«Sun» beendet eine Ära
Samantha Fox war das jüngste und erfolgreichste aller Seite-3-Girls

Das britische Boulevard-Blatt «The Sun» beendet nach 45 Jahren die barbusigen Auftritte der Page-Three-Girls. Samantha Fox wird uns als prominentestes in Erinnerung bleiben.

Simone Meier
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Samantha Fox
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Samanta Fox bei einem Auftritt im Jahr 2006.
Samantha Fox im September 1999 an der London Fashion Week: Hier präsentiert sie auf dem Laufsteg eine Kreation von Red or Dead.

Samantha Fox

Dukas/Rex

Die Tochter spielt gerne Theater. Die Mutter hat lange beim Fernseh-Ballett gearbeitet, der Vater liebt Boxer. Die Mutter schickt ein Foto der 16-jährigen Tochter in Lingerie an die «Sunday People», die Zeitung sucht das «Girl of the Year». Samantha Karen Fox aus London wird von 20 000 Mädchen Zweite, und «The Sun» bietet ihr sofort einen Vertrag für zwei Jahre an. Sie muss sich regelmässig auf der Seite 3 oben ohne zeigen und erhält dafür 2000 Pfund die Woche. Ihr Vater macht sich sofort zu ihrem Manager. Das ist 1982. Noch nie hat die «Sun» eine Jüngere gezeigt. Und nie mehr eine Erfolgreichere.

Ihr Vertrag wird um zwei Jahre verlängert, dreimal hintereinander wird sie zum Page-Three-Girl des Jahres gewählt. Da ist sie noch keine zwanzig. Eigentlich wollte sie immer Popstar werden, nicht Topless-Model. 1986 gelingt ihr tatsächlich ein Hit, der auch in der Schweiz Nummer eins wird, es ist der Soundtrack zu einer Erotik-Karriere, «Touch Me (I Want Your Body)».

Der Song ist kein Schrei nach Liebe, aber ein Schrei nach Sex, und die BBC kann das Video dazu nicht zeigen, weil Samantha Fox rückseitig einen Riss in ihrer Jeans hat, der als genauso schlimm eingestuft wird wie ein nackter Busen.

80 Pfund für die Beerdigung

In den 80ern gibt es in England nur Lady Di, die öfter fotografiert wird. In den 90ern verklagt sie zuerst ihren Vater, der Geld von ihren Einkünften abgezweigt hat, und spricht zeit seines Lebens nicht mehr mit ihm. Als er stirbt, schickt sie ihrer Schwester 80 Pfund für die Beerdigung. Sie zieht sich wieder aus. Für die «Sun», für den «Playboy». Und schliesst sich einer Erweckungsbewegung an.

Ihre offiziellen Beziehungen sind damals der Gitarrist Paul Stanley von Kiss, der spanische Stierkämpfer Rafi Camino, der australische Betrüger Peter Foster, der auf drei Kontinenten gesucht wird. Inoffiziell lebt sie jahrelang mit Frauen, was sie gegen aussen verleugnet. Sie nimmt Drogen und trinkt und schaut sich Nacht für Nacht Videos ihrer alten Auftritte als Popstar an.

Mehrere öffentliche Darbietungen, etwa als Moderatorin, werden wegen ihres Alkoholkonsums zum Debakel. Samantha Fox ist eine frühe, blonde Amy Winehouse. Die Zahl ihrer verkauften Alben korrigiert sie Jahr für Jahr nach oben: 1995 spricht sie von zehn Millionen, 1999 von 20, 2003 von 30. Von ihrem Vater hat sie die Liebe zum Boxen geerbt und verprügelt nun andere Frauen in Promi-Fights. Sie geht ins «Dschungelcamp» und begeistert die Briten mit ihrer «fantastischen Figur».

Angeblich hat sie noch nie eine Brustvergrösserung machen lassen. Sie möchte gerne für britische Girl-Groups Songs schreiben, muss das aber unter einem Pseudonym tun. Bands wie die All Saints wollen nicht mit einem Erotikstarlet in Verbindung gebracht werden.

Glücklich mit Partnerin

2003 war das Jahr, als vieles besser wurde im Leben der Samantha Fox: Sie bekannte sich zu ihrer Managerin und Partnerin Myra Stratton, die beiden sind noch heute zusammen. «Die Leute sagen, ich bin lesbisch. Ich weiss nicht, was ich bin. Ich habe schon früher mit Frauen geschlafen, aber ich war in keine verliebt vor Myra Stratton. Ich liebe sie vollkommen und will den Rest meines Lebens mit ihr verbringen.»

2009 redeten die beiden vom Heiraten, zuerst auf Hawaii, dann in Sibirien: «Wir wollen Huskies und Rentiere, und Lemmy von Motörhead wird mein Trauzeuge», versprach Samantha Fox damals. 2011 drehte sie mit dem Schauspieler Ian McKellen einen Werbefilm gegen die Diskriminierung von Trans- und Homosexuellen. Sie besitzt ein Rennpferd und designt T-Shirts mit dem Aufdruck «Touch Me». Es geht ihr endlich ausgezeichnet.