Alkohol und Depressionen

Schwimmstar Michael Phelps: «Ich wollte nicht mehr leben»

US-Schwimmlegende Phelps vor dem Gerichtstermin, nachdem er unter Alkoholeinfluss Auto fuhr (Archiv)

US-Schwimmlegende Phelps vor dem Gerichtstermin, nachdem er unter Alkoholeinfluss Auto fuhr (Archiv)

Schwimmstar Michael Phelps hat einen seltenen Einblick in sein Seelenleben gewährt und dabei erschütternde Details über seine grossen privaten Probleme preisgegeben. Er trank immer mehr Alkohol und kämpfte gegen Depressionen an.

Der 29. September 2014 ist das wahrscheinlich wichtigste Datum in der Karriere des 18-fachen Olympiasiegers Michael Phelps. Seine Festnahme nach einem feuchtfröhlichen Abend in einem Casino in Baltimore habe ihn in eine tiefe Depression gestürzt, erklärte der 30-Jährige.

«Ich war an einem wirklich dunklen Ort. Wollte nicht mehr weiterleben», sagte der 18-malige Olympiasieger in der Titelgeschichte des US-Magazins Sports Illustrated mit der Überschrift «The Rehabilitation of Michael Phelps».

Sein Erfolgstrainer Bob Bowman hatte wegen des zunehmend unberechenbaren Verhaltens seines Schützlings schlimme Befürchtungen gehegt: «Ich dachte ehrlich: So, wie er sich verhält, wird er sich töten. Nicht, dass er sich das Leben nehmen wird, aber so etwas wie DUI (Autofahren unter Alkoholeinfluss, d. Red.), nur noch schlimmer.»

Doch Phelps hat den Tiefpunkt inzwischen hinter sich gelassen. Dieser war seine Verurteilung im September 2014 zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung, nachdem er zum wiederholten Mal bei einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss erwischt worden war. Unmittelbar danach habe er sein Haus in Maryland vier Tage nicht verlassen, verriet der 30-Jährige.

Michael Phelps in glücklicheren Tagen

Michael Phelps in glücklicheren Tagen

Gemeinsam mit seiner Familie und seinen Freunden entschied er sich schliesslich für eine stationäre Suchttherapie. «Das war wahrscheinlich die grösste Furcht, die ich jemals in meinem Leben gespürt habe», sagte Phelps.

Als einige Mitpatienten eines Abends im Fernseher des Gemeinschaftsraums einen Bericht über Phelps und dessen Sperre durch den US-Schwimmverband sahen, stellte er sich ihnen vor. «Ich sagte: Ja, das bin ich. Die Katze ist aus dem Sack.»

Seine Alkoholprobleme will Phelps überstanden haben, bis zu den Olympischen Spielen im kommenden Sommer in Rio will er definitiv keinen Alkohol trinken.

Diese Abstinenz sei auch ein Grund für seine wieder beeindruckende Form: «Mein Körperfettanteil ist deutlich gesunken, ich bin drahtiger als je zuvor.»

Doch nicht nur sein Körper habe sich zum Positiven verändert. Phelps, der nach Olympia seine Lebensgefährtin Nicole Johnson heiraten wird, scheint die Lehren aus der Vergangenheit gezogen zu haben. «Ihr werdet einen anderen Mann sehen als in allen anderen Olympischen Spielen zuvor», kündigte Phelps an.

Der Rekord-Olympiasieger wird beim am Donnerstag beginnenden Meeting in Minneapolis einen weiteren Testlauf für Olympia angehen. Der Allrounder ist auf sechs Strecken gemeldet.

Im August hatte der Ausnahmeschwimmer, der bei der WM im russischen Kasan gesperrt war, mit drei Jahres-Weltbestzeiten bei den parallel ausgetragenen US-Meisterschaften in San Antonio/Texas geglänzt. Bei allen drei Siegen war Phelps schneller gewesen als der frisch gekürte Weltmeister von Kasan. (sha/sid)

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