Eine untere Instanz hatte im Juli vergangenen Jahres gegen Pistorius eine sechsjährige Haftstrafe verhängt. Der Staatsanwaltschaft war das Strafmass zu niedrig. Sie legte deshalb Berufung ein.

Das Berufungsgericht kassierte nun das aus Sicht der Staatsanwaltschaft "skandalös unangemessene" Urteil des Gerichts in Pretoria aus dem vergangenen Jahr. Das neue Urteil sei "einstimmig" ergangen, sagte Richter Willie Seriti am Freitag in Bloemfontein.

In knappen Worten verkündete der Berufungsrichter am Freitag die Entscheidung: Das Urteil der Vorinstanz werde "aufgehoben und durch das folgende ersetzt: Der Angeklagte wird zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und fünf Monaten verurteilt."

Mildernde Umstände

Pistorius hatte in der Nacht zum Valentinstag 2013 seine Freundin Reeva Steenkamp durch die geschlossene Toilettentür seines Hauses erschossen. Der unterschenkelamputierte Sportler beteuerte stets, das Model für einen Einbrecher gehalten und in Panik gehandelt zu haben.

Im Oktober 2014 wurde er zunächst wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt und ein Jahr später in den Hausarrest entlassen. Ein Berufungsgericht sprach ihn jedoch im Dezember 2015 des Mordes schuldig, da er mit seinen Schüssen den Tod eines Menschen billigend in Kauf genommen habe.

Im Juli 2016 wurde Pistorius schliesslich zu sechs Jahren Haft verurteilt. Richterin Thokozile Masipa hatte dabei mildernde Umstände gelten lassen.

"Er ist ein gefallener Held, er hat seine Karriere verloren, er ist finanziell ruiniert", hatte sie bei der Urteilsverkündung gesagt. Er sei Ersttäter und habe Reue gezeigt, nun müsse er eine Chance haben, sich zu rehabilitieren.

Kein Urteil bringt Tochter zurück

Dieses Urteil wurde nun aufgehoben und verschärft. Es gebe keine "substanziellen und überzeugenden" Umstände, die ein Abweichen von der Mindeststrafe von 15 Jahren erlaubten, erklärte Richter Seriti am Freitag. Bei der Bemessung des neuen Strafmasses berücksichtigte das Gericht allerdings die bereits von Pistorius abgesessene Zeit.

Der 31-jährige Pistorius war am Freitag nicht im Gericht anwesend. Sein Bruder Carl Pistorius äusserte sich über Twitter fassungslos: "erschüttert, todunglücklich, bitter enttäuscht", schrieb er. "Wir haben alle einen unfassbaren Verlust erlitten. Der Tod Reevas war und ist immer noch ein grosser Verlust auch für unsere Familie."

Pistorius bleibt nach Angaben von Experten nun noch die Möglichkeit, in letzter Instanz das Verfassungsgericht Südafrikas anzurufen. Der Anwalt der Familie des Ex-Sportlers war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft begrüsste das Berufungsurteil. Luvuyo Mfaku sagte, die Anklagebehörde habe stets betont, dass es ihr bei der Anfechtung des Urteils nicht um das "Individuum" gegangen sei, sondern um die "Rechtspflege". "Wir hoffen, dass die Familie (Steenkamp) das Kapitel nun abschliessen kann", nachdem der "Gerechtigkeit Genüge getan" worden sei.

Die Familie des Opfers liess durch ihre Anwältin, Tania Koen, mitteilen, sie habe "stets Vertrauen in das Justizsystem gehabt", und das Urteil vom Freitag bestätige sie in dieser Haltung. Reeva Steenkamp könne "jetzt in Frieden ruhen". Für die Familie schliesse das Urteil ein Kapitel, sagte Anwältin Koen. Doch kein Urteil werde ihnen ihre Tochter "zurückbringen".