Der Solothurner Schriftsteller Peter Bichsel fürchtet sich weder vor Schmerzen, noch dem Sterben oder dem Tod. «Das Einzige, wovor ich mich fürchte ist, dass ich mit alten Menschen zusammenleben müsste», sagt er in einem Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger».

Der Gedanke daran, dass er sich einmal zwanghaft über eine Guggenmusik oder einen Jodlerclub freuen müsste, ist ihm ein Graus. «Ich hab Jodeln sehr gern, aber ich möchte das nicht im Altersheim mit alten Leuten hören», so der 82-Jährige. Denn in Altersheimen würden die alten Leute entmündigt, indem man ihnen «nur noch gemeinsame Eigenschaften zumisst».

Der Autor müsste in der Altersresidenz auch auf manches verzichten - etwa auf sein frühmorgendliches Ritual. «Ich stehe auf zwischen fünf und neun Uhr und beginne zu kochen», so Bichsel. Kochen sei für einen morgendepressiven Menschen wie ihn eine wohltuende lebensbejahende Beschäftigung. Aus Gewohnheit gehe er noch immer in sein Arbeitszimmer in der Stadt, sagt der Bellacher, auch wenn er es nicht mehr bräuchte. Denn das Schreiben habe er «eigentlich ganz aufgegeben».

Zu Solothurn sagt er: «Ich habe in dieser Stadt an meiner Biografie eigentlich nie gelitten, aber an vielen Biografien der anderen. Ich sehe jetzt die alten Männer auf der Strasse, die habe ich schon gekannt, als sie noch jung waren. Einer war als Jugendlicher ein verrückter Kerl mit verrückten Ideen, jetzt ist er der grösste Spiesser. Ein verbitterter alter Spiesser. Ich ertrag dem seine Biografie nicht. Mit solchen gelebt zu haben und mit denen alt geworden zu sein: Das wird mir oft zur Last.» (sda/szr)