Steffen

Sie fühlte sich ab und zu als Alleinkämpferin

Elisabeth Steffen drängte nicht in die Politik. Trotzdem wurde sie die erste Gemeindepräsidentin von Lüterkofen-Ichertswil. Heute ist sie den letzten Tag im Amt.

Anne-Regula Keller

Elisabeth Steffen, Sie geben nach acht Jahren als Gemeindepräsidentin das Zepter an Roger Siegenthaler, ebenfalls FdP, weiter. Machten Sie in der Gemeinde vorher die Ochsentour durch allerlei Ämter?
Elisabeth Steffen: Nein, Politik hatte für mich lange keine aktivierende Bedeutung, obwohl ich beruflich stets von Politik umgeben war. Nach der Scheidung 1985 hergezogen, trat ich der FdP-Ortspartei erst bei, als ich nach Jahren darauf angesprochen wurde.

Dann folgten erste Ämter?
Steffen: Nein. Erst 1997 vor den Gemeinderatswahlen hat man mich als Listenfüllerin angefragt und gleich gewählt. Damals sassen im Rat vier FdP, zwei SP und ein SVP-Vertreter.

Vier Jahre später wurden Sie die erste Gemeindepräsidentin.
Steffen: Ja, 2001, als sechs FdP-Leute und eine SP-Frau gewählt wurden. Mein Vorgänger Ernst Stuber hatte demissioniert. Die FdP setzte mich doppelt auf die Liste, weil ich Gemeindepräsidentin werden sollte. Das brachte mir so viele Stimmen, dass die Partei auch das Restmandat bekam.

Was haben Sie anders gemacht als Ihr Vorgänger?
Steffen: Ich konnte von ihm als bestandenem, erfahrenem Ammann viel lernen. Mir war eine offene Kommunikation und Information wichtig. Jeder soll seine Meinung frei einbringen. Zugleich delegierte ich alle Vorarbeiten in die Ressorts. Deren Leiter sollen für ihre Bereiche selber verantwortlich sein. Auch war mir wichtig, dass der Rat als Team auftritt.

Was war Ihr Bereich?
Steffen: Verwaltung und Personal, Wahlbüro und Öffentlichkeitsarbeit. Kontakt zur Bevölkerung und Offenheit ihr gegenüber waren mir stets ein grosses Anliegen. Zu meinen letzten öffentlichen Auftritten gehörten denn auch das 1.-August-Fest, die Einweihung des Klein-Tanklöschfahrzeugs als Patin und die Seniorenreise.

Was waren Meilensteine in Ihrer Amtszeit?
Steffen: Der Ausbau der Gemeindeverwaltung, die Einrichtung der Bauverwaltung, der generelle Entwässerungsplan, der Werkkataster und die Einführung der Kultur- und Sportpreisverleihung sind einige Beispiele. Durch die ganze Amtszeit begleitete mich das Thema Schulhausneubau im Rahmen der Schulplanung Bucheggberg. Nach dem vermeintlichen Entscheid für das Szenario A3 signalisierten mir sowohl das Bildungsdepartement als auch der Schulkreis Unterer Bucheggberg, dass wir die Neubauplanung in Angriff nehmen konnten.

Da haben Sie einiges vorgeleistet.
Steffen: Wir setzten eine Planungskommission mit Vertretern aus dem Bibern- und dem Mühletal ein. Mit fachlicher Beratung erarbeiteten wir das Raum- und Wettbewerbsprogramm und bestimmten den Standort. Nur die Finanzierung war noch nicht klar geregelt. Als die Gemeindepräsidienkonferenz die Planung aussetzte, mussten auch wir stoppen, bis der Bundesgerichtsentscheid feststand.

Nach der Deblockierung begann der Bezirk die Schulraumplanung mit eigenen Arbeitsgruppen von Grund auf neu.
Steffen: Genau. Unsere vorherige Arbeit wurde nicht mehr weiter berücksichtigt. Zudem mussten wir die Planungskommission aufheben und die Wettbewerbsjury ausladen. Aus meiner persönlichen Sicht wäre der Standort für ein regionales Schulzentrum südlich der Mehrzweckhalle besser geeignet als mitten im Dorf. Die Schulbauplanung wurde neben der Postschliessung schliesslich die grösste Enttäuschung meiner Amtszeit.

Und Höhepunkte?
Steffen: Erfreulicher war die Bevölkerungsentwicklung, verbunden mit einer regen Bautätigkeit und dem Zuzug junger Familien. 2001 hatte Lüterkofen-Ichertswil etwa 680 Einwohner, heute 739.

Dies dank der Steuersenkung auf 85 Punkte nach dem Zuzug eines betuchten Einwohners?
Steffen: Wer weiss? Nach dem Aufschwung von Lohn-Ammannsegg, wo das Bauland inzwischen rarer wird, hat unsere Steuersituation womöglich anziehend gewirkt. Zudem zeichnete sich ab, dass Kindergarten und Primarschule im Dorf bleiben.

Hat Lüterkofen-Ichertswil noch viel Bauland?
Steffen: Zurzeit ist praktisch alles überbaut oder aber bereits in Planung. Der Vorschlag zu einer Ortsplanungsrevision ist zurzeit beim Kanton zur Vorprüfung.

Wo soll die Gemeinde noch wachsen?
Steffen: Über die Details wird die Bevölkerung noch einmal informiert werden, wenn der bereinigte Ortsplan aufliegt.

Warum sind Sie zurückgetreten? Seit einem Jahr sind Sie pensioniert und hätten eher Zeit.
Steffen: Es hat richtig Spass gemacht, mehr Zeit für die vielfältigen Aufgaben zu haben und nicht mehr Abende und Sonntage einsetzen zu müssen. Allerdings läuft eine pflichtbewusste Ruheständerin stets Gefahr, das Pensum des Nebenamtes zu überschreiten. Für den Rücktritt sprechen zudem mein Jahrgang sowie ein gewisser Motivationsschwund.

Gibt es für Letzteres einen Grund?
Steffen: Ich habe mein Amt nach bestem Wissen und Gewissen geführt. Dabei betrachtete ich es immer als oberstes Gebot, für alle da zu sein, egal welchen Alters, welcher Nationalität, welcher Parteizugehörigkeit. Mühe bereitete mir, wenn einzelne Interessen und nicht die Sache im Vordergrund standen. Für eine offene, ehrliche Bürgerin mit Sinn für Gerechtigkeit war es manchmal schwierig, Parteipolitik zu verstehen und deren Jonglier- und Schleichwege zu ergründen. Als Frau ohne einschlägiges politisches Beziehungsnetz fühlte ich mich ab und zu als Alleinkämpferin, nicht zuletzt mangels Unterstützung seitens der Partei.

Ihre Bilanz?
Steffen: Rückblickend möchte ich die intensive Zeit in diesem fordernden Amt keinesfalls missen. Die positiven Seiten haben überwogen, und ich spürte die Dorfbevölkerung hinter mir. Doch jetzt wünsche ich dem neu auf fünf Mitglieder reduzierten Rat und seinem Präsidenten erfolgreiches Wirken zum Wohl der florierenden Gemeinde und Mut zu zukunftsweisenden Entscheiden.

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