stress unumwunden zu. Um besser darüber hinwegzukommen, hat er Ende Mai befreundete Musiker in sein grosses Haus eingeladen. «Idee war, zusammen eine gute Zeit zu verbringen, zu essen, zu trinken, zu diskutieren und zu schlafen», sagt Stress, «und vielleicht – vielleicht auch etwas Musik zu machen, aber ohne Druck und ohne die Absicht, ein Album zu produzieren».

Stress vermisst Melanies Sohn Noël

Das Haus von Stress ist zweistöckig. Die Medienleute versammeln sich im Parterre in der grosszügigen Stube mit gewölbten, weissen Wänden, einem grossen Cheminée und einem riesigen Fernseher. Vor der Stube befindet sich eine grosse Terrasse mit Garten, aber ohne Aussicht. Etwas versteckt um die Ecke finden wir die fünf Swiss Awards, und an der Wand hängt die goldene Auszeichnung für das Album «Billy Bear» sowie Doppelplatin für «Renaissance». Ausser Bligg sind alle beteiligten Musiker anwesend.

«Alles begann mit einer Jamsession», sagt Noah Veraguth , der Sänger von Pegasus. In der kleinen Küche wurden die Gesänge aufgenommen. «Weil die Akustik dort am besten ist», erklärt Veraguth. Das wichtigste Zimmer war aber das ehemalige Zimmer von Noël. «Wir haben alles in seinem ehemaligen Zimmer aufgenommen», sagt Stress. Deshalb heisst das Album auch «Noël’s Room». Es ist aber so klein, dass nie alle gleichzeitig darin spielen konnten.

«Ich vermisse Noël sehr», sagt Stress. Heute erinnert nur noch das Kajütenbett an Melanie Winigers Sohn. Während der Zeit der Aufnahme im Mai schlief jeweils Noah dort. Anfang Juni wurde Bastian Baker eingeladen. «Es war extrem», erzählt dieser, «ich war insgesamt acht Tage bei Stress. Am ersten Tag haben wir gleich vier Songs komponiert und aufgenommen. Am zweiten Tag noch einen. Es war sehr intensiv und sehr produktiv – doch dann haben wir nur noch Party gemacht. Wir hatten einen Riesenspass.»

Stress ist der Initiator, Dreh- und Angelpunkt von «Noël’s Room», der «Master of Ceremony». Nur er ist auf allen 13 Songs präsent. Doch für Veraguth ist «Noël’s Room» viel mehr als ein normales Album von Stress mit Gastsängern. «Wir haben uns gegenseitig inspiriert», sagt er. «Wir haben grossen Respekt vor ihm, er ist zehn Jahre älter als ich und hat die grösste Erfahrung, aber wir waren absolut gleichberechtigt. Es ist ein Album von Freunden.»

Labels wussten nichts

Das Spezielle an «Noël’s Room» ist aber, dass das Projekt auf Initiative der Musiker ohne Wissen der Labels aufgegleist wurde. Das Projekt entstand spontan und ist keine auf dem Reissbrett der Marketingabteilung konstruierte Schweizer Supergroup. Die Musik der Freunde ist eine einmalige Sache. «Wir wussten absolut nichts», bestätigt Bernd Blankenburg von Universal, «als ich im Juni zum ersten Mal davon hörte, standen schon acht Songs.»

Nicht alles auf «Noël’s Room» ist gelungen. Einige Songs, vor allem in der zweiten Albumhälfte, würden bei einem «normalen» Prozess wohl rausfallen. Umgekehrt hat das Spassprojekt dieses Freundeskreises ein paar Songperlen kreiert, allen voran der Opener «All My Life». Eine lyrische Pop-Ballade mit orchestralem Gewand und grosser emotionaler Kraft. Es ist der einzige Song mit Baker, Veraguth und Stress. «Das ist mein absoluter Lieblingssong. Ich habe ihn erst im September, vor den Augen von Stress komponiert», sagt Veraguth. Oder der Titelsong «Noël’s Room» sowie das folkige «Back In My Life» von Bastian Baker, die den welschen Rapper in einem neuen musikalischen Umfeld präsentieren. Stress singt und rappt sich frei.