Sibylle Brunner und ein Altersheim, das scheint wie Tag und Nacht: Mit 74 Jahren befindet sich die Schauspielerin auf dem Höhepunkt ihrer langen Karriere, im März hat sie den diesjährigen Quartz als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in "Rosie" gewonnen.

So denkt Brunner denn auch nicht annähernd an eine Pension: "Ich will so lange wie möglich arbeiten", sagte die gebürtige Zürcherin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Einige der Filmszenen liess Regisseur Marcel Gisler in einem Altersheim drehen. Der Besuch dort jagte Brunner einen gehörigen Schreck ein. Sie habe die Filmcrew angefleht: «Bitte sorgt dafür, dass ich nicht in ein Heim gesteckt werde.»

Natürlich wisse sie nicht, was auf sie zukomme, wenn es ihr dereinst schlechter gehe, denn sie wohne alleine, "als Single". Angst vor Einsamkeit habe sie aber kaum, denn sie lebe in einem anderen Milieu als Filmfigur Rosie.

Dennoch kennt Brunner die Einsamkeit älterer Menschen. "Ich sehe das bei Frauen in meinem Alter, die in meiner Nachbarschaft leben."

Brunner wohnt in Hannover, ihre beiden Kinder sowie die Enkelkinder leben weit weg. Schlimm sei das nicht, sie sei nicht so ein "Familien-Tier". Wichtig ist ihr die Familie trotz der Distanz. Während Rosie eine Meisterin der Verdrängungstaktik ist, setzt man in Brunners Familie auf Ehrlichkeit. "Wir sprechen die Dinge an, wir verdrängen sie nicht."