Oscar Pistorius
«Schüsse, Schreie und wieder Schüsse»: Zeugin erhärtet Mord-These

Im Mordprozesse gegen den südafrikanischen Behinderten-Sportler Runner» Oscar Pistorius hat eine weitere Zeugin der Anklage die Mord-These erhärtet. Die Staatsanwaltschaft schliesst diese Woche ihre Beweisführung ab.

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Sprintstar Oscar Pistorius ist des Mordes angeklagt (Archiv)

Sprintstar Oscar Pistorius ist des Mordes angeklagt (Archiv)

Keystone

Im Mordprozess gegen den südafrikanischen Sprintstar Oscar Pistorius hat die Anklage den Vorwurf der vorsätzlichen Tötung noch einmal erhärtet. Eine Nachbarin sagte am Montag aus, sie habe in der Tatnacht erst Schüsse und dann Schreie einer Frau gehört, anschliessend seien weitere Schüsse gefallen.

"Ich hörte drei, die sich für mich wie Gewehrschüsse anhörten", sagte Anette Stipp. "Nur Augenblicke nach den Schüssen hörte ich eine Frau schreien. Panisches, panisches Schreien."

Mit ihrer Aussage stützte Stipp die Version früherer Zeugen, die erst Schreie, dann einen Schuss gefolgt von Angstschreien einer Frau und drei weiteren Schüssen gehört hatten. Zugleich erschütterte sie die Darstellung von Pistorius, wonach er seine Freundin Reeva Steenkamp in der Nacht zum Valentinstag vergangenen Jahres für einen Einbrecher gehalten und daraufhin geschossen habe.

Freunde und Familie der ermordeten Reeva Steenkamp im Gerichtssaal.
6 Bilder
Oscar Pistorius mit seiner Schwester Aimee.
Pistorius' Verteidiger Barry Roux brachte die Polizei, welche bei Pistorius den Tatort sicherte, arg in Bedrängis.
Oscar Pistorius beim Verlassen des Gerichts.
Auch an den Hosen von Pistorius klebte viel Blut seiner Freundin Reeva Steenkamp.
10. Verhandlungstag im Mordfall Oscar Pistorius

Freunde und Familie der ermordeten Reeva Steenkamp im Gerichtssaal.

Keystone

Die Verteidigung hatte argumentiert, die Schüsse seien so schnell abgefeuert worden, dass die 29-jährige Steenkamp keine Zeit mehr gehabt habe zu schreien und ihren Freund darauf aufmerksam zu machen, dass sie im Badezimmer war. Ausserdem machten Pistorius' Anwälte geltend, dass der Angeklagte selbst "wie eine Frau" schreie, wenn er in Panik gerate.

Stipp beharrte bei ihrer Aussage vor Gericht jedoch darauf, dass nach der ersten Salve "ganz klar eine Frau" und "erst vor der zweiten Salve ein Mann" geschrien habe. Im Haus von Pistorius seien danach die Lichter angegangen, das Badezimmerfenster sei offen gewesen.

Steenkamp hatte Angst vor Pistorius

Ein Handyexperte deckte am Montag zudem auf, dass Steenkamp Angst vor ihrem Freund hatte. "Ich habe manchmal Angst vor Dir und davor, wie Du mir gegenüber reagierst", schrieb das Model demnach wenige Monate vor ihrem Tod in einer SMS. Pistorius hatte stets betont, die Beziehung zu der 29-Jährigen sei glücklich gewesen.

Stipp gehörte zu den letzten Zeugen der Anklage. Die Staatsanwaltschaft will nach eigenen Angaben ihre Beweisaufnahme in dieser Woche beenden; anschliessend ist die Verteidigung an der Reihe mit der Präsentation von Zeugen.

Prozess verlängert

Der Prozess dauert bereits länger als geplant und wird um sieben Wochen bis zum 16. Mai verlängert. Wie das Gericht in Pretoria am Sonntag bekanntgab, wird das Verfahren vom 24. März bis zum 4. April fortgesetzt und dann wegen Schliessung des Gerichts für zehn Tage unterbrochen.

Vom 14. April bis zum 16. Mai würden die Verhandlungen dann wieder aufgenommen. Ursprünglich sollte der Prozess nach drei Wochen am 20. März zu Ende sein.

Der 27-jährige Pistorius muss sich seit Anfang März vor Gericht verantworten. Der unterhalb der Knie amputierte Sprintstar hatte seine Freundin Reeva Steenkamp in der Nacht zum Valentinstag vergangenen Jahres durch die geschlossene Toilettentür seines Hauses erschossen. (sda)

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